Gegenaktivitäten zur "FESTAKADEMIE EUROPA 2000 und FESTKOMMERS"

INNSBRUCK 12. und 13. Mai 2000

Inhalt:
Gegen alle Maennerbuende! - neu
Burschenschafter Kommers in Innsbruck
Die Burschen saufen wieder

Offener Brief an den Bürgermeister der Stadtgemeinde Innsbruck, DDr.Herwig von Staa, Teilnehmer an der Podiumsdiskussion am 13.Mai;

Offener Brief an den Congress Innsbruck, Aufsichtsrat, z. Hd. Herrn Direktor Georg Lamp

Informationsmaterial zu Teilnehmern der Festakademie Primar Dr. Otto Scrinzi, Abg. z. Nationalrat a.D. Dr. Alfred Mechtersheimer, Abg. z. Europaparlament AULA (folgende Teilnehmer an der Festakademie sind Aula-Autoren: Univ. Doz. Dr. Friedrich Romig, Brigadier Gunter Spath, Helmut Müller, Dr. Gerulf Stix) ZUR ZEIT

Programm der Festakademie


Demo gegen den Burschenschafter-Kommers:
Landhausplatz - Innsbruck
13. Mai 2000
Beginn 13 Uhr

Im folgenden der Text unseres Aufrufflugis dazu:

Gegen alle Maennerbuende!

Von 12 bis 13. Mai treffen sich in  Innsbruck bis zu zweitausend deutschnationale Burschenschafter zu einem sogenannten "Festkommers" sowie zur "Festakademie 2000". Wie bereits beim "Gesamttiroler Festkommers" 1994 werden auch heuer wieder Rechte und Rechtsradikale aus ganz Europa anreisen um bei diesem Ereignis dabei zu sein. Das schwarz- blaue Oesterreich  wird diesmal eine besondere Anziehungskraft ausueben, wird es doch in diesen Kreisen als "Vorbild fuer ganz Europa" gehandelt. Auch das Erscheinen von Vertretern der Regierungsparteien ist zu erwarten, waren oder sind doch einige von ihnen selbst Mitglieder  schlagender Verbindungen. Ueberhaupt sind deutschnationale und rechtskonservative Burschenschaften einer der wichtigsten Verknuepfungs- und Ueberschneidungspunkte vor allem, aber nicht nur, der FPOe mit dem (militanten) aeusserstem rechten Rand. Auch hier kommt den grossen Treffen der Burschen und deren "alten Herren" besondere Bedeutung zu. Veranstaltungsorte werden der Stadtsaal, sowie das Kongresshaus Innsbruck sein, nachdem der Rektor der Universitaet mit der verstaendlichen Begruendung, er wolle "zutiefst abzulehnendes, deutschnationales und rassistisches Gedankengut nicht salonfaehig machen", die Uni nicht zur Verfuegung stellte.

Als prominente Teilnehmer angekuendigt sind unter anderem Ewald Stadler, ehemaliger Dobermann, ein gewisser Alfred Mechtersheimer, dem der deutsche Verfassungschutz eine "Gegnerschaft zum demokratischen Rechtstaat" bescheinigt, oder Friedrich Romig, der in der "Aula" ueber das Dokumentationsarchiv des oesterreichischen Widerstandes schrieb: "Was Not tut, ist die systematische Bekaempfung des eiternden Geschwuers, das unser Land vergiftet."  Der ehemalige SA- Sturmfuehrer Otto Scrinzi wird die Podiumsdiskussion am 13. Mai im Innsbrucker Kongresshaus leiten, und interessanterweise hat auch der Innsbrucker Buergermeister Herwig van Staa (OeVP) sein Kommen zugesagt, was auch erklaert warum die Veranstalter problemlos staedtische Raeumlichkeiten nutzen koennen. ( Schon beim Kommers 1994 zeigte die OeVP wenig Beruehrungsaengste, als ihr "Menschenrechtssprecher" Felix Ermacora auf der Rednerliste stand.)Wichtige Initiatorin des Kommerses ist die Burschenschaft BRIXIA, die sich selbst als "Lebensbund deutschstaemmiger Akademiker" definiert, und die sich unter anderem dadurch hervortat, das sie versuchte am 9. November 1989, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, eine Veranstaltung  mit dem britischen Nazi- "Historiker" und Holocaustleugner David Irving durchzufuehren.

Die Geschichte der Burschenschaften

Die Geschichte der "Waffenstudenten" reicht bis  zum Anfang des vorigen Jahrhunderts zurueck. 1815 gruendeten Studenten in Jena die Deutsche Burschenschaft.   Unter dem Motto "Ehre, Freiheit, Vaterland", verbanden sie buergerlich demokratische Ideen, von Anfang an mit voelkisch-nationalem, rassistischem und antisemitischem Gedankengut. So wurden schon 1817, beim Wartburgfest, das von Burschenschaften als legendaeres Gruendungsfest angesehen wird, Buecher von antinationalen und juedischen Autoren verbrannt. Bereits 1820 verlangten Korporierte den Ausschluss der "vaterlandslosen Juden". Die 1902 als Dachverband neugegruendete Deutsche Burschenschaft verlieh in ihren Eisenachern Beschluessen ihrer Ueberzeugung Ausdruck, "dass die ererbte Rasseneigenschaften der Juden durch die Taufe nicht beruert werden". Rund 10 Jahre vor der NS-Machteinsetzung waren alle national-freiheitlicher Verbindungen in Deutschland und Oesterreich "judenrein"... 1933 jubelten die Korporierten, und organisierten gemeinsam mit der SA die zweite deutsche Buecherverbrennung. Um sich zu entlasten, behaupten die Korporierten gerne, sie seien 1938 unter Zwang aufgeloest worden, in Wahrheit loesten sie sich feierlich selbst auf, und traten geschlossen in den NSDStB (Nationalsozialistischen Studentenbund) ein. Ein grosser Teil der Burschenschafter machte im NS-Staat Karriere: Heinrich Himmler, Alfred Rosenberg, Horst Wessel...Auch nach 1945 verteidigen Burschenschafter den "Arierparagraphen" und ruehmen sich "die juedischen Elemente entfernt" zu haben, und "seit 1882 judenrein" zu sein... So wurde Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess, 1987 vom Dachverband DEUTSCHE BURSCHENSCHAFT in OeSTERREICH fuer den Friedensnobelpreis vorgeschlagen! Neben diesen offenen Identifikationen mit der NS- Ideologie herrscht in burschenschaftlichen Kreisen auch die Leugnung bzw. Verharmlosung der NS- Verbrechen (Revisionismus) vor.Als Teile der NSDAP wurden die Burschen- und Kameradschaften 1945 aufgeloest und das Schlagen von Mensuren, sowie das Tragen von Band und Muetze auf dem Universitaetsgelaende wurde verboten. Aber bald wurde wieder zur Tagesordnung  uebergegangen, die Universitaeten glichen dem Bild zwischen 1920 und 38 - Hochburgen des Deutschnationalismus und Rechtsextremismus. Die rituellen Fechtduelle und das Tragen der Wix auf den Unis wurden wieder erlaubt. 1959 kam es bei einem Umzug anlaesslich der Schiller Feier zu schweren Zusammenstoessen zwischen Neonazis und AntifaschistInnen. Sechs Jahre spaeter wurde der Antifaschist, Spanienkaempfer und KZ-Haeftling Ernst Kirchweger bei einer Demonstration gegen den Nazi-Professor Taras Borodajkewyzc von dem Olympia- Burschenschafter Ernst Kuemel ermordet.
Zu Beginn der 60er stiegen zahlreiche Burschenschafter in den Suedtirolterror ein, und die Burschen rund um den Olympen Norbert Burger (Gruender und Vorsitzender der 1988 verbotenen Nationaldemokratischen Partei (NDP) ) nahmen bei ihrem "Einsatz fuer das bedrohte Grenzlanddeutschtum" die Toetung von Menschen in Kauf. Aufgrund ihrer Beteiligung wurde die Burschenschaft Olympia 1961 verboten. 1973 wurde sie unter dem Namen "Tafelrunde Olympia" wieder gegruendet. Bis heute verfuegen die schlagenden Burschenschaften ueber grossen gesellschaftlichen Einfluss durch ihre guten Verbindungen in Politik und Wirtschaft.

Die Bedeutung der Burschenschaften

Besonders offensichtlich kooperiert die Regierungspartei FPOe mit den deutschnationalen und faschistoiden Studentenverbindungen. Die OeH- Fraktion der Freiheitlichen, der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), wird fast zur Gaenze von Burschenschaftern getragen. 1952 wurde er als Sammelbecken studentischer Nazis gegruendet. Nach einem Jahr stand ihm niemand geringerer als Norbert  Burger (OLYMPIA-Burschenschafter, Suedtirolterrorist, Kopf der NDP,...) vor. Die Verbindung zu den Korporationen war und ist sehr eng. So laesst sich die Liste der im RFS engagierten Burschenschafter lang fortsetzen. Auch zur VAPO des verurteilten Neonazis Gottfried Kuessel gab es gute Kontakte, so besorgten Kuessels Mannen z. B. den Saalschutz fuer eine RFS Veranstaltung an der Uni Wien. Burschenschaften und RFS traten besonders vehement fuer ihre gemeinsamen Interessen ein, als der akademische Senat 1990 den Beschluss fasste, den Siegfriedskopf in der Aula der Uni Wien durch Gedenktafeln fuer von den Nazis vertriebene Universitaetsangehoerige zu ersetzen. Der sogenannte Siegfriedskopf war 1923 von der Deutschen Studentenschaft fuer die im ersten Weltkrieg "in Ehren gefallenen Helden unserer Universitaet" errichtet worden. Im gleichen Jahr meinte die Deutsche Studentenschaft, die uebrigens nur "deutscharische" Mitglieder aufnahm, anlaesslich des gescheiterten Hitlerputsches: "Unsere Ostmark wird erst dann ihre alte Ehre wiedergewonnen haben, wenn von der Wiener Burg und vom Rathaus die schwarz-weiss-rote Fahne mit dem Hakenkreuz weht." Die antisemitische, kriegstreiberische und faschistische Haltung dieser Organisation wurde auch von einer HistorikerInnenkommission im Auftrag der Universitaetsleitung festgestellt, was schliesslich zu besagter Entscheidung fuehrte. Ihre Umsetzung scheiterte aber am Widerstand von freiheitlichen und koorperierten Studenten, die mit Unterstuetzung von "Krone" und FPOe, hier besonders der damalige Stadtrat Rainer Pawkowicz   (FPOe, OLYMPIA, Ý), gegen "linke Denkmalstuermer" wetterten. Bis heute treffen sich die Wiener Burschenschafter jeden Mittwoch in der Aula und huldigen dem Siegfriedskopf, nur eines von vielen Ritualen, das auch ihr Menschenbild deutlich wiederspiegelt. Eine Geisteshaltung, die u.a. grundlegendes Element der FP- Programmatik war und ist, und die auch so manchem in der OeVP nicht fremd ist.Durch militaerische Riten, strenge Hierarchien und Regeln soll der Charakter der neuen Verbindungsbrueder geformt werden. Wichtige Bestandteile sind dabei das Tragen einer Uniform, Kappe und Band, die sogenannte volle Wix. Aeltere Burschen haben Strafbefugnis ueber juengere, so koennen sie den sogenannten Fuexen befehlen den Rest ihres Bieres auszutrinken (es geht ja nicht an, dass ein Bursch von seinem Fux unter den Tisch gesoffen wird) usw. Diese und andere Formen der Erniedrigung, wie z. B. das Verbot waehrend eines rituellen Besaeufnisses, des   Kommerses, die Toilette aufzusuchen, dienen der Festigung der Rangordnung. Ueberhaupt muss der Fux eine harte Zeit der Unterwerfung durchmachen, um "Disziplin zu lernen" und Hierarchien zu verinnerlichen. Erst danach gilt er als befaehigt selbst andere zu fuehren, und die sinnlosen Strafen und Vorschriften weiterzugeben. Ein weiterer Ritus ist die Mensur, die laut Andreas Moelzer, Ex-FP-Vordenker, Kaerntner Kulturrat, "Umvolkungs-Theoretiker" und Chefredakteur der rechtsintellektuellen Wochenzeitung "Zur Zeit", "eine besondere Art von koerperlicher und moralischer Bewaehrungsprobe" ist.  Das Fechten mit dem Saebel praegt ein Bewusstsein fuer die Exklusivitaet des Maennerbundes, und symbolisiert das bedingungslose Eintreten fuer die Interessen des Standes - notfalls mit Gewalt.Das Ergebnis dieses Maennlichkeitsrituals ist oft der sogenannte Schmiss, der viele bekannte Gesichter ziert. So fochten sowohl NORBERT BURGER (Olympia, NDP), GOTTFRIED KUeSSEL (Danubo Markomannia, VAPO), GERD HONSIK (Rugia Markomannia, RFS, NDP, Auslaender Halt Bewegung), FRANZ RADL (Teutonia), als auch RAINER PAWKOWICZ (Olympia, FPOe, Ý), EWALD STADLER (Skalden, FPOe), beide Soehne der Sozialministerin SICKL, MARTIN BARTENSTEIN (akad. Turnerschaft Graz, OeVP(!)), DIETER BOeHMDORFER ("unabhaengiger" Justizminister, Silvania) und natuerlich JOeRG HAIDER (Albia, Silvania, FPOe) ihre Mensuren. Es ist klar ersichtlich, dass die Burschenschaften Kaderschmieden nationaler und rechtsextremer Gesinnung sind. Das bis vor kurzem gepraegte oeffentliche Bild eines Rechtsextremen war das eines dumpf-rabiaten, kahlgeschorenen und laut groehlenden Faschos. Doch die schmissigen Herrn mit Muetze und Band, gebildet, intelligent und gesellschaftlich geachtet, stellen einen ganz anderen Typus dar. Burschenschaften bieten den organisatorischen Background und die Fuehrungsmannschaften rechtsextremer bis neonazistischer Gruppen und Parteien. Besonders kommt dabei der Umstand zu tragen, dass sich diese Verbindungen als eingeschworener Bund fuers Leben verstehen, in dem der sogenannte "alte Herr", sprich ein bereits berufstaetiger Burschenschafter, moralisch verpflichtet ist den juengeren mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, ihnen also moeglichst den Weg in Einflussreiche Positionen in Staat und Wirtschaft zu ebnen. Mit der Beteiligung der FP an der Regierung eroeffnen sich fuer die Korporierten ungeahnte Aufstiegsmoeglichkeiten. (Dass der Justitzminister nicht nur H.J.s Anwalt, sondern auch einer seiner alten "Bundesbrueder" ist, erscheint zumindest als bemerkenswert.)

Reaktionaerer Konsens

Eine Vielzahl der Mitglieder der OeVP entstammt dem nur wenig fortschrittlicherem katholischen Cartellverband (CV), der seine ideologischen Wurzeln in der Monarchie und im klerikalfaschistischen Staendestaat hat.Die Gemeinsamkeiten der schlagenden bzw. nationalfreiheitlichen Studentenverbindungen und der katholischen Verbindungen, wie dem CV oder dem Mittelschuelerkartellverband (MKV), liegen in der maennerbuendischen und hierarchischen Struktur (Oft gehen sie aber noch darueber hinaus. So schreibt die MKV-Verbindung Borussia in ihrer Verbandszeitung: "Ich traue einem fanatischen Judentum zu, wieder Gefahr in diese Welt zu bringen", und fantasiert etwas vom "Weltjudentum",  dass versucht Schuldgefuehle zu wecken, und somit am Antisemitismus selbst schuld ist). Auch der CV bietet genug Seilschaften um Karriere zu machen, ist er doch die Kaderschmiede der OeVP und somit auch Sprungbrett fuer lukrative Fuehrungsposten in der Wirtschaft. Der CV vertritt katholische konservative Werte, und sieht daher genauso wie die rechtsradikalen Verbindungen nur eine Rolle
fuer die Frau vor: am Herd, sich fuer den Mann und die Kinder aufopfernd, als Reproduktionsmaschine der Gesellschaft nuetzlich...! Alle Maennerbuende stehen auf der Seite des Kapitals und der Unterdrueckung, sie dienen dem Erhalt der patriarchalen Gesellschaftsstruktur. Wo Leistungs- und Elitedenken, maennlich-martialische Rituale, wie die Mensur und die kollektiven Besaeufnisse das Zusammenleben bestimmen, ist kein Platz fuer Frauen als gleichwertige "Mitglieder" (nicht das dies wuenschenswert waere). In dieser maennlichen Weltordnung dienen Frauen nur als Schmuck und Stuetze des Mannes. Frauen die selbstbestimmt ihr eigenes, nicht durch einen Mann definiertes, Leben leben, oder gar aktiv in gesellschaftliche Prozesse eingreifen, sind in der patriarchalen Ordnung undenkbar und nicht vorgesehen. Im Gegenteil: es soll ja alles so bleiben, wie es ist, denn "Unser Burschenbrauchtum ist immer auf eine bestimmte maennliche Gruppe abgestimmt. Die menschliche Weltordnung ist auf das maennliche ausgerichtet." (Burschenschaftliche Blaetter: 1980) Natuerlich haben Frauen, Juden, Auslaender und Kriegsdienstverweigerer in studentischen Verbindungen meist nichts zu suchen, das traditionelle Machtgefuege koennte dadurch ins Wanken geraten, und ihre BurschenHERRlichkeit den elitaeren Vorteil verlieren. In einer Einladung zum Erstsemestrigenfest der Burschenschaft OLYMPIA heisst es: "Es gibt (...) Spass mit rassistischen oder wenigstens unappetitlichen Maennerwitzen (...) Bist du haesslich, fett, krank oder fremd im Land, bist Du von Sorgenfalten, Weltschmerz oder linksliberaler Gesinnung gepeinigt, traegst Du alternative oder Schicky-Kleidung oder gar ein Flinserl im Ohr, studierst Du Publizistik, Politologie oder Theologie oder gar nicht, hast Du den Wehrdienst verweigert oder eine Freundin, die weder schoen noch still ist, kurz: bist Du auf irgend eine Weise abnormal oder unfroehlich, dann bleib lieber zu Hause, Du wuerdest sowieso von uns nicht eingelassen werden."  Seit kurzer Zeit gibt es auch ein paar Studentinnenverbindungen, aber diese suchen brav eine Annaeherung zu den HERRenbuenden ueber die Uebernahme der althergebrachten Riten, und vertreten die selben rechtsradikalen und antiemanzipatorischen Ansichten, wie z. B.: die Maedelschaft FREYA der RFS-Funktionaerin Alwine Schachinger. Nach Aussagen von Burschenschaftern sollte eine Frau "nicht versuchen aus dem althergebrachten Bild der Frau auszubrechen", "anlehnungsbeduerftig" sein und sich "in erster Linie um die Familie kuemmern"!

Solche Ansichten und maennerbuendische Strukturen gehen allerdings ueber die Welt der Burschenschaften hinaus, und sind in allen Teilen der Gesellschaft verbreitet. Die Stellung der Frau als Gebaermaschine, unbezahlte Haushaelterin, Koechin usw. ist seit Jahrhunderten Teil des Systems der HERRschenden. Die Meinung Frauen sollten hauptsaechlich "still und schoen" sein, wuerden mehr mit dem Bauch als mit dem Hirn denken usw., und das daraus folgende Verhalten, Frauen nicht Ernst zu nehmen, ist selbst in Gruppen mit fortschrittlicher Weltanschauung zu finden. Ganz zu schweigen von den Zustaenden in den "ganz normalen" Familien und bei bierseligen Stammtischen, an denen das "gesunde Volksempfinden" und "Weiber an den Herd"-Parolen regieren.

Bis in die Regierung

Besonders ungebremst finden sich solche Inhalte (wenig ueberraschend) im Regierungsprogramm der schwarz- blauen Koalition, fuer die Frauenpolitik bestenfalls aus Familienpolitik besteht. Die gaenzliche Abschaffung des Frauenministeriums ist da nur der Gipfel des Eisberges. Auch der von den Burschenschaften propagierte Militarismus findet bereits jetzt Niederschlag in der schleichenden Abschaffung des Zivildienstes und der Aufruestung des Heeres. Dass waehrenddessen Sozialleistungen gekuerzt werden, passt ebenso ins oben angesprochene Weltbild; "nur die Starken kommen durch" fuer den Rest gibts nur Verachtung.

Ganz zu schweigen vom Rassismus und Antisemitismus, der von studierenden und regierenden Rechtsextremen in einer selbst fuer Oesterreich bemerkenswerten Schaerfe und Radikalitaet betrieben wird. Den Worten werden Taten folgen, mit unabsehbaren Konsequenzen fuer die Betroffenen. Schon jetzt ist die fremdenrechtliche Situation und der Alltagsrassismus hierzulande desastroes bis lebensgefaehrlich, eine weitere Verschlechterung waere eine absolute Katastrophe.Beim Kommers in Innsbruck werden die Rechten der verschiedenen Lager wieder Plaene fuer die Zukunft schmieden, als BewohnerInnen Oesterreichs koennen wir davon unmittelbar betroffen sein. Dem muss verstaerkter Widerstand entgegengestellt werden!

Gegen Nazis mit und ohne Uniform!
Weg mit der Regierung!
Zerschlagt alle Maennerbuende!

{rosa antifa wien}
Stand: Mai 2000


Burschenschafter Kommers in Innsbruck
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Liebe AktivistInnen und bewegte Menschen!
Wir brauchen Eure Unterstützung

Am 12. und 13.5. organisieren wir - die TIROLER PLATTFORM GEGEN RASSISMUS - die "Aktionen gegen Tage des Rassismus und Rechtextremismus". Näheres dazu auf

http://members.aon.at/gegen-rassismus

Aktueller Anlaß dazu ist der Kommers / die Festakademie von schlagenden
Studentenverbindungen, der ca. 2000 Burschenschafter wieder einmal nach
Innsbruck bringen wird.

Wir wollen ein klares Zeichen dagegen setzen.

Unterstützt uns, wir brauchen dringend Geld ( Tiroler Plattform gegen
Rassismus, Bawag, BLZ 14000, Konto 66810-976-315) und MitstreiterInnen.
Jeder 100,-- (ATS) hilft uns entscheidend und natürlich Eure Beteiligung an
den Veranstaltungen.

Bitte an Eure internen Netzwerke weiterreichen und publizieren!


Tiroler Plattform gegen Rassismus, Postfach 98, 6027 Innsbruck, Austria
e-mail: < gegen.rassismus@gmx.at >
http://members.aon.at/gegen-rassismus

Zusatzinfo vom Infoladen Grauzone:

Plakate sind am jetzt auch erhältlich...einfach bei uns nachfragen und wir
schicken euch welche zu: Infoladen Grauzone, Postfach 705, 6021 Innsbruck,
Austria
e-mail: ilgrauzone@hotmail.com
http://www.catbull.com/grauzone (auch hier gibt's Infos zum Kommers)

Leitet diese Infos hier bitte weiter und mobilisiert so viel wie nur
möglich, denn am 13. Mai ist die schwarz-blaue Regierung 100 Tage im Amt,
und auch dagegen gilt es nach wie vor zu protestieren...

Weitere empfehlenswerte Netzseiten:
www.fastorange.i.am





Die Burschen saufen wieder
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Der Innsbrucker Festkommers 2000

Am 12. und 13. Mai 2000 findet in Innsbruck die "Festakademie 2000" und der Festkommers der Waffenstudenten im Stadtsaal und im Congress statt. Organisiert wird dieses Treffen der schlagenden studentischen Verbindungen unter Federfuehrung der Burschenschaft Brixia, Innsbruck, die auf eine mit dem Nationalsozialismus eng verbundene Vergangenheit zurueckblickt. Laut Fernsehbericht des ORF-Tirol vom Februar 2000 waren 80% der Brixen NSDAP Mitglieder und 20% bei der SS. Nach dem Krieg wurden immer wieder Aktivitaeten gesetzt, die ein bezeichnendes Licht auf die Brixia werfen. So wurde 1989 der Ausschwitz-Leugner David Irving nach Innsbruck eingeladen.

Eine der zwei angekuendigten Podiumsdiskussionen der Festakademie leitet der "rechtsextreme Alt-Aktivist" (Zitat DOeW) Otto Scrinzi. Alfred Mechtersheimer (Abg. z. Europaparlament a.D.), der zur EU- Osterweiterung referieren wird, wird vom Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen attestiert, dass er sich in juengster Zeit "zu einem der wichtigsten Protagonisten rechtsextremistischer Bestrebungen" gemausert habe. Die Referenten Friedrich Romig, Brigadier Gunter Spath, Helmut Mueller, Gerulf Stix sind mehrfach als Aula-Autoren aufgetreten. Auszerdem politisch interessant ist die Teilnahme des frueher als "Haiders Dobermann" bekannten Ewald Stadler und des OeVP-Dissidenten und eben erst bestaetigten Innsbrucker Buergermeisters Herwig van Staa.

Aktionen
Dem Schulterschluss von Rechtsextremismus und Rechtskonservativismus soll entgegengetreten werden: Die "Tiroler Plattform gegen Rassismus" organisiert daher am 12. und 13. Mai Gegenveranstaltungen und Aktionen zur "Festakademie" und zum "Festkommers" in Innsbruck:

Freitag 12.5.2000
reclaim the streets, 14.00-20.00, straszenparty gegen den kommers, volxkueche, theater, feuershow, party, infostaende, Ort: Franziskanerplatz

Podiumsdiskussion, 19.00, Thema: Klasse - Rasse - Nation. Wohin? Europa im Spannungsfeld von Rechtsextremismus und Demokratie. TeilnehmerInnen:  Anton Pelinka, Ruth Wodak, Rainer Bauboeck, Erna Appelt, Ort: SOWI, AULA

Samstag 13.5.2000
Demo, 13.00, Landhausplatz; EINIG GEGEN RECHTS.Abschlusskundgebung beim Goldenen Dachl.

Antifa-Fest, 21.00, Bands: gassenhower, atomcats, panic parasito, Ort: Z6

Podiumsdiskussion, 21.45, Villingers Enkel - ein rechtes Erbe?! Podiumsdiskussion in den Kammerspielen des Tiroler Landestheaters im Anschlusz an das Stueck "Villingers Kinder" von egon a. prantl. Mit egon a. prantl, Thomas Oliver Niehaus. Angefragt: Gertraud Knoll, Helmut Schueller, Doron Rabinovici, ua.; Ort: Kammerspiele

                            *Tiroler Plattform gegen Rassismus / bearb.*


Wer ist die "Tiroler Plattform gegen Rassismus"?

In Tirol haben sich im Februar 2000 verschiedene Organisationen und Einzelpersonen zur Tiroler Plattform gegen Rassismus zusammengeschlossen. Die Plattform versteht sich als Teil des "European Network Against Racism" (ENAR) und des "Austrian Network against Racism" (ANAR). Die Tiroler Plattform gegen Rassismus bindet sich damit national und europaweit in die Kaempfe gegen Rassimus und Rechtsextremismus ein und arbeitet lokal gegen rassistische, rechtsextreme und antisemitische Haltungen, Strukturen und Aktivitaeten.

Mitglieder: amnesty international, Aktionsgruppe Fluechtlinge Innsbruck; Arge Schubhaft; AuslaenderInnenberatung Tirol; Demokratiegruppe 50+5; Frauen gegen VerGEWALTigung; Gruen- Alternative Jugend; Initiative Minderheiten; Interdisziplinaeres Archiv fuer Feministische Dokumentation - ArchFem; Jusos; Kulturverein Grauzone; KSV; Tiroler Institut fuer Menschenrechte -  Time; Suedwind Tirol; Verein Multikulturell; Verein Marabu; VSStOe

Fuer die Organisation der Gegenveranstaltungen bittet die Plattform dringend um Geld (Tiroler Plattform gegen Rassismus, Bawag, BLZ 14000, Konto 66810-976-315).

Kontakt: Postfach 37, 6027 Innsbruck; gegen.rassismus@gmx.at ;
http://members.aon.at/gegen-rassismus


Offener Brief an den Bürgermeister der Stadtgemeinde Innsbruck, DDr. Herwig van Staa und den Direktor des Innsbrucker-Congress, Dr. Lamp
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Freitag, 12. Mai 2000 im Stadtsaal Innsbruck und Samstag 13. Mai 2000 im Kongreßhaus Innsbruck, Dogana.
Veranstalter: Die Waffenstudenten der Burschenschaften Brixia, Oberösterreicher Germanen, Suevia, Landsmannschaft Tyrol, des Corps Athesia und dem ATV Innsbruck.

***Schreiben an DDr. Herwig van Staa
An den Bürgermeister der Stadt Innsbruck
DDr. Herwig van Staa
Rathaus
6020  Innsbruck       Innsbruck, 14.03.2000


Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Ich bin enttäuscht darüber, dass der Aufsichtsrat des Congress Innsbruck
entschieden hat, die Festakademie und der Festkommers am 13. Mai 2000 im
Kongresshaus Innsbruck stattfinden zu lassen. Ich bin enttäuscht, dass die
Festakademie vom 12. Mai im Stadtsaal Innsbruck stattfinden wird. Noch mehr
aber bin ich bestürzt über Ihre persönliche Teilnahme an der Festakademie
der Waffenstudenten. Sie setzen sich an einen Tisch mit dem "rechtsextremen
Alt-Aktivisten Dr. Otto Scrinzi" und bestätigen gegenüber Medien die
Seriosität der Veranstalter, die sie angeblich persönlich kennen. Auch wenn
Sie dort am Podium -wie ich vermute ­einige Worte gegen den rechtsextremen
Zeitgeist fallen lassen werden, bleibt die Tatsache bestehen, dass Ihre
Ankündigung an der Festakademie teilzunehmen den mehr als fragwürdigen
Anliegen der Veranstalter nützt und dem Ganzen ein liberales Mäntelchen
verleiht. Sie sind deren Feigenblatt. Ich halte dies für einen
unverzeihlichen Fehler, der unabsehbare Folgen für Innsbruck und
insbesondere

Da ich aus sehr persönlichen Gründen gegen jede Form des Rassismus und
Rechtsextremismus bin, nehme ich mir das demokratische Recht auf alle
legalen demokratischen Mittel zurückzugreifen, um diesem Ungeist in einem
Europa in Veränderung entschieden entgegen zu treten. Ich möchte Sie daher
nicht über die von mir bereits gestarteten und geplanten Aktivitäten ­ die
ich Schritt für Schritt setzen werde, je nach Erfordernis - in Unkenntnis
lassen:

1) Recherchen über die Teilnehmer an der Festakademie laufen. Die
Teilnehmer sind, so das erste Ergebnis, lange nicht so seriös wie die
Veranstalter dies behaupten. So scheut Univ.-Prof. Dr. Hans-Helmuth Knütter
nicht den Kontakt mit deutschen Rechtsextremisten. Der Verfassungsschutz
des Landes Nordrhein-Westfalen attestiert Dr. Alfred Mechtersheimer (Abg.
z. Europaparlament a.D.) in seinem Bericht über das Jahr 1997, dass sich
dieser in jüngster Zeit "zu einem der wichtigsten Protagonisten
rechtsextremistischer Bestrebungen" gemausert hat. Er wird auch in
deutschen Verfassungsschutzberichten mehrfach unter der Rubrik
Rechtsextremismus namentlich geführt. Univ. Doz. Dr. Friedrich Romig,
Brigadier Gunter Spath, Helmut Müller, Dr. Gerulf Stix sind mehrfach als
Aula-Autoren aufgetreten. Die Aula hat zahllosen Rechtsextremisten und
Ausschwitz-Leugnern als Forum gedient, sie bedient rassistische Muster etc.
Über die Aula dürfte bekannt sein, dass dieses Blatt nicht nur in einem
Bericht über den Rechtsextremismus
2) Zum Hauptveranstalter, der Brixia selbst: Laut Fernsehbericht des
ORF-Tirol waren 80 % der Brixen NSDAP Mitglieder und 20 % bei der SS. Nach
dem Krieg hat sich die Brixia nicht von einschlägig belasteten Personen
gelöst. U.a. hat die Brixia den Ausschwitz-Leugner David Irving 1989 nach
Innsbruck als Referenten eingeladen.
3) Ich beabsichtige die Aushängeschilder der Veranstaltung (Univ. Prof. Dr.
Bassam Tibi u.a.), die dem Treiben ein liberales Mäntelchen umhängen, über
den Hintergrund der Festakademie zu informieren. Ich bin mir auch ziemlich
sicher, dass danach der eine oder andere der Teilnehmer noch absagen wird.
Übrigens wurden Bassam Tibi und Dr. Günther Nenning in der Zwischenzeit
wieder aus dem Veranstaltungsprogramm (Homepage zur Festakademie) genommen.
Ein Zeichen von Distanzierung, das auch Sie ernst nehmen sollten, Herr
Bürgermeister.
4) Ein Teil des von mir gesammelten Informationsmaterials zum Kommers ist
bereits auf französisch und englisch vorliegend. Ich plane eine
Presseaussendung an alle relevanten europäischen und amerikanischen Medien
(mit einer umfassenden Sammlung aller wichtigen Informationen zum
rechtsextremen Kontext der Festakademie und des Festkommers).
5) Für den 12. und 13. Mai 2000 sind bereits mehrere Gegenkundgebung und
eine Demonstration am 13. Mai angemeldet. Wenig bekannt ist, dass der 14.
Mai exakt der Tag ist, an dem die Regierung Schüssel-Haider die ersten
hundert Tage hinter sich gebracht hat. Es finden in ganz Österreich
Kundgebungen und Demonstrationen statt. Die Umtriebe der Burschenschaften
mit brauner Vergangenheit werden bei diesen Demonstrationen und
Kundgebungen und allenfalls davor stattfindenden Pressekonferenzen
entsprechend österreichweit gewürdigt und einem Publikum weit über Tirols
Grenzen hinaus bekannt werden. Ich bin davon überzeugt, dass die Teilnahme
an den Gegenaktivitäten in Innsbruck sehr breit ausfallen werden.
6) Zufall oder nicht, aber am 5. Mai 2000 tritt im Vorfeld der Festakademie
in Innsbruck die Gruppe "Böhse Onkelz" aus Deutschland auf. Die Band ist
für ihre menschenverachtenden Texte gegen MigrantInnen bekannt. Der 5. Mai
ist der von der EU bestimmte europäische Tag gegen Rassismus und Gewalt. Am
7. Mai findet in Traiskirchen eine Gedenkfeierlichkeit statt. Ich betone
den Zusammenhang deswegen, weil davon auszugehen ist, dass das
internationale Interesse an den Ereignissen in Österreich und in Tirol
zusätzlich sensibiliert wird.
7) Ich beabsichtige auch die Partnerstadt Innsbrucks Grenoble, die auf eine
Klarstellung der Haltung Innsbrucks wartet, über die skandalösen Vorgänge
in Innsbruck zu informieren und behalte mir vor, die Aktivitäten insgesamt
auszuweiten.

Bitte fassen Sie dieses Schreiben als Absichtserklärung auf. Noch ist
meinerseits nichts endgültig entschieden und manches nur im Planungsstadium
bzw. laufen die erforderlichen Recherchen. Ich betone, dass mein Handeln
ausnahmslos privat ist und nur ideell mit den Anliegen meiner
Arbeitsstelle, der AusländerInnenberatung Tirol, zu tun hat.

Die Stadtgemeinde Innsbruck und auch Sie nicht, sehr geehrter Herr
Bürgermeister, dürfen sich dafür hergeben, den Rechtsextremismus hoffähig
zu machen. Ich bitte Sie die Folgen für den Ruf Innsbrucks zu bedenken. Ich
bitte Sie Ihre Teilnahme an der Festakademie abzusagen und die Vergabe des
Stadtsaals und der Dogana im Kongresshaus rückgängig zu machen.

Hochachtungsvoll


Schreiben an Direktor Lamp, Congress-Innsbruck (Tagungsort der Festakademie)
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- Aufgebaut und dem Inhalt des Schreibens an van Staa fast ähnlich.

***Beilagen laut Presseaussendung

Dr. Alfred Mechtersheimer

Referent am Freitag, 12. Mai 2000, 19.30h, Stadtsaal Innsbruck
Vortrag zu: "Die EU-Osterweiterung, ihre ökonomischen, kulturellen und
sicherheitspolitischen Auswirkungen auf das zukünftige Europa."

1999
Mechtersheimer, RFJ, Großdeutsches "Jugendtreffen"

Der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) lädt gemeinsam mit der
Deutschland-Bewegung des deutschen Rechtsextremisten Alfred Mechtersheimer
zu einem "deutsch-österreichischen Jugendtreffen" am 26. und 27. Juni in
Schärding ein. Der FPÖ-Nachwuchs will dort u. a. "zeigen, daß die
patriotische Jugend nicht auf nationalstaatliche Kategorien fixiert ist",
sondern das ganze "Deutschland" im Blick hat. Gemäß der freiheitlichen
Sprachregelung kommt diese großdeutsche Orientierung heute jedoch als
"europäische" daher. Eröffnet wird die Tagung der jungen Nationalen mit
einem Vortrag des oberösterreichischen FPÖ-Landtagsabgeordneten Lutz
Weinzinger. Darauf folgt ein "Impulsreferat" des Mitveranstalters
Mechtersheimer. Zu folgenden Themen sollen sich dann Arbeitskreise bilden:
"Demographischer Wandel: Stirbt die deutschsprachige Bevölkerung aus?"
(Thomas Moritz), "Globalisierung und Sozialstaat" (Michael Wiesberg),
"Entwicklung von Musik und Zeitgeist in den 90ern" (Holger Stürenburg),
"Effizent arbeiten mit dem Internetz" (
Reihe Deutsche Geschichte, lieferte Stürenburg ebenfalls einen Beitrag ab.
Baldur Springmann, Jahrgang 1912, ist seit den 70er Jahren führend in der
rechtsextremen Szene, Abteilung deutsch-völkischer und naturreligiöser
Obskurantismus, aktiv. So etwa bei der Deutschen Unitarier
Religionsgemeinschaft (DUR), einer Gründung von ehemaligen
Nationalsozialisten in der Nachfolge der Deutschen Glaubensgemeinschaft.
Oder beim deutschen Weltbund zum Schutz des Lebens (WSL), welcher 1985
aufgrund seiner rechtsextremen Ausrichtung aus dem internationalen WSL
ausgeschlossen wurde. 1982 spaltete sich Springmann gemeinsam mit Herbert
Gruhl und anderen als Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) von den
deutschen Grünen ab. Bald entbrannte auch innerhalb der ÖDP ein
Richtungsstreit, in dessen Verlauf sich der rechte Flügel um Springmann als
Unabhängige Ökologen Deutschlands (UÖD) abspaltete. Die öko-rassistischen
UÖD treten gegen eine "multikulturelle Vermassung" auf und verfügen als
parteiunabhängige Gruppe über beste Kontak

Dr. Alfred Mechtersheimer

Alfred Mechtersheimer, Jahrgang 1939, wurde 1981 aus der CSU ausgeschlossen
und schloß sich danach dem nationalistischen Flügel der deutschen
Friedensbewegung an. Nach einem kurzen Zwischenspiel als
Bundestagsabgeordneter der Grünen Ende der 80er Jahre machte sich
Mechtersheimer zunächst mit dem Friedenskomitee 2000, dann mit der
Deutschland-Bewegung selbständig. Bei Wahlen unterstützt Mechtersheimer,
der sich auch als Autor in der Jungen Freiheit (JF) betätigt, mittlerweile
die Republikaner. Der Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
attestiert Mechtersheimer in seinem Bericht über das Jahr 1997, er habe
sich in jüngster Zeit "zu einem der wichtigsten Protagonisten
rechtsextremistischer Bestrebungen" gemausert. Über Mechtersheimers
publizistische Tätigkeit in der JF heißt es dort, diese drücke eine
"Gegnerschaft zum demokratischen Rechtsstaat" aus.

***
SCRINZI, Dr. Otto
Leiter der Pdoumsdiskussion am Samstag, 13. Mai 2000, Kongreßhaus, an der
auch DDr. Herwig van Staa, Bürgermeister der Stadt Innsbruck teilnehmen
wird.

Klagenfurt
Geb. 5. 2. 1918, Primararzt.
Vor 1945: Ehemaliger SA-Sturmführer, Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer
7897561)
Nach 1945:
1949-1956 Abgeordneter zum Kärntner Landtag und Klubobmann sowie
Landesobmann des VdU
1966-1979 FPÖ-Abgeordneter zum Nationalrat
Seit 1966 regelmäßige Besuche bei dem NS-Kriegsverbrecher Walter Reder in
Gaeta
1976 Referat an der Wiener Universität über die "Minderheitenfrage" führt
zu Tumulten
1977 Referent bei der "Gästewoche" der "Deutschen Kulturgemeinschaft"
Referent bei der 12. Politischen Akademie der AFP in Klagenfurt
1978 Unterzeichner des Aufrufs der "Deutschen National-Zeitung" (Nr. 45, 3.
11. 1978) für eine
Generalamnestie für NS-Verbrechen
1980 Fordert nach der Bundespräsidentenwahl eine Neuformierung des Dritten
Lagers in
Österreich; persönliche Angriffe gegen FPÖ-Obmann Dr. Norbert Steger;
Referate bei der
AFP-Tagung und im "Neuen Klub"
1981 Referat bei der "Aktion Deutsche Einheit" (AKON) in München gemeinsam
mit dem
Präsidenten der österreichischen Ärztekammer; Gründung der Gruppe "Aktion
für Österreich"
1982, 1983 und 1984 Teilnahme an Veranstaltungen der "Deutschen Volksunion"
(DVU) in
Passau
Erhält von der DVU den "Andreas-Hofer-Preis"
1984 Gründung der Partei "Nationalfreiheitliche Aktion" (NFA)
Redner bei der 19. Politischen Akademie der AFP
1985 Vortrag bei der AFP-Wien
1986 Kandidat für die Bundespräsidentschaftswahlen
Zurücklegung der FPÖ-Mitgliedschaft (laut Kurt Piringer, Chronologie der
FPÖ. Daten und
Fakten, Bd. 2: 1980-1986, Wien 1993)
1987 Teilnahme an einer Veranstaltung der "Deutschen Volksunion" (DVU) in
Passau
1988 soll Mitglied der DVU-Aktionsgemeinschaften "Volksbewegung für
Generalamnestie"
(VOGA) und "Aktion Deutsche Einheit" (AKON) sein (laut "Deutscher
National-Zeitung", Nr. 6,
5. 2. 1988)
1990 Teilnahme an einer Veranstaltung der "Deutschen Volksunion" (DVU) in
Passau
1992 Vorsitzender des "Österreichischen Kulturwerkes"
1993 Zum 75. Geburtstag Herausgabe einer Festschrift durch das
"Freiheitliche Bildungswerk"
Beiträge in: "Kärntner Nachrichten", "Deutsche National-Zeitung", "Deutsche
Wochen-Zeitung", "Neue Freie Zeitung", "Neue Ordnung", "Aula", "Fakten"

 März 1999
Dr. Otto Scrinzi, HALT, Pedro Varela und Gerd Honsik
Der 1992 nach Spanien geflohene Neonazi Gerd Honsik widmete die jüngste
Ausgabe seiner Zeitschrift HALT (Nr. 94) dem behördlichen Vorgehen gegen
Pedro Varela, der im November 1998 von einem Gericht in Barcelona zu einer
fünfjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Grundlage des Prozesses war ein
1996 verabschiedetes Gesetz, das Holocaustleugnung auch in Spanien unter
Strafe stellte. Bereits im Dezember 1996 durchsuchten spanische Behörden
die Buchhandlung Varelas in Barcelona. Dabei konnten mehr als 2.000 Bücher,
zahllose Nazistika und Unterlagen beschlagnahmt werden.
Varela gilt als zentrale Figur im internationalen Neonazi-Netzwerk. Sein
Círculo Espanol des Amigos de Europa (CEDADE), eine von SS-Ideologen und
nach Spanien geflohenen NS-Schergen wie Otto Scorzeny oder Leon Degrelle
inspirierte Kadertruppe, war fest eingebunden in die Strukturen der
internationalen Neonaziszene. Neben der Gesetzeslage bis 1996 waren vor
allem die Aktivitäten der CEDADE dafür verantwortlich, daß auch das
nachfaschistische Spanien zum Rückzugsgebiet europäischer Neonazis werden
konnte. So wie Honsik, der sich einer 18monatigen Haftstrafe in Österreich
entzog, fanden einige deutsche NS-Kader Unterschlupf bei der CEDADE. 1991
nahm Varela an der "Politischen Akademie" der Arbeitsgemeinschaft für
demokratische Politik (AFP) in Weyer/OÖ teil und lobte in seinem Referat
Hitler wörtlich als "zweiten Erlöser der Menschheit". Als der spanische
Neonazi ein Jahr später an der "Gästewoche" des von Dr. Otto Scrinzi
geführten Österreichischen Kulturwerkes in Kärnten teilnehmen wollte, wurde
er verhaftet.

September 99
Dr. Otto Scrinzi, AULA und Antisemitismus im FPÖ-Vorfeld

Bewerbung von holocaustleugnenden Publikationen, wohlwollende Berichte über
deutsche Neonazis, offene NS-Apologie - die von den Freiheitlichen
Akademikerverbänden herausgegebene Aula legte nach dem Abgang von Andreas
Mölzer und Jürgen Hatzenbichler jede taktische Rücksichtnahme ab. Otto
Scrinzi, der als "Schriftleiter" für den neuen Kurs maßgeblich
verantwortlich zeichnet, steuerte für die jüngste Ausgabe einen Artikel
bei, welcher aufgrund seines prototypischen Charakters nähere
Aufmerksamkeit verdient.
Unter dem Titel "Vom Volk der Denker zu dem der 'Banker'" zeichnet Scrinzi
ein Bild der Degeneration "Deutschlands". Wie stets in den
rechtsextrem-paranoiden Untergangsszenarien sind die Verantwortlichen für
die Misere rasch ausgemacht: die Juden. Im Antisemitismus nach Auschwitz
werden diese aber nicht explizit genannt, sondern mit Codewörtern
umschrieben. Scrinzi setzt hier wie so viele Rechtsextremisten auf die
Identifikation von Juden und Geld oder (Groß-)Banken: "In keiner Epoche der
uns bekannten Weltgeschichte galt so wörtlich wie heute: Geld regiert die
Welt. Nicht die Jelzins, Clintons oder Schröders ziehen die Fäden, sondern
die großen Banker und Spekulanten: Greenspans, Soros, Beresowskys." (Aula
7-8/1999, S. 28)

Im Suchen und Erkennen von verborgenen Wahrheiten liegt der quasi-religiöse
Gehalt antisemitischer Verschwörungstheorien. Diese falsche Sinnstiftung
macht ihre Beharrlichkeit gegenüber rationalen Argumenten aus. Nach der
Entlarvung angeblicher Hintermänner - der "internationalen Geldherren" -
werden diese von Scrinzi auch noch benannt. Die Erwähnung von Namen, die im
Alltagsdiskurs sofort als 'typisch jüdisch' erkannt werden, hat eine
ähnliche Funktion wie die Verwendung von Codes: Man kann über Juden
sprechen, ohne diese Bezeichnung überhaupt verwenden zu müssen. Scrinzi
führt dann einen weiteren beliebten antisemitischen Kunstgriff vor - den
als Distanzierung gekleideten Vorwurf: "Nicht das monetäre Talent dieser
Geldjongleure sei hier angeprangert, noch ihre Volkszugehörigkeit." Von ihm
angeprangert werden hingegen jene "deutschen Politiker", die sich dem "Gott
Mammon" unterworfen hätten. Als Einschnitt präsentiert Scrinzi das Jahr
1945, als "Deutschland" "von Kreuzzüglern eines neuen demokratischen und c

Die Bezeichnung der von "Deutschen" und ihren Helfern ermordeten Juden als
"Opfer des letzten Krieges" hat System, können so konkrete Taten und Täter
im allgemeinen Kriegsgreuel aufgelöst werden. Die eigentlichen "Opfer" sind
ohnehin die "Deutschen": Durch die Umerziehung jeder Widerstandskraft
beraubt und von den Versprechungen der Konsumgesellschaft geblendet, hätten
sie sich den "Bankern" ausgeliefert. Unter deren "Herrschaft" seien sie
zwar "reich geworden", jedoch "geistig-kulturell" verarmt. Aus Scrinzis
"Volk der Denker" ist mit dem Ende des Nationalsozialismus ein "verstörtes
und verdummtes Volk" geworden, das sich von "Massenfluchten und
-wanderungen" überrollen, als "Zahlmeister der halben Welt" ausbeuten und
von "Jazz-Orgien" und dem "Geheule der Pop-Stars" berieseln lasse.

Scrinzis "Kulturtage" 1998

Das Österreichische Kulturwerk - Landesgruppe Kärnten des rechtsextremen
Alt-Aktivisten Otto Scrinzi lud auch dieses Jahr wieder zu seinen
"Kulturtagen" ins Kärntner Sirnitz. Zwischen 30. September und 3. Oktober
tauschte man sich über "Freiheit und Ordnung" aus. Neben Scrinzi selbst und
Jürgen Schwab referierten Martin Pabst, die ehemalige Europaabgeordnete der
Republikaner, Johanna Grund, General a. D. Reinhard Uhle-Wettler und
Wolfgang Strauß. Pabst war zwischen 1990 und 1994 Vorsitzender des
Hilfskomitees Südliches Afrika (HSA), einer rechtsextremen Lobby deutscher
Apartheids-Befürworter. Daneben trat er als Vortragender bei der deutschen
Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) und Autor in zahlreichen
rechtsextremen Medien in Erscheinung. Gleiches läßt sich von Uhle-Wettler
und Strauß sagen. Grund und Strauß sind hierzulande neben ihrer
Vortragstätigkeit bei der Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik
(AFP) und Scrinzis Kulturwerk v. a. durch Artikel in der Aula bekannt
geworden.Apropos Scrinzi:

5. Kulturtage von Otto Scrinzi, Kulturwerk Österreich, Jahresbericht des
Innenministeriums

Die 5. Kulturtage von Otto Scrinzis Kulturwerk Österreich, Landesgruppe
Kärnten, finden heuer vom 4.-8. September 1996 in Gnesau/Gurktal in Kärnten
statt. Der Jahreslagebericht des Innenministeriums aus dem Jahr 1994 hält
zum Kulturwerk fest: "Bei den jährlichen Veranstaltungen, die als
'Kulturtage' bezeichnet werden, wurde in der Vergangenheit gegen spanische,
deutsche und Schweizer Rechtsextremisten und Revisionisten behördlich
vorgegangen." Neben österreichischen Vortragenden wie Walter Marinovic und
dem ehemaligen FPÖ-Grundsatzdenker und heutigen Chefredakteur der Jungen
Freiheit (JF), Andreas Mölzer, sind vor allem Referenten aus der BRD
vertreten. Angekündigt sind u. a.:
oWalter Post, Dozent am Geschwister-Scholl-Institut für Politische
Wissenschaften an der Münchner Universität, der als Autor des Buches
"Unternehmen Barbarossa. Deutsche und sowjetische Angriffspläne" in der
internationalen "Revisionisten"-Szene Bekanntheit erlangte und schon 1992
als Referent bei den Tagen Deutscher Kultur (Veranstalter ist das
rechtsextreme bundesdeutsche Deutsche Kulturwerk europäischen Geistes)
aufschien. 1993 erhielt er von der "revisionistischen" Zeitgeschichtlichen
Forschungsstelle Ingolstadt (ZFI) eine Ehrengabe für
Zeitgeschichtsforschung.
oImke Thomas, die im Umfeld des deutschen Neonazis Jürgen Rieger
anzusiedeln ist. Die Autorin in den Huttenbriefen fungierte des öfteren als
Referentin bei den Gästewochen des Deutschen Kulturwerks europäischen
Geistes und nahm 1991 und 1993 an der Hetendorfer Tagungswoche teil
(Veranstalter u. a.: Artgemeinschaft e. V., Familienwerk e. V.,
Freundeskreis Filmkunst e. V., Gesellschaft für biologische Anthropologie,
Eugenik und Verhaltensforschung e. V., Gesellschaft für freie Publizistik -
Arbeitskreis Hamburg, Heide- Heim e. V., Heinrich-Anacker-Kreis e. V.,
Nordischer Ring e. V., Northern League).
oWitikobund-Mitglied Richard W. Eichler, regelmäßiger Autor in den
rechtsextremen Zeitschriften Nation und Europa, Junge Freiheit, Deutschland
in Geschichte und Gegenwart und Deutsche Geschichte, Referent bei
Veranstaltungen des Deutschen Kulturwerks europäischen Geistes, des Vereins
Dichterstein Offenhausen, der Arbeitsgemeinschaft für demokratische
Politik, und des Studentenbundes Schlesien (SBS) - letzterer unterhält enge
Kontakte zur Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und zu den
Jungen Nationaldemokraten (JN). Eichler ist Verfasser der in der Reihe
Eckartschriften (Hrsg.: Österreichische Landsmannschaft) erschienenen
Broschüren "Wahre Kunst für ein freies Volk" (Nr. 117) und "Die Zukunft der
deutschen Sprache" (Nr. 127).


Informationsmaterial zu Teilnehmern der Festakademie
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Zur AULA

In der Aula No. 1/Jänner 2000 wurde die Festakademie offiziell angekündigt
Univ. Doz. Dr. Friedrich Romig, Brigadier Gunter Spath, Helmut Müller, Dr.
Gerulf Stix, beteiligte an der Festakademie als Referenten oder Teilnehmern
am Podiumsgespräch, sind "AULA"-Autoren.

Univ. Doz. Dr. Reinhold Gärtner (Universität Innsbruck, Tel. 0512/507 zur
Aula:

. Die "Aula" dient nach wir vor zahlreichen rechtsextremen Autoren als
Publikationsorgan. Daneben ist die "Aula" bemüht, auch andere, gemäßigte
Positionen zu vertreten. Damit erfüllt die "Aula" eine zentrale
Brückenfunktion zwischen Rechtsextremismus und Rechtskonservatismus.
. Mangelnde Distanz zum Rechtsextremismus zeigt die "Aula" nicht nur bei
der Auswahl der Autoren, sondern auch z.B. bei der Auswahl von Inserenten,
Nachdrucken oder rezensierten Büchern.
. Obwohl die Aula bemüht ist, in Österreich als Organ der "Neuen Rechten"
aufzutreten, bleiben die "Alten Rechten" präsent.
. Die "Aula" bedient sich immer wieder rassistsicher Muster, speziell einer
deutlich hierarchisch wertenden Sichtweise zwischen "Deutsch" und
"Nicht-Deutsch". In der "Aula" werden darüber hinaus rassistische und
fremdenfeindliche Publikationen beworben und vertrieben.
. Die "Aula" vermeidet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit
Nationalsozialismus und Holocaust. Die "Aula" versucht vielmehr,
NS-Verbrechen zu relativieren und damit langfristig angeblich "positive"
Seiten des Nationalsozialismus herauszustreichen. Auch wird versucht, die
Ursachen für den Beginn des Zweiten Weltkrieges nicht bei den
Nationalsozialisten zu finden.

1999
NPD-Inserat in Aula
In der Aula 2/1999 findet sich ein Inserat der Deutschen Stimme, die vom
Parteivorstand der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD)
herausgegeben wird. Der deutsche Verfassungsschutz stellt im
Verfassungsschutzbericht 1997 unter der Rubrik "Rechtsextremistische
Bestrebungen" fest, daß die NPD "die nationalsozialistische Herrschaft
insgesamt als positives Gegenstück zur freiheitlichen demokratischen
Grundordnung darstellt" und "in ihrer Agitation den demokratischen
Rechtsstaat in polemischer und verunglimpfender Weise angreift".
Im Dezember 1998 wurde die Aula in der Deutschen Stimme folgendermaßen
charakterisiert:
"'Freiheit, Ehre, Vaterland', diese Losung der Deutschen Burschenschaft von
1815, die auch in der Moderne nichts an Aktualität eingebüßt hat, kann als
Wahlspruch dieses Monatsmagazins aus Deutsch-Österreich gelten. Die
professionell aufgemachte Zeitschrift steht der FPÖ und der korporierten
[sic!] Studentenschaft nahe, ohne aber an geistiger Freiheit einzubüßen."

FPÖ und NPD vereint in der AULA  1998
In der September-AULA findet sich auch eine illustre Runde von Autoren. So
bezeichnet der deutsche Rechtsaußen Jürgen Schwab in seinem Artikel über
"Nationalen Fundamentalismus" die Jugendorganisation der
Nationaldemokratischen Partei Deutschland (NPD), die Jungen
Nationaldemokraten (JN), als "vorbildliche Jugendorganisation". Im
deutschen Verfassungsschutzbericht 1996 werden die JN als "Nahtstelle
zwischen NDP, Neonazis und anderen rechtsextremen Gruppen" bezeichnet,
wobei die "Neonazis bei den JN inzwischen in führende Funktionen gelangt
sind und über beachtlichen Einfluß verfügen". Weiters präsentiert der
Bundesvorsitzende der NPD, Udo Voigt, seine Ansichten über die Strategie
seiner Partei. Auch ein Freiheitlicher zeichnet für einen Artikel
verantwortlich: FPÖ-Nationalratsabgeordneter Gerhard Kurzmann befaßt sich
unter dem Titel "Freiheit der Kunst - die heilige Kuh der zeitgenössischen
Kulturschickeria" mit ebendieser.

November 1998
Aula-Publikation "1848 - Erbe und Neubeginn"

Der rechtsextreme Aula-Verlag schmückt sich mit der Autorenschaft des
Präfekten der Glaubenskongregation im Vatikan, Kardinal Joseph Ratzinger.
In seinem Beitrag "Freiheit und Wahrheit" im eben erschienenen Aula-Werk
"1848 - Erbe und Auftrag" beschäftigt sich der Kardinal unter anderem mit
dem seiner Ansicht nach falschen Freiheitsbegriff der Gegenwart. "Ein
Verständnis von Freiheit, das als Befreiung nur immer weitere Auflösung von
Normen und die ständige Ausweitung individueller Freiheit bis hin zur
völligen Befreiung von aller Ordnung ansehen mag, ist falsch", klagt der
Theologe.
Als Herausgeber des Sammelbandes fungiert Aula-"Schriftleiter" Otto
Scrinzi, ehemaliger SA-Sturmführer, Ex-NSDAP-Mitglied und
-FPÖ-Nationalratsabgeordneter. Mitherausgeber ist der umtriebige deutsche
Rechtsextremist und Burschenschafter Jürgen Schwab, der Erwähnung im
Nordrhein-Westfälischen Verfassungsschutzbericht 1997 findet. Das Buch
stellt einen publizistischen Höhepunkt in den
Instrumentalisierungsversuchen der Revolution von 1848 seitens
deutsch-österreichischer Rechtsextremisten dar.Schwab widmet sich in seinem
Artikel einmal mehr der angeblichen Zensur durch die "gegenwärtige
demokratische Meinungsdiktatur": "Kommunikationskontrolle findet in
modernen Demokratien vielfältig ('pluralistisch') statt: vom Vermieter und
dem Arbeitgeber angefangen, die aufgrund von Mediendenunziation
'Rechtsextremisten' PC-gemäß den Miet- bzw. Arbeitsvertrag kündigen, [...]
bis hin zum BRD 'Verfassungsschutz' sowie dem sich im Anschein einer
Halbstaatlichkeit sonnenden 'Dokumentationsarchiv des österreichischen
Widerstan

***
ZUR ZEIT, Festkommers, Gaskammerleugnung im FPÖ-Umfeld

In der Wochenzeitung ZUR ZEIT fand sich im August 1999 der erste Artikel
über die Inhalte des geplanten Festkommerses in Innsbruck. Es hieß dort:
"Europa 2000": National-freiheitliche Richtungsweisung. Der
Jahrtausendkommers. Gegenkonzept der Couleurstudenten zu multikulturellen
Gesellschaftsexperimenten." und weiter: "Die EU tendiert zusehends zu einem
zentralistischen Überwachungsstaat, der die Bürger kontrolliert. Das
euorpaweit eingeführte Netz der 'Antifa-KonzeptionO gilt ihnen hier als das
wohl nützlichste Instrument. Verwiesen sei hier nur auf die in Wien tätige
europäische 'Beobachtungsstelle für Rassismus und XenophobieO, oder auf das
für 1997 ausgerufene 'Europische Jahr des Kampfes gegen RassismusO. Dies
sind nur einige Herausforderungen, Bedrohungen und Anliegen, die auf uns
zukommen."

Nachfolgendes soll die Wochenzeitung charakterisieren und die Nähe zur FPÖ
aufzeigen.

In der Ausgabe 23/99 (4.-10. Juni 1999) der Wochenzeitung Zur Zeit werden
nationalsozialistische Verbrechen geleugnet und grob verharmlost. Hans
Gamlich nennt in seinem Beitrag "Zweifel, Vater der Erkenntnis" (S. 11)
Adolf Hitler einen "großen Sozialrevolutionär(s)", dessen Stellvertreter
Rudolf Heß einen "kühnen Idealisten". Die Schuld Nazi-Deutschlands am
Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird durchwegs geleugnet; nicht die
NS-Führung, sondern Churchill habe laut Gamlich "Europa in die Katastrophe"
gestürzt. Der Überfall auf die Sowjetunion, der am Beginn des rassistisch
und antisemitisch motivierten Vernichtungskrieges stand, wird bei Gamlich
zu einer "notwehrhaften Präventivaktion" "zum Schutz Europas". Den
Holocaust und die Anzahl der sechs Millionen Opfer desselben bezeichnet
Gamlich abwechselnd als "Dogma" und "Mythos", welcher "im größten
Schauprozeß der Weltgeschichte in Nürnberg institutionalisiert" wurde und
"sich nur mehr quasireligiös begründen" lasse. Neben der quantitativen
Verharmlosung dieses
Behauptungen als "Meilenstein auf dem Weg zur Wahrheit" (Aula 7-8/1994, S.
15) bezeichnet worden waren.Mit dem Abdruck des Gamlich-Artikels, welcher
seitens des DÖW am 8. 6. 1999 bei der Staatsanwaltschaft Wien zur Anzeige
gebracht wurde, liefert die von Andreas Mölzer herausgegebene Zur Zeit
einen weiteren Beleg für ihre rechtsextreme Tendenz. Daß der für Gamlichs
Ausfälle gegen die historische Wahrheit verantwortliche Mölzer unlängst zum
kulturpolitischen Berater des Kärntner Landeshauptmannes Haider
aufgestiegen ist, überrascht angesichts der Gemeinsamkeiten in der
Weltanschauung nicht. Daß Mölzer aber mittlerweile auch als Kommentator in
mehreren nicht-rechtsextremen Medien werkt, muß als Ausdruck des Erfolges
rechtsextremer Durchdringungsstrategien gewertet werden.


Programm:
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12. Mai, 14.00 Uhr "Podiumsdiskussion Universität 2000 -
wissenschaftliche Bildung oder Verschulung?" und 17.30 Sicherheitsordnungen
im zukünftigen Europa", 19.30 "Die Osterweiterung: Ihre kulturellen,
sicherheitspolitischen und ökonomischen Auswirkungen auf das zukünftige
Europa"
13.Mai 13.00 Uhr: Podiumsdiskussion "Nationalitäten-, Religions- und
Kulturkonflikte im Europa von morgen?" Abends findet in der Dogana,
Kongresshaus Innsbruck, der Festkommers statt.


Für eine Welt ohne Rassismus
[www.no-racism.net]