Was ist ein Menschenleben wert? Es ist immer wieder unfaßbar, mit welcher Brutalität die Behörden dafür sorgen, daß Schutzsuchende keinen Platz in der Festung Europa finden: |
Ein Mensch wird ohne Gerichtsverfahren fast fünf Monate lang in Schubhaft genommen. Er wird an Händen und Füßen gefesselt, wird geknebelt, in ein Flugzeug verfrachtet. Menschen, die sich bei der zwangsweisen Abschiebung wehren, setzen letzte verzweifelte Signale aus Angst vor der Abschiebung in ein Land, in dem sie verfolgt werden und um ihr Leben fürchten müssen. Der einzige Anlaß für diese Mißhandlung ist die Tatsache, daß er ein illegalisierter, abzuschiebender Flüchtling ist. Das Etikett "illegalisierter Flüchtling" ist in Mitteleuropa ein Freibrief für unmenschliche Behandlung durch die Behörden geworden, mit Billigung, oft sogar Unterstützung der Bevölkerung.
Marcus O. wurde Opfer dieser Geisteshaltung, die aus Sorge, ihren Wohlstand teilen zu müssen, jede Menschlichkeit vergißt. Einer Geisteshaltung, die zuläßt, daß Menschenrechte verletzt werden. Menschen werden, weil sie unerwünscht sind, mit Brachialgewalt beamtshandelt. Die Methoden der Beamten reichen bis zum Mord! Der Fall des Afrikaners Marcus O. wird nun als bedauerlicher Zwischenfall dargestellt.
Stiedls Aussage, daß es bei Abschiebungen hundert mal gut geht und halt einmal nicht, ist grenzenloser Zynismus angesichts der Tatsache, daß es sich hierbei um Mord handelt. Verantwortung wird hier ebenso bedenkenlos abgeschoben, wie die Flüchtlinge. Denn jeder tut bloß seine Pflicht. Dabei darf nicht vergessen werden, daß ein derartiger Umgang mit Flüchtlingen in Österreich nicht nur selsbstverständlich geworden ist, sondern auch als "notwendig" erachtet wird. Es darf nicht bei kurzfristigen Reaktionen der Öffentlichkeit bleiben, sondern muß zu nachhaltigen Veränderungen in den gesellschaftlichen Strukturen und in den Köpfen der Menschen führen!
Marcus O. hatte Sterbensangst. Er war aus Angst vor der Rache einer in Nigeria berüchtigten Sekte nach Österreich geflohen. Sein Asylantrag wurde abgewiesen, seine Todesängste in den Bereich des irrationalen verwiesen. In Ablehnung zweiter Instanz schreibt der Unabhängige Bundesasylsenat, Marcus O. hätte beim Staat Schutz vor dieser Sekte suchen können, was Marcus O. jedoch verneinte. Seine Sterbensangst wurde nicht ernst genommen. Wie real seine subjektiven Ängste waren, zeigt sein Sterben, an Händen und Füßen gefesselt, mit zugeklebtem Mund.
Die Beamten hatten den Auftrag, die Sicherheit von Marcus O. zu garantieren. Sein Sterben haben sie nicht bemerkt. Sicherheitsdirektor Michael Sika meint, gerade Afrikaner würden sich besonders heftig wehren. Heisst das, Fesseln und Knebeln zu rechtfertigen???
Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahr, daß ein illegalisierter Flüchtling nach brutaler Behandlung durch österreichische Beamten stirbt. In Belgien hat ein ähnlich gelagerter Fall voriges Jahr zum Rücktritt des Innenministers geführt. Es ist an der Zeit, daß auch in Österreich PolitikerInnen und Beamte für ihr Handeln verantwortlich gemacht werden.
Menschenrechte können nicht von einem Paß abhängig gemacht werden!
Deserteurs und Flüchtlingsberatung
|
Für
eine Welt ohne Rassismus |