Für eine Welt ohne Rassismus - Demonstration zum Tode von Marcus O.
Heute, Samstag dem 8.5.99, fand eine Demonstration anläßlich des Todes von Marcus
Omofuma statt. Aufgerufen zur Demonstration hat Eine Welt ohne Rassismus
ein Zusammenschluß verschiedenster Gruppen des Afrikanischen Community Network,
antirassistischer Initiativen,
MigrantInnenorganisationen, autonomer Gruppen etc., sowie vieler Einzelpersonen.
Ca. 3.000 Menschen beteiligten sich an der Demonstration. Sie forderten den sofortigen
Rücktritt der verantwortlichen PolitikerInnen und
Beamten, allen voran Innenminister Karl Schlögl, Michael Sika, Manfred Matzka ,Viktor
Klima und Polizeipräsident Stiedl, die Einführung von
Antidiskriminierungsgesetzen, den sofortigen Stopp aller Abschiebungen und die Abschaffung
aller rassistischen Gesetze.
Am Samstag, dem 1. Mai 1999, starb Marcus O. am Flug nach Sofia. Er war in Begleitung
dreier österreichischer Beamter, die den Auftrag hatten, ihn außer Landes zu schaffen.
Marcus O. wurde Opfer der rassistischen österreichischen Politik. In den Medien wurde
verbreitet, er hätte randaliert, gebissen, die Beamten gefährdet. Das einzige Vergehen,
dessen sich Marcus O. schuldig gemacht hat war, illegal in
Österreich zu sein. Das laufende Asylverfahren war zum Zeitpunkt seiner Abschiebung noch
nicht abgeschlossen. Marcus O. ist kein Einzelfall. In Belgien trat der Innenminister vor
einigen Monaten wegen eines ähnlichen Vorfalles zurück.
Die drei Beamten, die Marcus O. begleiteten, sind mittlerweile wieder in Österreich. Bis
jetzt gibt es keine Anzeichen für ihre Suspendierung. Während Marcus O. durch eine
rassistische Hetze selbst für seinen Tod verantwortlich gemacht wird, laufen die Täter
auf freien Fuß herum. Marcus O. starb in Gewahrsam der Polizei. Der Verantwortung dafür
haben sich nicht nur die Behörden zu stellen. Die den Einsatz von Brachialgewalt
ausdrücklich anordnet, sondern auch die GesetzgeberInnen, die die Befugnisse der Polizei
permanent ausdehnen. Wir fordern die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommision
und die Verurteilung der Täter.
Vorfälle, die wie im Fall Marcus O. zum Tod führen können, werden durch rassistische
Gesetze ermöglicht, durch hohe PolitikerInnen gedeckt und von der österreichischen
Mehrheitsbevölkerung geduldet, oft begrüßt.
Es ist eine Art tagtäglicher Überlebenskampf, um nicht ständig Gefahr zu laufen,
die rassistischen Blicke, Sprüche, Witze zu persönlich zu
nehmen. Aber was sonst sie gelten mir. Ich bin Ausländer. Die Hetze der
Presse und Politik gilt mir, gilt all jenen Kanaken und
Tschuschen, die in Österreich leben. Integration meint hier nicht Kontakt von
Mensch zu Mensch, auf der Grundlage von Respect, sondern Assimilation! Einreihung in eine
Gesellschaft, die die Regeln diktiert.
(...)
Wir sind nicht die multikulturelle Würze in der euch langweilig gewordenen
österreichischen Suppe! Mit eurem Exotik-Interesse setzt ihr
Rassismus fort, anstatt ihn zu brechen. Wir sprechen verschiedene Sprachen, haben
verschiedene Religionen, sind Frauen und Männer, leben
kurz, lang, oder schon immer hier. Wir haben weniger oder gar keine Rechte, unsere
Perspektiven sind verschieden. Aber: Wir sind hier!
Unsere Geduld ist am Ende! Zusammen ist das möglich, wovon wir träumen.
Unity is strength and strength is
unity!
Black and White here has united!
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eine Welt ohne Rassismus |