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Quellenangabe:
Tod eines 19 jährigen Asylwerbers aus Pakistan aufgrund mangelnder medizinischer Betreuung? (vom 11.03.2005),
URL: http://no-racism.net/article/1134/, besucht am 02.07.2020

[11. Mar 2005]

Tod eines 19 jährigen Asylwerbers aus Pakistan aufgrund mangelnder medizinischer Betreuung?

Mohammad Imran kam im Frühjahr 2003 als Asylwerber nach Österreich. Er war aus Pakistan aufgrund politischer Probleme geflüchtet. Seit Sommer 2003 lebte er in der Notschlafstelle des Flughafen-Sozialdienstes im Ernst-Kirchweger-Haus in Wien-Favoriten. Am 23. Februar 2005 verstarb er aus noch ungeklärter Ursache.

Seit 9. Februar 2005 fühlte sich Mohammad Imran krank. Zu Beginn hatte er ein wenig Fieber und Kopfschmerzen. Trotz seiner Krankheit arbeitete er weiter für die Firma Red Mail - aus Angst den Job zu verlieren. Die ArbeitsMöglichkeiten für AsylwerberInnen in Österreich sind sehr begrenzt.

Am Montag, 21. Februar suchte Mohammad Imran den praktischen Arzt Dr. Ahmed Sheriff auf, da das Fieber nicht zurückging und auch die Kopfschmerzen nicht aufhörten. Der Arzt schickte ihn sofort ins Krankenhaus. Imran fuhr mit zwei Freunden aus Pakistan ins Allgemeine Krankenhaus (AKH) in die Univ. Klinik für Neurologie. Nach einer Stunde Warten wurde Imran von einem Arzt untersucht: er kontrollierte die Fingerfunktion, Reaktion der körperfunktionen, Reaktion der Augen. Der Kopf wurde nicht eingehender untersucht. Imran hatte zu dieser Zeit keine Kopfschmerzen, die Schmerzen traten in Abständen auf. Der Arzt verabreichte ihm intravenÃŒs Glukose. Danach wurde Imran wieder entlassen und fuhr mit seinen Freunden in seine Wohnung im Ernst-Kirchweger-Haus.

Dienstag blieb Mohammad Imran von der Arbeit zu Hause. Am Dienstag verschlechterte sich sein Zustand, er hatte hohes Fieber, reagierte nicht auf seine Umgebung, erbrach sich, wirkte minutenlang bewusstlos. Daraufhin riefen seine Mitbewohner in der Notschlafstelle die Rettung. Diese brachte ihn ins Kaiser Franz Josef (KFJ) Spital, zwei Freunde begleiteten ihn. Der Arzt in der Neurologie des KFJ gab nach einer ersten Untersuchung an nicht zu wissen welche Diagnose zu stellen sei. Die Bekannten von Imran sollten am nächsten Tag wiederkommen. Als diese am nächsten Tag, Mittwoch, 23. Februar wieder das Spital aufsuchten wurde ihnen mitgeteilt, dass Imran verstorben sei. Ein Arzt sagte, dass Imran zu 99 % tot sei, aber wegen dem restlichen Prozent sei er ins AKH gebracht worden. Seine Freunde fuhren ins AKH. Der Arzt in der dortigen Neurologie gab an, dass Mohammad Imran seit dem frühren Vormittag tot sei. Weiters sagte er, dass sie dem Toten nach Österreichischem Gesetz die Organe Herz und Lunge entnehmen wollten. Imran hing noch an der Herz-Lungen-Maschine. Ein Mitarbeiter des Flughafen-Sozialdienstes und Vertreter der Botschaft von Pakistan versuchten dies daraufhin zu verhindern, da der körper bei einer Beerdigung nach muslimischen Brauch ganz sein soll. Nach stundelanger Diskussion akzeptierte der Arzt schließlich.

Der Leichnam von Mohammad Imran wurde am 25. Februar nach Pakistan geflogen. Die pakistanische Community in Wien hatte Geld für die überstellung gesammelt.

Die Todesursache von Mohammad Imran ist bis jetzt nicht bekannt.


Es stellen sich nun einige Fragen:

Warum wurde Mohammad Imran am 21. Februar 2005 aus dem AKH nach Hause geschickt ohne dass sein Kopf eingehend untersucht wurde?

Wurde die ärztliche Sorgfaltspflicht verletzt?

Werden AsylwerberInnen in Österreichs Krankenhäusern schlechter behandelt als andere PatientInnen?

War die prekäre Arbeitssituation von Mohammad Imran mit Schuld an seinem Tod? (er arbeitete trotz Fieber und Kopfschmerzen als Werbemittelverteiler weiter bei Red Mail, aus Angst seinen Job zu verlieren)



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