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Quellenangabe:
Rassismus Report 2004 veröffentlicht (vom 31.03.2005),
URL: http://no-racism.net/article/1162/, besucht am 02.07.2020

[31. Mar 2005]

Rassismus Report 2004 veröffentlicht

Der Rassismus Report 2004 wurde am 31.3.2005 in Wien der Öffentlichkeit präsentiert. Es ist der fünfte Report, den ZARA vorlegt und beinhaltet einen Schwerpunkt zum Thema "Rassismus & Wirtschaft".

ZARA präsentierte den Rassismus Report 2004, der gemeinsam mit
die Bunte, Deserteurs- und Flüchtlingsberatung, Fair Play, Forum gegen Antisemitismus, Grün-Alternative Jugend Wien, Grüne Vöcklabruck, Helping Hands Graz, WITAF-Arbeitsassistenz für Gehörlose erstellt wurde.

Zahl der dokumentierten Übergriffe gestiegen


Die Zahl der vom Wiener Antirassismus-Verein Zara dokumentierten rassistischen Übergriffe ist in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen. Waren 2002 noch 330 Fälle von Diskriminierungen, Beschimpfungen und tätlichen Angriffen bekannt geworden, so wurden im Vorjahr bereits 907 fälle registriert.
Report-Redakteurin Verena Krausneker stellt fest, dass Rassismus seit 5 Jahren im öffentlichen Raum massiv zunehme: "Für viele Menschen bedeutet das bedrohliche Unsicherheit und unvorhersehbare Konfrontationen mit Gewalt."

Vor allem verbale Bedrohungen und rassistische Beschmierungen sind besonders in der Bundeshauptstadt zu einem ernst zu nehmenden Problem geworden. Der Leiter der Beratungsstelle von ZARA, Hikmet Kayahan: "Laut dem aktuellen Österreich-Bericht der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) sind dunkelhäutige Menschen in Österreich einer besonderen Gefahr ausgesetzt. Dies wird deutlich insgesamt 266 von ZARA dokumentierten Beschmierungen, von denen sich 66% explizit gegen AfrikanerInnen richteten." ZARA fordert Politik und Stadtverwaltungen auf, aktiv zu werden und konsequent darauf zu achten, Rassismus keinen Raum zu geben.

"Spitze des Eisberges"


Für Verena Krausneker handelt es sich bei den öffentlich bekannt gewordenen Übergriffen nur um die "Spitze des Eisberges". Besonders in den Bundesländern gebe es mit Ausnahme von Graz noch kaum mit Zara vergleichbare Dokumentationsstellen. Gleichzeitig warnte Krausneker davor, aus dem Ansteigen der dokumentierten Übergriffe ein ebenso starkes Ansteigen des Rassismus in Österreich abzuleiten. Hier schlage sich auch das verbesserte Betreuungsangebot der beteiligten Vereine nieder.

"Sichtbarer machen"


"Das einzige was wir tun ist, Rassismus sichtbarer zu machen", betont Krausneker. Zara-Obmann Schindlauer verweist einmal mehr auf die prekäre Finanzlage der Organisation. Zara müsse in einem Umfeld arbeiten, "das unsere Arbeit nicht ernst nimmt". Auch heuer sei die Finanzierung nur bis Ende Juni gesichert, da der Bund weiterhin keinen Beitrag zur Beratungstätigkeit leiste. Zur Aufrechterhaltung des derzeitigen Angebots Wären zusätzlich 150.000 Euro nötig.

Alltagsrassismus


Für den Rassismus Report wurden laut Krausneker nicht die "besonders blutigen" Vorfälle ausgewählt, "sondern das, was man sich unter Alltagsrassismus vorstellen muss". Hier gehe es um das "alltägliche Fertigmachen" von Menschen - etwa am Arbeitsplatz oder bei der Wohnungssuche, betont Hikmet Kayahan, Leiter der Zara-Beratungsstelle für Rassismus-Opfer.

Immer wieder berichtet der Report von rassistischen Beschimpfungen ("Fuck N*", "Mein Hund mag keine Mischlinge") und Überfällen, aber auch von Übergriffen im Umgang mit Behörden, Arbeitgebern und Vermietern. - Etwa vom Fall eines Ehepaares (sie aus Österreich, er aus Nigeria), das beim Einzug in die neue Wohnung plötzlich vor verschlossenen Türen stand: Die Vermieterin hatte entdeckt, dass einer der neuen Mieter aus Afrika stammt und daher kurzerhand das Türschloss austauschen lassen.

Gleichbehandlungskommission noch immer nicht eingerichtet


Österreich hat auf Druck der EU zwar mittlerweile ein Gleichbehandlungsgesetz beschlossen, die darin vorgesehene Gleichbehandlungskommission im Frauenministerium wurde aber noch immer nicht eingerichtet. Bereits eingereichte Beschwerdefälle würden damit liegen bleiben.

Anmerkung no-racism.net: * Am 4.1.2010 wurde das rassistische N-Wort, dass in diesem Artikel kommentarlos reproduziert wurde, entsprechend gekennzeichnet.