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Quellenangabe:
Remember Ernst Kirchweger? (vom 31.03.2005),
URL: http://no-racism.net/article/1165/, besucht am 21.04.2024

[31. Mar 2005]

Remember Ernst Kirchweger?

Am 31. März 1965 wurde Ernst Kirchweger bei einer Demonstration gegen den an an der Uni für Welthandel lehrenden antisemitischen Sozial- und Wirtschaftshistoriker Taras Borodajkewycz attackiert und stirbt - Er ist das erste Opfer rechtsextremer Gewalt in der zweiten Republik.

Am 31. März 1965, also exakt vor 40 Jahren, nahm der 67jährige ehemalige KZ-Häftling und KPÖ-Mitglied Ernst Kirchweger an einer Demonstration gegen den an der damaligen Hochschule für Welthandel (der heutigen WU Wien) lehrenden antisemitischen Sozial- und Wirtschaftshistoriker Taras Borodajkewycz teil.

Gegen diese Demonstration wurde vom Ring Freiheitlicher Studenten, der Studentenorganisation der Freiheitlichen Partei Österreichs, eine Gegenkundgebung veranstaltet. Die Teilnehmer beider Demonstrationen gerieten aneinander und die Wiener Polizei soll der Schlägerei untätig gegenüber gestanden sein. Ernst Kirchweger wurde von Günther KÃŒmel attackiert und schwer verletzt. Drei Tage später erlag er seinen Verletzungen. KÃŒmel wurde danach nur zu zehn Monaten Haft verurteilt!

An Kirchwegers BegrÀbnis beteiligten sich 25.000 Menschen, jedoch weigert sich der Österreichisch Staat bis heute, Ernst Kirchweger als erstes Opfer rechtsextremer Gewalt in der zweiten Republik zu gedenken.

40 Jahre später scheint die KPÖ ihre antifaschistische Tradition aus "rein ökonomischen Zwängen" vergessen zu haben. Dass nach Ernst Kirchweger benannt Haus in der Wielandgasse 2-4 wurde mitsamt seinen BewohnerInnen an eine Personengruppe mit rechtsextremen Charakter verschachert. Ironie dabei ist, dass die jahrelang antifaschistisch arbeitenden Gruppen Prozesse führen müssen, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Die klagende Partei wird hierbei vertreten vom "Zur Zeit" - Gesellschafter und Mölzer-Intimus RA Johannes HÃŒbner Jr..

Besonders im "Opfer-Gedenkjahr" 2005 ist es traurig, dass rechtsextreme Kontinuitäten in Österreich weder thematisiert geschweige denn aufgearbeitet werden. Im Gegenteil werden solche Tendenzen als politische Norm und gesellschaftlicher Mainstream angesehen. Kritisch arbeitende Projekte hingegen werden nicht nur ihrer Stimmen beraubt, sondern es wird auch ihre Legitimität und Nützlichkeit in Frage gestellt.

EKH, 31.3.2005

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