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Quellenangabe:
Rassistischer Polizeieinsatz im Wiener Prater (vom 11.04.2005),
URL: http://no-racism.net/article/1175/, besucht am 03.07.2020

[11. Apr 2005]

Rassistischer Polizeieinsatz im Wiener Prater

Am Abend des Dienstag, 5. April 2005, kam es im vor kurzem eröffneten Novomatic - Casino Admiral im Wiener Prater zu einem Poizeieinsatz: Rund 30 Menschen aus Afrika wurden von einem Polizeiaufgebot - darunter der designierte Wiener Landespolizeikommandant Roland Horngacher - kontrolliert und schließlich des Lokales verwiesen.

Der Dienst habende Geschäftsführer habe die Polizei gerufen, weil "50 Schwarzafrikaner randaliert" hätten, hieß es am Freitag, 8. April, seitens der Exekutive. ZeugInnen im Lokal - darunter der Grüne Bezirksrat Adi Hasch - haben allerdings keinerlei Probleme wahrgenommen. Zudem seien überhaupt nur rund 30 Personen mit schwarzer Hautfarbe in dem Casino gewesen.

Hasch, der sich am Videoscreen wie viele andere an dem Abend die Live-übertragung des Champions-League-Spieles Liverpool gegen Juventus ansah gab an: "Nach dem Einsatz war es lauter als vorher. Menschen mit weisser Hautfarbe wurden nicht kontrolliert. für mich handelt es sich um einen rassistischen Übergriff."

Die Polizei war nach der Anforderung durch die Geschäftsleitung des Wettcasinos nach Auskunft von Mag. Peter Goldgruber, dem Leiter der Sicherheits- und Verkehrspolizeilichen Abteilungen der BPD Wien, um kurz nach 21.45 Uhr angeRückt. - und zwar mit rund zwei Dutzend BeamtInnen, darunter Horngacher. Sechs Fahrzeuge der Alarmabteilung WEGA, vier normale Funkwagen, ein Diensthundefahrzeug mit zwei Hunden sowie der Wagen des zukünftigen Wiener Landespolizeikommandaten Horngacher.

Dass Horngacher als derzeitiger Leiter des Kriminalamtes bei dem Einsatz mit dabei gewesen sei, begründete sein Sprecher Dr. Peter Jedelsky damit, dass dieser ohnedies "unterwegs gewesen sei". Wenn man als Leiter am Funk von einem solchen Einsatz erfahre, dann sei man "mit dabei".

außer dem Grünen Bezirksrat berichtete unabhängig davon ein anderer Anwesender, dass er von dem Einsatz völlig überrascht gewesen war, weil er keinerlei "Randale" bemerkt hatte, die ein Einschreiten rechtfertigen würde. Laut Hasch wurden die etwa 30 SchwarzafrikanerInnen - und nur diese - perlustriert und schließlich alle von den PolizistInnen aufgefordert, das Lokal zu verlassen. Goldgruber bestätigte, dass 15 Identitäten festgestellt worden waren.

Dass alle anwesenden SchwarzafrikanerInnen aus dem Lokal gewiesen wurden, sei das "gelindere Mittel", um eine allfÀllige Wiederholung eines Deliktes zu verhindern. für eine Wiederholung muss allerdings vorher ein Delikt gesetzt worden sein. "Das ist die spannende Frage", sagte Goldgruber, der darauf hinwies, dass nun ein ganz normales Verfahren wegen OrdnungssTürung durchgeführt werde. Dazu würden alle auffindbaren ZeugInnen befragt und auch VertreterInnen der Casino-GeschäftsFührung einvernommen.

Quelle: APA