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Quellenangabe:
Gegen Polizeigewalt in Barcelona - Karcelona (vom 07.02.2006),
URL: http://no-racism.net/article/1555/, besucht am 14.11.2019

[07. Feb 2006]

Gegen Polizeigewalt in Barcelona - Karcelona

Am 4. Februar 2006 kam es im Anschluss an Schikanen durch die Polizei gegen eine Party in einem besetzten Haus in Barcelona zu massiven Übergriffen und Schikanen. In der Folge wurden mehrere Leute festgenommen und zum Teil schwer misshandelt. Mit Rückendeckung der Justiz wurde dann eine Hetzjagd gegen verschiedene soziale Zentren im Stadtteil durchgeführt. Einigen der schwer verletzten Verhafteten werden massive Vorwürfe seitens der Justiz gemacht.

uebersetzung von texten ueber die vorfaelle und verhaftungen vom 4. februar 2006 in barcelona, publiziert am 06.02.06 auf indymedia barcelona:




gegen polizeigewalt in barecelona-karcelona


am freitag den 3. februar 2006 fand im stadtteil santa caterina (altstadt von barcelona) in dem besetzten haus "el teatro" eine party statt. bereits am 10 uhr waren polizeieinheiten der "guardia urbana" in dieser gegend praesent. gegen ca. 5 uhr begann die polizei leute vor dem besetzten haus zu schikanieren. die situation eskalierte als die polizei begann brutal auf dort anwesende personen einzuschlagen. von der polizei wurden drei scharfe schuesse abgefeuert, es kam zu willkuerlichen verhaftungen.

in diesem tumult erlitt ein polizeibeamter (der "guardia urbana") eine schwere kopfverletzung. hierzu gibt es zwei versionen: in der ersten wird davon gesprochen, dass die verletzung durch einen, vom balkon des besetzten hauses geschmissenen blumentopfes zustande kam. vierzehn stunden spaeter wird aus dem blumentopf dann ploetzlich ein stein, der von mehreren personen auf den beamten geworfen worden sei.

laut augenzeugInnenberichten wurde eine der verhafteten personen auf offener strasse von acht polizistInnen (der einheiten "mossos d'esquadra" und "guardia urbana") brutal misshandelt. bis acht uhr abends desselben tages war diese person verschwunden. die polizei verweigerte jegliche information ueber ihren aufenthalt und gesundheitszustand.
diese vorgehensweise ist illegal, angehoerige und freundInnen der verhafteten muessen um deren seelisches und koerperliches wohlbefinden fuerchten.

samstag nachmittags bemaechtigten sich polizeieinheiten der "mossos d'esquadra" des gesamten stadtteils santa caterina und begannen mit einer hetzjagd gegen verschiedene soziale zentren im stadtteil, die mit den vorfaellen vom 04. 02. 06 in keinerlei verbindung stehen.

leute mit vermeintlichem "squatteroutfit" die sich in der gegend bewegten wurden willkuerlich angehalten und kontrolliert. bis samstag 22:00 uhr erhielt weder die unterstuetzungsgruppe der verhafteten, noch die anwaeltInnen oder angehoerige nachricht ueber den zustand der verhafteten. bis dato wird eine jugendliche vermisst. ihre eltern haben eine vermisstenanzeige aufgegeben.

die informationen, die wir ueber drei der verhafteten haben sind aeussert besorgniserregend:

eineR hat eine schwere kopfverletzung, eineR andereR diverse haematome im gesicht und einen verbundenen arm. die person, die am schwersten verletzt ist, wurde brutal verpruegelt und solange an den haaren ueber den boden geschliffen, dass ihr ein dreadlock ausgerissen wurde. sie hat ausserdem einen arm in gips und den anderen verbunden.

wegen der schwere der verletzungen wurden die verhafteten ins krankenhaus gebracht. nichtsdestotrotz hatten die misshandlungen nach der entlassung aus dem spital kein ende. das alles geschieht mit der rueckendeckung der justiz, die ueber den gesamten fall eine informationssperre verhaengt hat.

waehrend der gesamten haftzeit bekamen die verhafteten nicht mehr als ein halbes glas wasser zu trinken.

wir bitten alle kollektive, die sich im kampf gegen die folter engagieren umd die maximale unterstuetzung. sei es diese informationen zu verbreiten oder auch an der aufklaerung dieser konkreten foltervorfaelle mitzuarbeiten. es ist damit zu rechnen, dass einige der verhafteten in haft verbleiben werden und sich ihre situation verschlechtern wird.


zwei versionen zur eskalation der situation am 04. 02. 06 vor dem besetzten haus "el teatro" in barcelona:

nach offiziellen quellen wurde am freitag abend der raum, in dem in der darauffolgenden nacht ein illegales fest veranstaltet werden sollte, durch die "guardia urbana" gesperrt. das fest fand unter der teilnahme von einigen hundert personen trotzdem statt. bis gegen sechs uhr morgens 30 leute, die zum fest kommen wollten aber nicht mehr in das haus gelangten, sich mit der "guardia urbana", welche die zone unter staendiger ueberwachung hielt, konfrontierten.
der offizielle sprecher versicherte, dass die leute, die sich im haus befanden damit begannen, die beamtInenn mit diversen gegenstaenden zu bewerfen.

nach informationen des besetzerInnenkollektivs befahl die polizei am samstag um 5 uhr morgens das fest zu beenden, was auch passierte. rund 30 leute, die zu diesem zeitpunkt vor dem "teatro" eintrafen, wurden nicht eingelassen. die beamtInnen begannen damit, die leute auf der strasse auf unsanfte weise zu kontrollieren. so kam es zu den ersten zusammenstoessen. die beamtInnen forderten verstaerkung durch die "antidisturbios" (spezialeinheit/antiriotpolice) an und behaupteten, dass sie mit steinen und muell beworfen worden seien.

ein nachbar, der die szene von seinem balkon aus beobachtet hat versichert, dass sich das chaos ueber den unmittelbaren ort des geschehens ausweitete und die polizei (einheiten sowohl der "mossos d'esquadra" wie auch der "guardia urbana") willkuerlich auf leute einschlug. auch auf solche, die eindeutig kundtaten nichts mit dem bestzten haus zu tun zu haben.
im laufe dieser auseinandersetzung wurde ein beamte der "guardia urbana" am kopf getroffen. er erlitt ein schaedelhirntrauma und einen schaedelbasisbruch. der beamte j. s. d. (39 jahre alt) wurde in uci krankenhaus "hospital clinic" gebracht, wohin auch der katalanische praesident pasqual maragall und der buergermeister von barcelona joan clos kamen. der buergermeister behauptete anfaenglich, dass die kopfverletzung des beamten aus dem wurf eines blumentopfes, der aus dem haus geworfen wurde, in dem das fest stattfand, resultierte. spaeter wurde dann von einem sprecher der gemeinde behauptet, dass es sich um einen gezielten steinwurf gehandelt hat - "agression directa" ("direkte aggression").
die vorfaelle endeten mit 9 verhafteten personen (zwei aus chile, eine aus argentinien, eine aus deutschland und fuenf aus spanien) im alter von 20 bis 31 jahren.
die bewohnerInnen und nutzerInnen des "teatro" behaupten, dass sich unter den verhafteten keine ihnen bekannte person befindet und sich die organisatorInnen des festes nicht an den auseinandersetzungen beteiligten.


contra la repression policial - gegen polizeigewalt


(ein flugblatt von leuten, die die gefangenen vom 04.02.06 in barcelona unterstuetzen)

am samstag den 4. februar 2006 in den fruehen morgenstunden verhaftete die polizei auf brutale weise 9 personen in der strassesant pere mes baix, in der altstadt von barcelona.

die illegale vorgehensweise durch polizei und justiz machen es unmoeglich die genaue anzahl der verhafteten personen zu eruieren, sowie informationen ueber deren identitaet und gesundheitszustand erlangen.
sicher ist, dass diese personen waehrend der verhaftungen und auf den polizeistationen geschlagen und schwer misshandelt wurden. die verhafteten sind opfer eines polizeilichen konstruktes, das versucht, sie mit schwerfen anschuldigungen zu belasten (*). die verhafteten weisen diese entschieden zurueck.

das alles ist kein zufall. diese verschaerfung der gewalt, die duch die verschiedenen polizeieinheiten seit einiger zeit vorangetrieben wird, genauer, seit dem das gesetz des sogenannten "civismo" (**) verabschiedet wurde, wir die null-tolleranz-politik und die definitive ausweitung der "mossos d'esquadra" (') immer klarer gegen bestimmte politische kollektive und stadtteile (z.b. raval, santa caterina, sants, berga, ciutat vella, arenys) angewandt. stadtteile, wo die spekulativen interessen der gemeinde mit der sozialen realitaet der dort lebenden menschen zusammenstossen. die antwort auf diesen konflikt, der aus dem mangel von alternativen waechst, ist wueste repression in der form von unverhaeltnismaessigen polizeieinsaetzen wie z.b. dem vom letzten samstag.

sie suchen schuldige fuer die realen konflikte, die sie selbst schaffen.

wir fordern die sofortige und bedingungslose freiheit fuer die verhafteten und das ende der misshandlungen und der folter, welche unter rueckendreckung der justiz durch die verschiedenen polizeilichen koerper angewandt wird!

FREIHEIT FUER DIE GEFANGENEN VOM 4. FEBRUAR 2006!



anmerkungen:

Dieser Text wurde zuerst am 6. Feb 2006 auf :: de.indymedia.org und :: at.indymedia.org veröffentlicht. Es handelt sich dabei um Übersetzungen von Texten, die auf :: barcelona.indymedia.org veröffentlicht wurden.