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Quellenangabe:
Die Aggressionen gegen ImmigrantInnen an der Grenze von Ceuta gehen weiter (vom 09.04.2006),
URL: http://no-racism.net/article/1627/, besucht am 19.11.2019

[09. Apr 2006]

Die Aggressionen gegen ImmigrantInnen an der Grenze von Ceuta gehen weiter

J. erschien am 29. März 2006 in einem marokkanischen Krankenhaus. Wir konnten nicht glauben, was wir sahen. Er lag mit verbundenem Kopf im Bett, konnte nicht sprechen und sein Gesicht war völlig entstellt.

Er war in der Nacht ins Spital gekommen, bewusstlos und dem Tode nahe. In diesem Zustand lag er mit Handschellen gefesselt in einem Bett, auf einer schmutzigen schwarzen Matratze ohne Bettzeug und Decke.

Was war das Vergehen, das J., begangen hatte? Einfach die Tatsache, dass er nach Meinung der marokkanischen Sicherheitskräfte ein "illegaler Immigrant" ist.

J. ist Immigrant aus Liberia und Asylwerber. Die Unmöglichkeit, in der Stadt zu überleben - die Miete, teure Lebensmittel und die immer weniger werdende Solidarität - zwingen ihn dazu, im Wald zu leben. Er überlebt gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von ImmigrantInnen im Wald von Ben Younes, nahe der Grenze zu Ceuta. Hier bezahlt J. keine Miete, die Gruppe teilt alles und wenn es nichts zu essen gibt, können sie immer noch versuchen, die riesigen Ratten zu jagen, die es in dieser Gegend gibt.

J. ist verheiratet und hat ein Kind. Seine Frau ist ebenfalls Asylwerberin. J. entschied, dass sie in der Stadt Rabat leben sollte, mit dem wenigen Geld das ihnen die Familie schickt. Er sagt, es sei sehr schwer, die Razzien im Wald zu ertragen. Seine Frau ist während dieser Militäroperationen mehrmals vergewaltigt worden.

J. ist ein ruhiger, sympathischer und freundlicher Mann, den wir schon seit geraumer Zeit kennen. Er erschien am 29. März in einem marokkanischen Krankenhaus. Er war in der Nacht ins Spital gekommen, bewusstlos und dem Tode nahe. Trotzdem lag J. mit Handschellen gefesselt im Bett, schmutzig auf einer schwarzen Matratze, ohne Decken. An diesem Tag streikten zwei Ärzte und niemand hatte ihn behandelt. An der Zimmertüre stand die marokkanische Gendarmerie Wache.

Was war das Delikt, das J. begangen hatte, der sich schwerverletzt in Handschellen in diesem Bett wiederfand? Einfach die Tatsache, dass J. nach Meinung der marokkanischen Sicherheitskräfte ein klandestiner Immigrant ist.

Abgesehen von der Unmenschlichkeit dieser Situation, die sämtliche fundamentalen Menschenrechte verletzt, ist J. gar kein "illegaler Immigrant", sondern hat eine vorläufige Aufenthaltsbewilligung bis das UNHCR in Marokko entscheidet, ob er als Flüchtling anerkannt wird oder nicht.


Was ist mit J. geschehen?

Ein Marokkaner hatte ihn halb tot im Wald von Ben Younes, nahe der Stadt Ceuta, gefunden und brachte ihn zum Gendarmerieposten, von wo aus er ins Krankenhaus überstellt wurde. Jemand hatte ihn fast tot geschlagen, weil er sich in einer sensiblen Grenzzone befunden hatte.

Zwei Wochen zuvor war einem Migranten aus Senegal das gleiche zugestoßen. Dieser hatte versucht, bis zum Zaun vorzudringen, um nach Ceuta zu gelangen, war gestürzt und brach sich ein Bein.

Danach war er von marokkanischen Militärs verprügelt worden, die ihn in eines der Wachhäuschen gebracht hatten, die sich in der Nähe der Grenze befinden. Der Mann verbrachte dort zwei Tage ohne jegliche medizinische Hilfe. Welches Schicksal ihm widerfahren ist, nachdem er die Militärunterkunft verlassen hatte, ist nicht bekannt.

Normalerweise werden ImmigrantInnen, selbst wenn sie verletzt sind, an die Grenze zu Algerien deportiert. Wir hoffen, dass es J. nicht ebenso ergeht.

Das heißt, dass die marokkanische Gendarmerie ihn in diesem Bett liegen lässt, jedoch ohne Fesseln, und er wie jedeR andere Kranke behandelt wird, dass Untersuchungen angestellt werden, wer ihm diese Verletzungen zufügte und dass er außerdem nicht abgeschoben wird, denn er ist ein Asylwerber.

Während all dies auf der marokkanischen Seite geschieht, befinden sich im CETI (Centro Temporal de Inmigrantes, ein vorübergehnedes Aufenthaltslager für ImmigrantInnen) von Ceuta keine afrikanischen MigrantInnen - aber jeden Tag kommen MigrantInnen aus anderen Kontinenten. Klar, denn AfrikanerInnen verfügen nicht über Geldsummen um die 3000 Euro.

Dieser Text von IMC Tanger/ H. Maleno, erschien im spanischen Original am 5. April 2006 auf :: estrecho.indymedia.org und wurde für no-racism.net übersetzt. Vielen Dank an die Übersetzerinnen.