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Quellenangabe:
4F - nicht einen Tag länger! Ein Jahr ist schon genug! (vom 03.02.2007),
URL: http://no-racism.net/article/1977/, besucht am 18.10.2019

[03. Feb 2007]

4F - nicht einen Tag länger! Ein Jahr ist schon genug!

Am 4. Februar 2007 jährt sich das Datum an dem Juan, Alex und Rodrigo vom Spanischen Staat entführt und ungerechterweise beschuldigt wurden, einen Guardia Urbano (Stadtpolizei Barcelona) ins Koma gebracht zu haben.

An jenem Morgen des 4. Februar 2006 verhaftete die Polizei willkürlich
und unter Gewaltanwendung 9 Personen, welche alle von der Guardia Urbana und den Mossos d' Esquadra(katalonische Polizei) gefoltert wurden. Fast 365 Tage später befinden sich 3 dieser Jugendlichen, Alex, Juan und Rodrigo, noch immer in Untersuchungshaft, wartend auf einen Prozess, der schon bevor er stattfindet hinsichtlich der politisch-polizeilichen und justiziären Montage (jeden Tag unverschämter!) bis auf' s Mark verfault ist!

Alles passierte in der Nähe des "Forat de la Vergonya" (Barrio de la Ribera), der eine Schlüsselposition in der städtischen Spekulation von Barcelona innehat und ein Bezugspunkt des sozialen Widerstandes ist, in einem Moment als das neue Zivilgesetz in Kraft trat, welches jegliche Strassenaktivität, die nicht dem ökonomischen Taschenfüllen der lokalen Administration dient, kriminalisiert.

Die Vorfälle ereigneten sich vor dem "Anarko-peña Cultural", einem pseudo-besetzten Theater, welches keinerlei Beziehung zu den besetzten sozialen Zentren des Stadtteils hatte. Eine Gruppe von Leuten, unter ihnen Juan, Rodrigo y Alex traf am "Anarko-peña Cultural", wo eine Fiesta mit ca. 1000 Leuten stattfand, auf 4 Guardia Urbanos, welche begannen brutal gegen die Leute vorzugehen. Nachdem die Verstärkung der Guardia Urbana und der Mossos d'Esquadra eingetroffen war und den darauffolgenden diskriminierenden Prügelorgien, wurden die 3 zusammen mit 4 anderen Jugendlichen willkürlich festgenommen und einer der vier Stadtbullen befand sich im Komazustand.

Nach einer ersten Version, erklärt vom damaligen Bürgermeister Barcelonas, Juan Clos, welche alle Festgenommenen freispricht: "...der Guardia Urbano wurde durch einen Blumentopf verletzt, der aus dem Inneren des besetzten Gebäudes geworfen wurde...", wird zu einer anderen Version übergegangen, welche den 3 Jugendlichen vorwirft, die Verletzungen des Guardia Urbano verursacht zu haben, was die Einknastung der 3 rechtfertigt und den Startschuss für den Beginn einer Montage gibt, die der Säuberung des Image in der öffentlichen Meinung dient und gleichzeitig die BesetzerInnenbewegung Barcelonas kriminalisiert.

Die anderen Festgenommenen europäischer Herkunft wurden unter Vorbehalt und Zahlung von Kaution freigelassen, mit dem Vorwurf "Attentat gegen die Autorität". Komischerweise wurden die 3 später Eingeknasteten mit grösserer Wut gefoltert als die anderen - ihr südamerikanischer Akzent stand wohl in zu grossem Kontrast zum institutionellen Rassismus, den wir hier schon von der Europäischen Polizei-Praxis gewohnt sind.

Was ist besser, als 3 Personen zu beschuldigen, die gefoltert wurden, um sie öffentlich zu kriminalisieren und ihren Anzeigen wegen Folter die Glaubwürdigkeit zu nehmen ?
Was ist besser, als 3 Südamerikaner zu kriminalisieren, um mit Angstpolitik und Ausländerhass weiterzumachen ?

Die Richterin Carmen Martinez Garcia hat systematisch alle entlastenden Beweise abgelehnt, welche von der Verteidigung präsentiert wurden und in einem Anflug frankistischer Nostalgie alle ZeugInnen bedroht, sie mit den selben Beschuldigungen zu belasten wie die 3 Eingeknasteten, falls sie als ZeugInnen aussagen würden!

Deswegen sind Alex, Rodrigo und Juan noch immer im Knast, ohne dass es einen Prozess gegen sie gegeben hätte, welches ihr Recht auf eine Unschuldsvermutung verletzt, und ohne dass ein schwerwiegendes Argument existieren würde, sie in dieser Situation zu belassen, verschanzen sich die Richterin und die Audiencia Provincial dahinter, die Beschuldigten hätten "zugegeben in Südamerika geboren zu sein".

Rodrigo, Juan und Alex führten über einen Monat lang einen Hungerstreik durch um aufzuzeigen, dass ihre Einknastung eine politische Entscheidung darstellt, was weniger mit der Nachlässigkeit der Justiz zu tun hat, welche ihre Rolle in der Repressionsmaschinerie spielt. Mit dem Schliessen der Akte der Anklageschrift wurden alle Beschuldigungen verschärft; fúr die drei Jugendlichen mit "Verletzung und schweres Attentat gegen die Autorität", was ihre mögliche Verurteilung auf 18 Jahre Knast erhöht.

Im Kontext der Sicherheitsparanoia findet eine Welle der sozialen Repression und der ungestraften Vergewaltigung der Rechte aller Personen statt, welche sich von einer "Normalität" entfernen, die die Unterwerfung unter die Interessen der Staatsmacht und des Kapitals bedeutet.

DESWEGEN STARTEN WIR EINEN INTERNATIONALEN AUFRUF FÜR DEN 4. FEBRUAR 2007 IN SOLIDARITÄT MIT JUAN, ALEX UND RODRIGO.

Auf internationalen Niveau fordern wir dazu auf, vor Konsulaten und Botschaften des Spanischen Staates zu demonstrieren, um diese fremdenfeindliche Montage zu denunzieren, welche unseren Compañeros die Freiheit raubt.

Auf nationaler Ebene rufen wir zu dezentralen Aktionen in euren Dörfern und Städten auf, um die Freilassung und Entkriminalisierung der 4F-Gefangenen zu fordern.

In Karcelona wird eine lautstarke Demonstration stattfinden:

PLAZA UNIVERSITAT, SONNTAG, 4. FEBRUAR 2007, 18 UHR

NIEDER MIT DEN MAUERN DER REPRESSION !
SOFORTIGE FREILASSUNG VON JUAN, RODRIGO UND ALEX !

Quelle: 4F-UnterstützerInnengruppe