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Quellenangabe:
Profit durch Abschiebungen (vom 13.03.2007),
URL: http://no-racism.net/article/2012/, besucht am 23.10.2019

[13. Mar 2007]

Profit durch Abschiebungen

Nach einem Bericht der Tageszeitung Kurier vom 12. März 2007 überlegen drei Männer aus Wien wie sie aus Abschiebungen ein profitables Geschäft machen können.

Die "Idee" dazu kommt vom Wiener Rechtsanwalt Hermann Heller - unter anderem Verteidiger von PolizistInnen, die an der "Amtshandlung" gegen Seibane Wague im Juli 2003 beteiligt waren, die zu dessen Tod führte. Im Nebenberuf ist Heller Brigadier der Miliz und auch Verbindungsoffizier zur Polizei. Laut seinen Angaben seien Abzuschiebende ohne "Publikum" leichter zu deportieren, da ihnen in einem speziellen Flugzeug die Motivation für Protest fehle. Das Innenministerium setze zwar private Chartermaschinen für Sammeltransporte ein, doch in diesen herkömmlich ausgestatteten Fliegern müssen bei jedem Abzuschiebenden zwei Cobra-Beamte sitzen. Damit seien zwei Drittel des Flugzeuges mit Polizei besetzt.

Gemeinsam mit den "Luftfahrtexperten" Carl Julius Wagner und Heinz Berger überlegt Heller nun wie eine derartige profitable Abschiebefluglinie aussehen könnte. Der Unternehmensberater Wagner ist unter anderem Repräsentant der US-Helikopterfirma Sikorsky und hat dem Bundesheer die Black-Hawk Hubschrauber vermittelt. Der Luftfahrtberater und Verleger Heinz Berger vermittelt Flugzeuge, Ersatzteile, Flüge mit Mig-29 und Luftfahrtmagazine.

Die Abschiebeflugzeuge sollen folgendermaßen aussehen: kleine Kojen sollen montiert werden. Das soll die Bewegungsfreiheit der Betroffenen reduzieren, auf Fesseln und Klebebänder soll verzichtet werden. Alle Metallteile sollen mit Schaumstoff abgedeckt, die Sanitäranlagen umgebaut werden. Außerdem soll eine Wachmannschaft, medizinisches Personal und einE BeobachterIn einer Menschenrechtsorganisation an Bord sein. Nach Angaben der drei umtriebigen Abschieber ist Österreich mit seinen 71 Luftabschiebungen im Jahr 2006 für den Betrieb eines derartigen Abschiebeflugzeugs zu klein. Daher laufe nun die "Marktforschung" bei den europäischen Regierungen. Erst wenn der ungefähre Bedarf an Personen und Flugkilometern feststehe, könne auch die Entscheidung für die Flugzeugtype fallen.

Auf dem Flugzeugmarkt gäbe es zur Zeit ein Überangebot. Vor allem im Nahen Osten, den USA und verschiedenen Oststaaten - so "Luftfahrtexperte" Berger - wären Gebrauchtmaschinen der Typen Boeing und Airbus zu Schnäppchenpreisen zu haben. Potenzielle Investoren für die Abschiebelinie soll es auch schon geben. Damit sehen sich die Proponenten ihrem Ziel schon sehr nahe: Eine menschliche Art der Abschiebung, die so nebenbei natürlich auch ein "Geschäft" sein soll.

Quelle: kurier.at