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Quellenangabe:
Dancing Down All Borders (vom 21.05.2007),
URL: http://no-racism.net/article/2091/, besucht am 22.10.2020

[21. May 2007]

Dancing Down All Borders

Die Shake g8 Fahrradkarawane zum g8 Gipfel hat am 16. Mai 2007 die Grenze in Schwedt passiert. Ausgefallen verkleidet haben CheerleaderInnen und TänzerInnen begleitet von einem DJ die Grenze wortwörtlich niedergetanzt!
(+ next stop: Bombodrom)

Mit dabei war auch die Presse und ein Lokalfernsehsender, und ein nicht unbescheidenes Polizeiaufgebot hat die Karawane schon erwartet. Es sind alle Leute über die Grenze gekommen, nur der Traktoranhänger wurde gnadenlos als straßenuntauglich abgestempelt.

Nächststes größeres Ziel ist am 24. Mai 2007 das "Bombodrom" (siehe weiter unten).


Grenzen niedertanzen!


Schließlich war er da, der 16. Mai! Ein Tag auf den sich die Shake g8 Fahrradkarawane wochenlang hinbewegt hat, am Grenzübertritt von Polen nach Deutschland zu verdeutlichen wie überflüssig und beschränkt Grenzen doch sind. Zwei Tage lang wurde sich 30 Km vor der Grenze darauf vorbereitet, die Grenze möglichst pompös zu überqueren, auf die schlimmsten Repressionen gefasst.

Früh am morgen ging es dann los, um zwölf wurde sich Nahe der Grenze in Schale geworfen und die Generalprobe den Waldameisen vorgeführt. Bis dahin wurde die Grenzpolizei auch schon auf die Gruppe aufmerksam und so kam es, dass wir von der polnischen Polizei und der gemischten deutsch-polnischen Grenzwacht begleitet wurden sobald wir uns wieder auf die Hauptstrasse begaben und Richtung Grenze losfuhren.

Den Traktor zur Stereoanlage umfunktioniert, erreichten wir gegen 2 Uhr die Grenze. Die hübsch herausgeputzten RadfahrerInnen verwandelten sich in Cheerleaders und TänzerInnen die über die Brücke tanzten. Leider wurden wir von der Grenzpolizei, die den gesamten Verkehr in beiden Fahrtrichtung völlig zum erliegen brachte, aufgehalten. Deshalb versuchten wir sprichwörtlich die Grenze wegzutanzen und die Leute in grün mit unseren einstudierten Tänzen und Cheerleader-Choreografien, Konfettiregen und Luftblasen dazu zu bewegen uns weiterziehen zu lassen. Doch die GrenzerInnen gaben kein Jot nach und verzogen nur ihre Minen und versuchten den Pom-Poms und den Seifenblasen auszuweichen.

Langsam hinterherhinkend folgte ein Gefangener in gestreifter Sträflingskleidung. Dieser war mit einer langen Kette mit einem Bein an eine Kiste mit der Aufschrift Passports fortress Europe gebunden. Diese musste er die ganze Zeit hinter sich herziehen. Als die Zeit reif war, quälte er sich ein letztes mal und bewegte sich auf die Grenze zu. Mit aller Kraft, die ihm noch blieb, öffnete er die Kiste und zog einen Umschlag raus, den er einem Zöllner übergab. Es wurden die Namen auf den Pässen ausgerufen, doch niemensch reagierte. Es zogen jedoch alle einen Barcode heraus, auf dem die Passnummer geschrieben war. Erst als diese Nummern ausgerufen wurden, reagierten die entsprechenden Leute. Dies sollte zeigen, wie das aktuelle System die Individuen zu Nummern degradiert.

Wir hatten kleinere Probleme alle Leute durch die Kontrolle zu bringen.Hauptproblem war, dass die Polizei einen Anführer braucht, der die Verantwortung übernimmt für die Aktion. Da wir alle gemeinsam verantwortlich sind und nichts Verbotenes getan haben, wollten wir alle die Anführer sein und versuchten, den Grenzern unsere Ausweise nochmals zurückzugeben, damit diese uns als verantwortliche Personen akzeptiert. Dies wollten sie nicht verstehen.So ging es nochmal eine Stunde, bis sie endlich alle Pässe akzeptierten. So wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis wir alle einen netten Brief erhalten werden von der deutschen Staatsanwaltschaft.

Wie auch immer, die Hauptschwierigkeit war der Traktor. Unser lieber Traktor, der es allen Widrigkeiten zum trotz bis zur polnisch-deutschen Grenze geschaft hat. Von Deutschland zuerst durch Tschechien, die Slowakei und Österreich nach Ungarn und dann via Slowakei, Tschechien und Polen wieder zurück. Diesem Traktor wurde die Weiterreise in Deutschland untersagt. Dem Anhänger wurde sämtliche Strassentauglichkeit abgesprochen. Aber hat er nicht auf den zurückgelegten ca. 2'500 Kilometern bewiesen, dass er absolut Strassentauglich ist. Glücklicherweise erhielten wir regliche Unterstützung von der Lokalbevölkerung. Wir erhielten einen Platz, an dem wir das Gefährt vorübergehend parken können. Die Polizei eskortierte uns zu diesem, nachdem sie die Transpis vom Wagen entfernt hatte. Doch konnten wir so noch eine von der Polizei geduldete RTS durchführen, auf der wir wenigstens noch einige Flugis an die Leute bringen konnten :)

Was für ein freundliches Willkommen in Deutschland! Aber nichts desto trotz, die Fahrradkarawane wird ihre Reise zum G8-Gipfel fortsetzen, ob mit oder ohne Supportfahrzeug!

Vielen Dank an die tollen Leute vor Ort, die uns in vielerlei Hinsicht unterstützt haben, und'n Gruß an die Zivilcops, die immer noch auf uns aufpassen, mühsam im Auto voiyeurierend Ihre Brötchen verdienen.

Die Reise geht weiter, wann sehen wir uns...?


Eine, zwei, drei, viele Fahrradkarawanen


Nachdem es in den vergangenen Jahren immer wieder erfolgreiche Fahrradkarawanen gegeben hat, entschlossen sich zahlreiche AktivistInnen dazu, zu den G8-Protesten in Heiligendamm gemeinsam mit dem Fahrrad anzureisen. Warum das ganze, wird im Aufruf :: Für ein, zwei, viele Fahrradkarawanen erklärt:

Die Politik der G8 steht für Ausbeutung von Mensch und Umwelt, für Unterdrückung und Krieg. Durch die Ausplünderung der Trikontstaaten werden Menschen gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen und die Wenigen, die es schaffen die Mauern der Festung zu überwinden, werden gezwungen unter menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern zu leben. Wir planen deshalb direkte Aktionen an den Flüchtlingslagern entlang unserer Routen. Das auf dem G8 breit diskutierte Thema der Energiesicherheit findet seinen Ausdruck in der Renaissance des Ausbaus von Atomkraftwerken. Auch diese (z.B. Gronau, Ahaus, Krümmel, Gorleben) können sich unserer Aufmerksamkeit sicher sein! Doch dies sind nur zwei von vielen Themen, zu denen wir auf unserem Weg Aktionen machen werden!

Schon seit Wochen bewegen sich aus unterschiedlichen Richtungen Menschen auf Fahrrädern in Richtung Rostock. Die "shake-G8-bikeride"-Karawane startete Anfang April in Budapest und bewegte sich über über Györ, Bratislava, Brno, Wroclaw, Poznan nach Schwedt, wo wie oben beschrieben am 16. Mai 2007 die Grenze niedergetanzt wurde.


Wie geht's weiter?


Nächststes größeres Ziel ist am 24. Mai 2007 das "Bombodrom" in der Nähe von Wittsock (Mecklenburg-Vorpommern). Dort wird der "shake-G8-bikeride" auf weitere :: (Fahrrad)Karawanen, die :: Rebel Clown Army, :: Euromärsche usw. treffen.

Das Bombodrom liegt 80 km nördlich von Berlin in der Kyritz-Ruppiner Heide zwischen den Städten Wittstock und Neuruppin (Brandenburg). Der 142 Quadratkilometer große Gelände wurde von der Sowjetarmee 40 Jahre lang als Bombodrom benutzt. Seit 1992 versucht die Bundeswehr dieses Gelände wieder für Manöver zu nutzen. So soll ein Luft-Boden-Schießplatz für Bundeswehr, EU und NATO-Truppen eingerichtet werden, auf dem das Zusammenwirken von Luftwaffe und Bodentruppen geübt werden kann. Doch dagegen regt sich von Anfang an massiver lokaler Widerstand. Unter dem Motto "Nicht hier und nirgendwo" wird für eine friedliche Nutzung der "freien Heide" bzw. des Bombodrom-Geländes gekämpft.

Im Rahmen eines :: Aktionstages am 1. Juni 2007 ist eine Neubesiedelung des Bombenabwurfplatzes geplant. Damit soll einerseits der Widerstand gegen Militarismus - insbesondere jenes der G8 - zum Ausdruck gebracht, andererseits aber auch der Widerstand der Menschen in der Region unterstützt - und Verbindungen über den Gipfelprotest hinaus geknüpft werden.

Die Polizei will laut Information des Bündnis "No War - No G8" die Neubesiedelung des Bombodroms am 1. Juni für ein :: WarmUp nutzen. Die Bundeswehr soll den im Bombodrom arbeitenden Holzfällerfirmen für den Zeitraum vom 24. Mai bis 02. Juni 2007 das :: Arbeiten auf dem Gelände verboten haben. Begründet wird dies damit, dass es wegen der G8-Proteste ein allgemeines Betretungsverbot gäbe, von dem keine Ausnahmen möglich seien. Die Bundeswehr werde dieses Verbot mit Hubschraubern überwachen.

Weitere Informationen dazu auf :: g8andwar.de und auf :: sichelschmiede.org

Für 2. Juni werden Busse organisiert, damit AktivistInnen an den Demonstrationen in :: Schwerin und :: Rostock teilnehmen und danach wieder zurück zum Bombodrom Camp können. Am 3. Juni, dem Landwirtschaftsaktionstag, soll eine Karawane als Massenaktion in Richtung Güstrow/Rostock starten. Entlang der Route sind für 4. Juni Aktionen zum Migrationsaktionstag geplant. Und am 5. bzw. 6. Juni, den :: Aktionstagen gegen Krieg, Militarisierung und Folter, beginnen die Blockaden des Flughafens Rostock Laage, um die Anreise der G8 zu behindern. Dort soll es auch Aktionen mit dem Fahrrad geben. Anschließend wird weiter Richtung Heiligendamm geradelt, wo zahlreiche weitere Protesten gegen die G8 stattfinden.

Siehe dazu die Timeline auf :: gipfelsoli.org.

Weitere Informationen zu den Fahrradkarawanen auf :: g8-bikerides.net

Quelle: Der Bericht "Dancing Down All Borders" erschien zuerst am 20. Mai 2007 auf :: de.indymedia.org, Informationen zu den Fahrradkarawanen von :: g8-bikerides.net, zum Bombodrom von :: g8andwar.de.