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Quellenangabe:
Kreativer Widerstand gegen Abschiebungen und die Lufthansa (deportation-class) auf der Expo... (vom 01.09.2000),
URL: http://no-racism.net/article/222/, besucht am 25.09.2022

[01. Sep 2000]

Kreativer Widerstand gegen Abschiebungen und die Lufthansa (deportation-class) auf der Expo...

Lufthansa-Weltpartnertag auf der Expo
Wahrscheinlich hätten die meisten Besucherinnen schlichtweg die Lufthansa und ihren Partnertag übersehen, hätten sie nicht am Eingang Plastiktüten im Lufthansa-Design in die Hand gedrückt bekommen. daß auf den Plastiktüten eine "deportation class" beworben wurde und sich in den Tüten Kampagnenzeitung, "Sicherheitshinweise", und Flyer befanden, merkten die wenigsten gleich ...

Viel hatte sich der Konzern ja nicht ausgedacht für der "Weltpartnertag" auf der Expo. Kein Programm, keine Werbegeschenke, nicht mal eine Internet-Präsentation auf der offiziellen Expo-seite. Nur ein Hinweis in der expo-Zeitung auf den in Halle 13 stehenden Flugsimulator und darauf, dass es möglich ist, auf der expo Flüge zu buchen und einzuchecken. Selbst unser Lieblingsmotto "Flughöhe Null", das die Lufthansa noch vor ein paar Monaten auf der expo zu präsentieren gedachte (um damit die Zusammenarbeit mit der DB zu würdigen), war inzwischen fallengelassen worden - nichts spektakuläres also mehr.Wahrscheinlich hätten die meisten Besucherinnen schlichtweg die Lufthansa und ihren Partnertag übersehen, Wären sie nicht abends am Eingang von einer Gruppe nett in blau-orange gekleideter Damen und Herren begrüßt worden. Mit freundlichem Lächeln wurden den Besucherinnen Plastiktüten im Lufthansa-Design in die Hand gedrückt mit "Informationsmaterial über die Lufthansa" darin. daß auf den Plastiktüten eine "deportation class" beworben wurde und sich in den Tüten Kampagnenzeitung, "Sicherheitshinweise", eine Presseerklärung des Niedersächsischen Flüchtlingsrates und ein Proasyl-Flyer befanden, merkten die wenigsten gleich - umso erstaunter dürften die meisten daheim beim auspacken gewesen sein. Die Tüten gingen jedenfalls weg wie die warmen Semmeln, schneller, als die kein mensch ist illegal-AktivistInnen mit dem eintüteln nachkamen.

Nach eineinhalb Stunden - ca. 2500 Tüten waren verteilt - kamen endlich zwei Herren von der Lufthansa (die aber mit ihren hellgrün-hellgelb gestreiften Krawatten zu dezent karierten Hemden nicht halb so gut aussahen wie wir). Sie versuchten, uns das Verteilen der Tüten zu verbieten, was ihnen aber mangels Kompetenz nicht gelang und auch den expo-Sicherheitsdienst konnten sie nicht gleich zum Einschreiten überreden.
Anerkennen mußten die Lufthansa-Herren aber doch den Witz und die Professionalität der Aktion. Und dass wir mehr Aufwand betreiben würden für den Partnertag als sie, gab der eine, der aus der Presseabteilung war, unumwunden zu. Geärgert hat es sie trotzdem sichtlich. Eine gefällte Tüte nahmen sie natürlich auch noch mit und wir beendeten schließlich die Aktion, als schließlich doch noch die Polizei auftauchte und etwas von unangemeldeter Versammling faselte und wir vorsorglich das Material in Sicherheit bringen wollten.

Es war eine schöne Aktion mit guter Zusammenarbeit zwischen dem Flüchtlingsrat Niedersachsen und kein mensch ist illegal-AktivistInnen aus Göttingen, Hannover und München.
Tüten für weitere Aktionen gibt es beim Flüchtlingsrat Niedersachsen.