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Quellenangabe:
Ausstellung 'hellwach' nicht ministrabel? (vom 03.11.2007),
URL: http://no-racism.net/article/2335/, besucht am 03.07.2020

[03. Nov 2007]

Ausstellung 'hellwach' nicht ministrabel?

Sondertermin Di, 6.11.07, 18 - 24h und Do, 8.11.07 ab 19h.
Die Ausstellung im Rahmen der internationalen Tagung '10 Jahre österreichisches Gewaltschutzgesetz' wurde nach Fertigstellung vom Innenministerium und Frauenministerium zensuriert.

Das kunstpolitische Projekt "hellwach - bei Gewalt an Frauen" wurde
eingeladen, eine Ausstellung zur internationalen Tagung "10 Jahre
österreichische Gewaltschutzgesetze" im Palais Auersperg vom 5.-7.
November zu gestalten. Der 3-tägige Kongress wird von der Frauenministerin Doris Bures gemeinsam mit Innenminister Günther Platter veranstaltet.
Geplant und durchgeführt wird er von der Interventionsstelle Wien und dem Gewaltschutzzentrum NÖ, die "hellwach" zur Gestaltung einer Ausstellung einluden.

Zwei Werktage vor Kongress-Beginn wurde die Ausstellung bzw. Installation von "hellwach" nun in vollem Umfang vom Frauenministerium abgelehnt, da zwei Arbeiten wie auch die vorgesehene Glückskeks-Installation als "nicht ministrabel" eingestuft wurden. Eine schriftliche Erklärung wurde ebenfalls abgelehnt.

Da für ein kunstpolitisches Projekt das Benennen, Darstellen und
Sichtbarmachen von brisanten Themen (z.B. Vergewaltigung in der Familie, die Abhängigkeit der Migrantinnen von ihrem Ehemann) im Fokus der Arbeit steht, ist es wichtiger Bestandteil, die künstlerischen Statements zum öffentlichen Diskurs zu stellen. - Dies umso mehr, da es sich um "problematische Themen" und in diesem Zusammenhang um kritische, politische und feministische Statements handelt, die als "zu brisant" eingestuft verhindert werden. - Wobei sich hierbei auch die Frage stellt, ob Kunst noch politisch und feministisch sein darf und wie frei KünstlerInnen arbeiten können?

So die sehr kurzfristige Ablehnung keine öffentliche Reflexion wie Diskussion zuläßt, wird die "nicht ministrable Ausstellung" deshalb nicht unkommentiert von der öffentlichen Bildfläche "verschwinden", sondern im nahegelegenen Frauencafé gezeigt und somit dem öffentlichen Diskurs zur Verfügung gestellt.
(Da die Bilder für die große Räumlichkeit im Palais Auersperg anfertigt sind, werden die Arbeiten mittels Beamer projiziert. Zum Versüßen des Abends gibt es die "heisse Ware" - die Glückskekse mit Inhalt.) Die Mitarbeiterinnen der Gruppe "Hellwach" werden vorort für Fragen zur Verfügung stehen.

hellwach ist: eine kunstpolitische Intervention im öffentlichen Raum zum Thema "Gewalt an Frauen" und verortet sich an der Schnittstelle zwischen Kunst, Soziales und Politik. hellwach nutzt den öffentlichen Raum als Aktions-, Ausstellungs- und Präsentations-Ort – sofern man sie lässt!
Derzeit ist hellwach im 16. Bezirk in Wien mit einer breit angelegten
Öffentlichkeits- und Präventionskampagne vertreten.

Di, 6.Nov.07 - 18 - 24 Uhr - www.frauencafe.com
Zusätzlich wird der Ausstellungsstermin auch am Do, 8.11.07 ab 19 gezeigt

Frauencafé Wien
Lange Gasse 11
1080 Wien