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Quellenangabe:
Im Fokus: Menschenrechte für SexarbeiterInnen (vom 06.03.2008),
URL: http://no-racism.net/article/2464/, besucht am 02.07.2020

[06. Mar 2008]

Im Fokus: Menschenrechte für SexarbeiterInnen

Aussendung von LEFÖ zum 8. General Meeting von TAMPEP und Bericht von der Kundgebung "SexarbeiterInnen haben Lust ... auf ihre Rechte" in Wien.

Vom 28. Februar bis 01. März 2008 fand unter der Koordination von LEFÖ ein Treffen von TAMPEP, einem pan-europäisches Netzwerk zu Sexarbeit statt, an dem VertreterInnen aus 25 Ländern teilnahmen. Im Rahmen einer Kundgebung am 1. März 2008 vor dem Parlament in Wien wurden die Forderungen in die Öffentlichkeit getragen, um der Umsetzung von Menschen-, Arbeits- und MigrantInnenrechte für SexarbeiterInnen und der vollen rechtlichen Gleichstellung von SexarbeiterInnen bzw. MigrantInnen in der Sexarbeit Nachdruck zu verleien. Als sichtbares Zeichen wurde die Kundgebung durch rote Regenschirme, dem Symbol für Schönheit und Widerstand, verstärkt.

In einem Audiobeitrag berichten TeilnehmerInnen der Kundgebung und des Meetings über ihre Anliegen, über die derzeitige Diskriminierung von SexarbeiterInnen und über die Kampagne "SexarbeiterInnen haben Lust ... auf ihre Rechte", die mit einer Beteiligung an der FrauenLesbenDemonstration am Samstag, dem 8. März 2008 startet (Treffpunkt 14:00 Uhr Europaplatz, Westbahnhof).

Der Audiobeitrag findet sich auf :: freie-radios.net (:: mp3)


Pressemitteilung von LEFÖ, 03. Mar 2008


Im Fokus stehen Menschenrechte für SexarbeiterInnen
Das pan-europäische Netzwerk TAMPEP hielt sein General Meeting in Wien ab


Vom 28. Februar bis 1. März 2008 fand in Wien das General Meeting des europäischen Netzwerks für SexarbeiterInnenrechte TAMPEP statt. TAMPEP steht für Informations-, Beratungs- und Gesundheitspräventionsarbeit für SexarbeiterInnen und ist ein Interventions- und Forschungsnetzwerk mit Organisationen in 25 europäischen Ländern.

Die Migrantinnenorganisation LEFÖ (Wien) ist seit über 15 Jahren im Bereich der Unterstützungsarbeit für Sexarbeiterinnen tätig und ist die österreichische Partnerin in TAMPEP. Über 60 VertreterInnen von MigrantInnen- und Prostituiertenberatungsstellen, SexarbeiterInnen und andere ExpertInnen aus dem europäischen Raum diskutierten in Wien die aktuellen europäischen Veränderungen und Herausforderungen im Bezug auf Sexarbeit. In ihrem Eröffnungsstatement betonte die Koordinatorin von LEFÖ, Maga Maria Cristina Boidi, die Wichtigkeit gemeinsamen Auftretens gegen die vorherrschende gesellschaftliche Doppelmoral. "Sexarbeit muss als gesellschaftliche Realität anerkannt werden. Dabei müssen diejenigen, die diese Arbeit machen, auch anerkannt und in ihren Rechten unterstützt werden!"

Die Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin der Stadt Wien, Maga Sybille Straubinger, fokussierte in ihrer Rede auf die Wichtigkeit der Netzwerkarbeit auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene: "Die Situation von SexarbeiterInnen ist von Stigmatisierung und Abhängigkeiten gekennzeichnet. Sowohl PolitikerInnen als auch die Gesellschaft sind aufgerufen, dagegen auf zu treten."

Zum Abschluss des 3-tägigen Arbeitsmeetings machten die TeilnehmerInnen bei einer Kundgebung vor dem Parlament laut auf die Umsetzung der Menschen-, Arbeits- und MigrantInnenrechte, die SexarbeiterInnen nach internationalen Übereinkommen zustehen, aufmerksam: "Sex workers rights - now!"


Hintergrund


* LEFÖ Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen | www.lefoe.at
Seit über 20 Jahren arbeitet der Verein LEFÖ für die Rechte von Migrantinnen in Österreich. Seit 15 Jahren existiert ein Arbeitsschwerpunkt zu Migrantinnen, die in der Sexarbeit tätig sind. LEFÖ fordert seitdem Rechte für SexarbeiterInnen abseits von sensationalistischen Clichés oder pauschalen Opferzuschreibungen. Diese Arbeit ist stark stigmatisiert und findet in einer breiten Öffentlichkeit schwer Unterstützung. Besonders die Verbindung von Migration und Prostitution ist ein Bereich, in dem in der öffentlichen Diskussion viele rassistische und sexistische Vorurteile reproduziert werden, und gesetzlich eine rechtlose Situation hergestellt wird.

Die hohe Präsenz von weiblichen Migrantinnen in Westeuropa und die oft ausbeuterische Arbeits- und Lebenssituation, in der sie sich befinden, ist bis heute ein unterbelichteter Aspekt der Verletzung von Menschen- und Frauenrechten und bildet die Grundlage für die Arbeit von LEFÖ. Das Konzept von LEFÖ betont die aktive Partizipation und das Empowerment der Sexarbeiterinnen. Es geht darum, sich für die Rechte der betroffenen Frauen einzusetzen und sie darin zu unterstützen, ihre Rechte selbst einzufordern.

LEFÖ arbeitet seit 1993 für die Rechte von Migrantinnen in der Sexarbeit und ist seit 1995 Partnerin des pan-europäischen Netzwerks TAMPEP.

* TAMPEP: Ein pan-europäisches Netzwerk zu Sexarbeit | www.tampep.eu
TAMPEP wurde 1993 als Antwort auf die Bedürfnisse von migrierten Sexarbeiterinnen in Europa gegründet. Es fördert die Selbstorganisation und Mitbestimmung von Sexarbeiterinnen, basierend auf den Grundsätzen der Gleichheit und der Menschenrechte. Das Projekt setzt sich dafür ein, migrierten Sexarbeiterinnen einen gleichberechtigten Zugang zu Unterstützungsangeboten zu ermöglichen und ihnen Gehör zu verschaffen.

TAMPEP ist ein Forschungs- und Interventionsprojekt mit einem internationalen Netzwerk in 25 europäischen Ländern. Dieser Zusammenschluss ermöglicht es, die Veränderungen in der Migrationsbewegung zu beobachten. Dabei liegt der Fokus auf der Einschätzung der Situation und der Bedürfnisse von weiblichen und transgender Sexarbeiterinnen aus Mittel- und Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika und der Entwicklung adäquater Antworten. Das Projekt erreicht Personen aus mehr als 50 verschiedenen Nationen. Mit 1. Dezember 2007 konnte die TAMPEP-Phase 8 gestartet werden, die bis Ende November 2009 dauern wird.

* Kampagne "SexarbeiterInnen haben Lust... auf ihre Rechte!" | www.lustaufrechte.at
Vom 8. März (Internationaler Frauentag) bis zum 2. Juni (Internationaler Hurentag) führt LEFÖ die bundesweite Kampagne "SexarbeiterInnen haben Lust... auf ihre Rechte!" 2008 durch, um - mit großer Unterstützung aus fast allen Bundesländern - öffentlich für die Rechte von SexarbeiterInnen aufzutreten. 2008 wird die Kampagne begleitend zur Fußball-EM bis Ende Juni verlängert. Mehr Information und Programm demnächst auf www.lustaufrechte.at.


LEFÖ Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen
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1050 Wien, Austria
tel: +43.1.581 18 81
fax: +43.1.581 18 82
mail: info (at) lefoe.at