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Quellenangabe:
Hungerstreik im Internierungszentrum Aluche (vom 10.04.2008),
URL: http://no-racism.net/article/2509/, besucht am 23.10.2019

[10. Apr 2008]

Hungerstreik im Internierungszentrum Aluche

Im Internierungs- zentrum für AusländerInnen Aluche in Madrid traten inhaftierte Frauen in einen Hungerstreik und solidarisierten sich so mit ihren Compañeros, die am vergangen Montag, den 07. April 2008 in der Männerabteilung des Zentrums einen Hungerstreik begonnen haben.

In einer telefonischen Unterredung mit Aktivistinnen des Netzwerks ferrocarril, das auf der Website :: rompamoselsilencio.net als Audiofile abgerufen werden kann, kündigte einer der inhaftierten Männer an: "Niemand wird den Speisesaal betreten; wir sind alle zusammen, auch die Frauen, im Hungerstreik." Weiters berichtete er in diesem Gespräch, dem einige JournalistInnen beiwohnten, dass "die Polizei uns einschüchtern will; sie haben uns gesagt, dass wir gezwungen sind zu essen - und falls wir dem nicht Folge leisten, werden sie das Sondereinsatzkommando rufen."

Diese Unterhaltung fand im Anschluss an die Pressekonferenz statt, an der rund 20 Medien teilnahmen.

Den Erzählungen der Inhaftierten sowie deren Familienangehörigen zufolge wurden sie von der Polizei gezwungen, den Speisesaal zu betreten. Obwohl sie sich an die Tische setzen, verweigerten viele weiterhin das Essen.

"Am nächsten Tag riefen sie das Sondereinsatzkommando, aber wir verhalten uns ruhig, wir machen keinen Krawall, wir machen gar nichts!"

Dem Unterstützungsnetzwerk für MigrantInnen Ferrocarril Clandestino zufolge ist "der Hungerstreik ein Grundrecht von MigrantInnen, das nur ihre physische Verfassung betrifft und ihre eigene Wahl ist; der Hungerstreik ist eine wichtige, gewaltlose und von den spanischen Gesetzen anerkannte Form des Kampfs. Die Reaktion der Direktion des Internierungszentrums erscheint uns unverhältnismäßig: Sie ruft das Sondereinsatzkommando als Antwort auf einen absolut friedlichen Protest."

Die von verschiedenen Medien transportierte offizielle Version ist, dass nur zwei Personen in Hungerstreik traten. Demgegenüber berichteten verschiedene Inhaftierte, dass sich Morgen des 9. April 2008 dreißig Personen im Hungerstreik befanden und sich nun auch alle Frauen und noch mehr Männer angeschlossen haben.


Chronik der Pressekonferenz


In der am Mittwoch, den 9. April 2008 um 12 Uhr mittags in der Nähe des Internierungszentrums Aluche abgehaltenen Pressekonferenz, wurde der Aufruf zu einer Demonstration verlesen, die am 12. April um 18.00 mit dem Thema "Schließen wir die europäischen Guantánamos" stattfinden wird. Es waren ungefähr zwanzig Medien (Presse, Radio und Fernsehen) anwesend.

Die zur Demonstration Aufrufenden, begleitet von zwei Familienangehörigen der inhaftierten Hungerstreikenden, sprachen von der Hilflosigkeit, die die Inhaftierung in einem dieser Internierungszentren mit sich bringt, sowie von den menschenunwürdigen Bedingungen, in denen sich diese MigrantInnen befinden (mangelnde medizinische Betreuung, Kälte, keine Heizung, Decken oder Betten), den kriminalisierenden Politiken der Regierungen, die die Abschiebung von MigrantInnen anordnen, welche in Spanien bereits soziale Netze aufgebaut haben, den Fällen von Misshandlungen, sexuellem Missbrauch in den Frauenabteilungen sowie von der niederschmetternden Behandlung der Opfer, die sich in einer Situation befinden, in der sie die Vorfälle nicht zur Anzeige bringen können.

Die an der Demonstrationsvorbereitung beteiligten Organisationen kritisieren außerdem das gesetzliche Handeln, das administrative Fehler mit Freiheitsentzug bestraft. Sie thematisierten auch das schwerwiegende Missverhältnis der Bestrafung durch Freiheitsentzug von Personen, deren einziges Verbrechen es ist, an einem Ort leben zu wollen, an dem sie nicht geboren sind.

Dennoch betrachtet die öffentliche Verwaltung diese Zentren nicht als Gefängnisse. Die aufrufenden Organisationen brachten jedoch zum Ausdruck, dass die Behandlung sogar noch schlimmer sei als in Gefängnissen und dass Willkür und fehlende Kontrollmechanismen für diese Zentren, die Internierungszentren in "juristische Randgebiete" bzw. "Guantánamos" verwandle. Zugleich betonten sie die Notwendigkeit, der Gesellschaft die Existenz dieser Internierungszentren sowie die schwerwiegenden Rechtsverletzungen bekannt zu machen, die MigrantInnen in "Nicht-BürgerInnen" verwandeln. Daher fordern sie Aufmerksamkeit für die Zeugnisse seitens der Inhaftierten sowie Anwesenheit und Unterstützung für die für Samstag, 12.4.2008 um 18.00 angekündigte Demonstration.

Quelle :: transfronterizo.at.rezo.net