no-racism.net Druckversion

Quellenangabe:
Flucht aus der Schubhaft (vom 26.02.2010),
URL: http://no-racism.net/article/3273/, besucht am 28.01.2023

[26. Feb 2010]

Flucht aus der Schubhaft

Eine günstige Gelegenheit nutzten zwei Schubhäftlinge in Villach: Ein Beamter hatte einen Schlüssel stecken lassen und somit einen Weg in die Freiheit eröffnet.

Viel zu selten sind Meldungen über die Flucht aus der Schubhaft zu lesen. Um so wichtiger ist es, darauf hinzuweisen: Schubhaft ist eine willkürliche und rassistische Maßnahme zur Internierung von Menschen. Sie wird ohne richterlichen Beschluss von der Polizei verhängt und in Schubhaft gibt es nur wenige Möglichkeiten dagegen Einspruch zu erheben. Vielen bleibt lediglich die Möglichkeit eines Hungerstreiks oder der Selbstverstümmelung. Kein Wunder, dass jedes Jahr mehrere Menschen in Schubhaft sich ergebende Gelegenheiten ergreifen, um die Freiheit zu erlangen.

Die Kleine Zeitung vom 24. Februar 2010 sreibt dazu: "Aufregung bei der Polizei: Ein Beamter hat im Polizeianhaltezentrum Villach den Schlüssel an einer Zellentür stecken gelassen. Ein Syrer (23) und ein Georgier (33) nutzten die Gunst der Stunde und flüchteten. Die Panne passierte in der Nacht auf Montag. Als die beiden Schubhäftlinge bemerkten, dass der Schlüssel an der Zellentür hing, nahmen sie diesen an sich und versteckten ihn. Nach dem Abendessen warteten sie auf eine günstige Gelegenheit, um durch die seitliche Außentür aus dem Gebäude zu flüchten. Dann öffneten sie ein Zauntor und liefen in die Stadt - ein offenbar leichtes Unterfangen. Den Schlüssel warfen sie in der Nähe des Polizeigefängnisses in den Schnee. Dort wurde er gestern gefunden."

Leider, so ist aus der Zeitung zu erfahren, wurde einer der Flüchtigen kurze Zeit später in Tarvis, Italien, aufgegriffen und wieder nach Villach überstellt. Der zweite Entkommene ist jedoch weiter in Freiheit.

In der Kleine Zeitung wird von weiteren "Polizeipannen" in Kärnten berichtet, in deren Folge Menschen flüchten konnten - leider wurden einige von ihnen wieder gefasst:'.

So konnten bereits einmal zwei Häftlinge fliehen, weil ein Polizist bei seinem letzten Kontrollgang den Schlüssel zu einer der Arrestzellen der Polizeiinspektion Arnoldstein stecken ließ. Das Landespolizeikommando bezeichnete die gelungene Flucht als "menschliche Fehlleistung".

Im Jahr 2004 durchsägten vier Gefangene das Gitter ihrer Zelle im Klagenfurter Polizeianhaltezentrum und seilten sich mit Tüchern ab. Dann liefen sie über das Dach und kletterten über die rund vier Meter hohe Außenmauer.

Im Juli 2002 flüchteten vier Schubhäftlingen am helllichten Tag aus dem Polizeigefangenenhaus in Villach, drei wurden jedoch im Zuge einer Großfahndung wieder gefasst und blieb verschwunden.

Diese Fälle sind alle aus dem Bundesland Kärnten. Laut Statistiken den Innenministeriums gelingt jährlich mehreren Menschen die Flucht aus der Schubhaft in Österreich. Doch nicht nur hierzulande fliehen Menschen. Wir wünschen ein gutes Gelingen und dass die Flucht von Dauer ist.