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Quellenangabe:
Bericht von Lamin J.'s Deportation (vom 31.05.2011),
URL: http://no-racism.net/article/3824/, besucht am 26.06.2019

[31. May 2011]

Bericht von Lamin J.'s Deportation

Auch wenn sich hunderte Menschen für Lamin J. einsetzten wurde er am Samstag, 28.05.2011, gegen 7 Uhr früh deportiert. Zwei Aktivist_innen schafften es noch bis ins Flugzeug, wurden aber festgenommen und konnten die Abschiebung nicht verhindern.

Lamin J. kam vor rund vier Jahren als UMF (unbegleiteter minderjähriger Flüchtling) nach Österreich. Nichtsdestotrotz fielen sein Asylantrag und der Antrag auf Niederlassungsbewilligung negativ aus. Am 10. Mai 2011 sollte seine Abschiebung nach Gambia stattfinden. Daraufhin zeigten sich zahlreiche Aktivist_innen solidarisch, traten entschlossen für ihn ein und konnten mittels Sitzblockaden die Abschiebung verhindern.

Am 27.Mai 2011 wurde er schließlich erneut festgenommen und direkt nach Wien-Schwechat zum Flughafen überstellt.

Um diese Information nicht nur via Internet zu verbreiten, sondern auch auf die Straßen zu tragen, kamen abends beim Wiener Stadtfest der ÖVP an die 60 Aktivist_innen zusammen und hielten am Heldenplatz eine Kundgebung für die Freilassung von Lamin und für generelle Bleibe- und Bewegungsfreiheit ab.

Zur Situation am 28.05.2011 am Flughafen:

Bereits mit den ersten S-Bahnen (gegen 5 Uhr früh) erreichten an die 25 Aktivist_innen den Flughafen. Ohne großes Aufsehen zu erregen wurden vor allem am Check-In-Bereich der Brussels Airlines Flugzettel verteilt. Die Passagier_innen wurden über die Abschiebung und Lamin J.´s Situation informiert. Zwei Aktivist_innen gelangten mit Flugtickets in die Maschine, in der sie bereits Lamin J. vorfanden. Einige wenige Worte konnten zwischen ihm und einer Aktivistin gewechselt werden, ehe die drei Fremdenpolizisten jeglichen weiteren Austausch unterbanden. Daraufhin wurden die Fluggäst_innen nochmals auf die Situation und mögliche Handlungs- bzw. Vorgehensweisen aufmerksam gemacht. Dieser lautstarke Versuch, die Abschiebung zu verhindern, stieß jedoch auf Ignoranz:
Die Piloten gaben mit einem verstohlenen Grinsen ihren Gleichmut preis und meinten, sie würden nur ohne Verzögerungen nach Brüssel fliegen wollen. In der Zwischenzeit brach Lamin J. in Tränen aus und schrie. Als Reaktion darauf setzten sich einige Passagier_innen Kopfhörer auf und widmeten sich ihren Zeitungen. Einzig eine Person empörte sich: Sie würde sich durch die Anwesenheit von Lamin unwohl fühlen - er sei ja offensichtlich ein Krimineller. Einer der drei Fremdenpolizisten, die Lamin J. ins Flugzeug brachten, meinte, er solle sich doch freuen, wieder in das "schöne Urlaubsland" Gambia reisen zu dürfen.

Als die zwei Aktivist_innen gerade in Erwägung zogen, mit nach Brüssel zu fliegen, kamen weitere Polizisten, zerrten sie aus der Maschine und nahmen sie fest. Wenige Minuten später startete das Flugzeug. Die zwei Aktivist_innen wurden kurz darauf wieder freigelassen. Die Abschiebung von Lamin J. konnte diesmal nicht verhindert werden.


Vorgeschichte unter:

http://at.indymedia.org/node/20392