no-racism.net Druckversion

Quellenangabe:
Nur für Stammgäste (vom 30.05.2012),
URL: http://no-racism.net/article/4109/, besucht am 17.07.2024

[30. May 2012]

Nur für Stammgäste

Das letzte ZARA-Lokal-Testing bestätigt rassistische Einlasspolitik in Wiener Clubs - Rassismus an der Tür ist im nightlife keine Seltenheit. "Stammgast" ist, wer weiß ist, und darf rein.

Zwei von insgesamt sieben Wiener Clubs sind am vergangenen Samstag beim von :: ZARA - Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit durchgeführten Lokal-Testing durchgefallen. Dabei wurde von einem Lokal beiden Testern mit nicht- "österreichischem" Aussehen der Einlass verweigert, beim zweiten "positiv" getesteten Lokal der "türkisch" aussehenden Testperson. Begründet wurden die Einlassverweigerungen von den Türstehern des einen Lokals mit dem Hinweis "nur für Stammgäste" - die weiße Testperson war allerdings auch kein Stammgast und wurde ungefragt hineingelassen, womit diese Begründung eindeutig auf eine rassistische Motivation hinweist. Im zweiten Lokal wurde der Tester, dessen Eltern aus der Türkei kommen, nach einer längeren Wartezeit nicht eingelassen und gebeten, doch unter der Woche mal wiederzukommen, "da können wir uns kennenlernen". In einer anschließenden Konfrontation zeigte sich der Türsteher über den Vorwurf der rassistischen Diskriminierung empört. Er würde sich die Gäste genau anschauen und dann entscheiden, wer "einen freundlichen Eindruck mache und zum Lokal passe" und wer nicht.

Die von ZARA angewandte Testing-Methode ist wissenschaftlich anerkannt und wurde ursprünglich von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung dezidiert dazu entwickelt, Diskriminierungen aufzuzeigen und damit Segregation entgegenzuwirken. Die Methode sieht vor, dass sich die Testpersonen nur durch ein einziges Diskriminierungsmerkmal unterscheiden, um andere Motivationen auszuschließen. Demnach waren alle sechs Testpersonen am Samstag männlich, in derselben Altersgruppe, deutschsprachig und einem Clubbesuch angemessen gekleidet. Unterschieden haben sie sich lediglich durch ihre anhand ihres Äußeren erkennbare ethnische Herkunft.

Diskriminierungen aufgrund der ethnischen Herkunft sind nach dem österreichischen Gleichbehandlungsgesetz im Bereich des Zugangs zu Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, verboten. Bei Verstößen kann Schadenersatz, auch für die erlittene persönliche Beeinträchtigung, eingeklagt werden.

ZARA - Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit fordert alle LokalbetreiberInnen auf, ihre Einlasspolitik auf mögliche rassistische Motive hin zu überprüfen und Diskriminierungen zu unterlassen. Türpersonal sollte über die geltende Rechtslage informiert werden und Personen nicht allein aufgrund ihrer (vermeintlichen) Herkunft vom Lokalbesuch ausschließen. Begründungen wie "wenn's Ärger gibt, dann sind zu 70-80% Personen mit Migrationshintergrund daran beteiligt" sind als Pauschalbegründung rechtswidrig und weisen lediglich auf den allgemein vorurteilsbehafteten Umgang mit Personen (angenommener) nicht österreichischer Herkunft hin. Solche Argumente sind unzulässig und rechtlich nicht anwendbar - die Zuschreibung von Eigenschaften und/oder Handlungsweisen zu einer ethnischen Gruppe ist rassistisch.

Hintergrund:

Der ZARA-Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen von Rassismus werden seit seiner Gründung 1999 kontinuierlich Fälle von rassistischer Einlasspolitik gemeldet. Besonders betroffen davon sind junge Männer, die aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit draußen bleiben müssen. Alle von ZARA getesteten Lokale wurden bereits mehrfach wegen Einlassverweigerung gemeldet bzw. in weiterer Folge zum Teil auch angezeigt.

Mit dem Lokal-Testing am vergangenen Samstag hat sich ZARA als Mitglied an der European testing night beteiligt, die die europäische Anti-Rassismus-Bewegung EGAM initiiert hatte. Dabei haben zeitgleich in sechs Ländern Lokal-Testings stattgefunden, mit dem Ergebnis, dass bei jedem vierten getesteten Lokal rassistische Einlassverweigerungen festgestellt wurden. An der Testing-Aktion haben sich außer Österreich Frankreich, Italien, Norwegen, Rumänien und Serbien beteiligt.

Presseaussendung ZARA - Wien, 29. Mai 2012 - http://www.zara.or.at/index.php/archiv/6292
Rückfragehinweis: ZARA Presse presse (at) zara.or.at