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Quellenangabe:
Bericht von der antirassistischen Demo in Wien anlässlich des Todes von Seibane Wague (vom 26.07.2003),
URL: http://no-racism.net/article/446/, besucht am 17.06.2024

[26. Jul 2003]

Bericht von der antirassistischen Demo in Wien anlässlich des Todes von Seibane Wague

3000 - 4000 Menschen beteiligten sich an der Demo in Gedenken an Seibane Wague.

Aus Anlass des Todes von Seibane Wague in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2003 nach einem Einsatz von Polizei und Rettung beim Afrika-Kulturdorf im Wiener Stadtpark sowie eines darauf folgenden Brandanschlags auf eine dort errichtete Seibane-Gedenkstätte demonstrierten tausende Menschen vom Wiener Westbahnhof über das Innenministerium zum Afrika-Kulturdorf.

Motto der Demo: Gegen den institutionellen Rassimus

folgende Forderungen wurden gestellt:
- Klärung der strafrechtlichen Konsequenzen aller Verantwortlichen
- Vollständige Veröffentlichung des Obduktionsberichtes
- sofortiger Rücktritt des Innenministers
- ein wirksames Antidiskriminierungsgesetz

Kurz vor 18 Uhr zogen ca. 3000 - 4000 Menschen vom Westbahnhof los. Beim Innenministerium in der Herrengasse kletterte ein Demonstrant auf den Balkon und brachte ein Plakat "Stop Rassismus" an. Nachdem dieses bald wieder runtergefallen war, sorgten zwei weitere kletternde Demonstranten für eine dauerhaftere Befestigung auf der schwarzen Fahne am Balkon. Die Polizei schritt nicht ein.

Auch ansonsten hielt sich die Polizei weitgehend zurück und verhielt sich friedlich und kooperativ. Zumindest ein Sicherheitswachebeamter war hingegen auffallend aggressiv: So berichtete ein Reporter von Radio Orange 94.00, dass dieser Beamte in der Strauchgasse einen vorbeigehenden Demonstranten ohne Vorwarnung mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe. Der erschrockene Demonstrant flüchtete erfolgreich. Der Beamte verweigerte die Bekanntgabe seiner Dienstnummer.
Nach Zwischenkundgebungen vor dem Innenministerium und am Stock-im-Eisen-Platz endete nach 21 Uhr die Demo am Heumarkt beim Stadtpark in der Nähe jenes Platzes, an dem Seibane Wague zu Tode behandelt worden war, mit Gedenken, Protest und Tanz.
Zur Zentrale der Wiener Rettung - dem ursprünglichen Endpunkt der Demo - wurde nicht mehr weiter gezogen.

Viele AfrikanerInnen beteiligten sich an der Demonstration. Sie verliehen mit zahlreichen Transparenten und Reden ihrem Unmut über rassistische Übergriffe in Österreich Ausdruck. Beim Stadtpark wurden eine Gedenkminute und zahlreiche Reden zum Gedenken an Seibane Wague abgehalten.

Die Demo wurde von der Plattform "Gerechtigkeit für Seibani Wague" organisiert.
Unterstützende Organisationen: Demokratische Offensive, SOS Mitmensch, Österreichische Liga für Menschenrechte, ZARA, Asylkoordination Österreich, WUK, Linkswende, Österreichische HochschülerInnenschaft, ÖH-Uni Wien, Kommunistischer StudentInnen Verband, KPÖ, Seedcamp, Artkern, Kulturverein Kanafani, GEMMI, die Bunten, Augustin, VolxTheaterKarawane, Plattform für eine Welt ohne Rassismus, Republikanischer Club, die Wiener Grünen, Asyl in Not

(Quellen: TATblatt, Plattform Gerechtigkeit für Seibane Wague)