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Quellenangabe:
Demo: Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung (vom 03.02.2015),
URL: http://no-racism.net/article/4700/, besucht am 23.01.2020

[03. Feb 2015]

Demo: Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung

Demonstration für die Aufnahme frauen- spezifischer Fluchtgründe in die Genfer Flüchtlings- konvention und ins österreichische Asylgesetz! Freitag, 06. Februar 2015, Treffpunkt: 17 Uhr, Parlament, 1010 Wien. dt/engl.

Aufruf der Initiative Frauen auf der Flucht (dt/engl)


Auf der Demo möchten Frauen* im vorderen Teil sichtbar sein, Männer* sind willkommen und mögen aber bitte im hinteren Teil der Demo gehen!

Please respect that the front of the demonstration shall be women* only, men* are therefore welcome to join at the end of the demonstration!



Demonstration:
Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung
No Tolerance to FGM!

Freitag, 06. Februar 2015
17 Uhr, Parlament, 1010 Wien

Für die Aufnahme frauenspezifischer Fluchtgründe in die Genfer
Flüchtlingskonvention und ins österreichische Asylgesetz!

anschließend Kurzfilm und Diskussion
im Amerlinghaus, Stiftgasse 8, 1070 Wien



Anlässlich des Internationalen Tages gegen weibliche Genitalverstümmellung (FGM) starten wir eine Kampagne, mit dem Ziel, frauenspezifische Fluchtgründe ausdrücklich als Gesetztestext in die Genfer Flüchtlingskonvention (GF) zu bringen. Diese muss daher auch für den österreichischen Staat verpflichtend sein. Die GF ist stark an den Fluchtgründen von Männern orientiert. 1948 wurde die Gleichberechtigung der Geschlechter zwar menschenrechtlich verankert, die frauen- bzw. geschlechtsspezifische Verfolgung wurde als asylerhebliches Merkmal in der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 nicht berücksichtigt.

Frauen fliehen aus den selben Gründen wie Männer vor Armut, Krieg, Folter, Hunger, mangelnder Bildung und medizinischer Versorgung. Darüber hinaus sind sie Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, die nur sie als Frauen betreffen wie Genitalverstümmelung, Zwangsprostitution, Zwangsverheiratung, Steinigung, Witwenverbrennung, Vergewaltigung, häusliche Gewalt, Mädchen- und Frauenmorde innerhalb der Familie, Frauenhandel, die Verweigerung bzw. der Nicht-Zugang zu Bildung usw.

Diese frauenspezifischen Menschenrechtsverletzungen sind in vielen Ländern nicht dezidiert als Fluchtgründe anerkannt, da bis in die frühen 90er-Jahre das Thema Gewalt gegen Frauen ausschließlich unter dem Diskriminierungsaspekt und nicht als Menschenrechtsfrage behandelt wurde.

Als erster Schritt in Richtung Anerkennung frauenspezifischer Fluchtgründe gelten die Resolutionen des Europäischen Parlaments sowie des UNHCR aus den 80er-Jahren. Diese empfehlen den Staaten, weibliche Asylsuchende, die harte oder unmenschliche Bedingungen zu erwarten haben, weil sie gegen soziale Normen verstoßen haben, als eine besondere soziale Gruppe im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention zu betrachten. Die europäischen Staaten sollten im Sinne ihrer Souveränität darüber eigenständig entscheiden können (Artikel 1 A(2) der Flüchtlingskonvention). Frauen fallen also nur als soziale Gruppe unter den Flüchtlingsbegriff der GF. In Österreich verfügt das Asylgesetz nur über den § 20, welcher besagt, dass Asylwerber_innen, die ihre Verfolgung mit Eingriffen in ihre sexuelle Selbstbestimmung begründen, von einer Person desselben Geschlechts einzuvernehmen sind. Darüber hinaus müssen die Asylwerber_innen ausdrücklich über diese Möglichkeit informiert werden.

In der Realität wird dieser Paragraph aber kaum angewandt, meist sogar abgelehnt. Für Frauen, die aus Gesellschaften kommen, in denen die Interaktion mit Männern nicht zum Alltäglichen zählt, ist es umso traumatisierender, ihre Erlebnisse einem Mann zu schildern. Frauen hören auf dem Weg nach Europa vor allem die Geschichten von Männern und bekommen von ihnen Hinweise, was sie bei der Erstbefragung erzählen sollen. Sie wissen nichts über ihre Rechte und erzählen bei der Erstbefragung fast nie etwas über ihre persönlichen, geschlechtsspezifischen Fluchtgründe. Wir fordern, dass Frauen im Vorhinein über ihre Rechte aufgeklärt werden und jede Einvernahme, Untersuchung und Übersetzung von Frauen durchgeführt werden muss. Eine Anerkennung frauenspezifischer Fluchtgründe erfolgt in Österreich fast immer erst ab der zweiten Instanz. Eine explizite gesetzliche Nennung würde die Verfahren für Frauen extrem erleichtern.

Nicht nur die rechtliche Situation von geflüchteten Frauen in Österreich ist dramatisch, sondern auch die Art und Weise ihrer Unterbringung desaströs. In den Lagern sind sie in einem hohen Maße sexueller Gewalt und Belästigung durch männliche Geflüchtete oder das Heimpersonal ausgesetzt. Es gibt keine getrennten Unterkünfte, keine Rückzugsorte für Frauen und meist keine eigenen Sanitäranlagen. Auch gibt es kaum psychologische Betreuung für die traumatisierten Frauen. Obwohl sich viele Frauen gegen diese Situation auflehnen und Beschwerde einbringen, unternimmt das Heimpersonal in den meisten Fällen nichts. Geflüchtete Frauen und Frauen von hier müssen gemeinsam für ihre Befreiung kämpfen. Wir haben die selben Ziele.

Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung - Frauenrechte sind Menschenrechte!

Fight fortress Europe!
Smash patriarchy worldwide!

Unsere Forderungen:
- Frauenspezifische Flüchtgründe müssen ausdrücklich in der Genfer
Flüchtlingskonvention und im österreichischen Asylgesetz verankert werden!
- Praktische Umsetzung der Gesetze!
- Vernehmerinnen und Dolmetscherinnen für Frauen
- Abschiebestopp!
- Frauen und Kinder raus aus den Lagern
- Wir fordern geschützte Räume für Frauen und Kinder


Kontakt:
initiative-frauen-auf-der-flucht (at) riseup.net


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--- english ---

Demonstration:
International Day against female geintal mutilation
No tolerance to FGM!

For the acknowledgment of womenspecific reasons to escape within the
geneva convention and the austrian law!

afterwards short movie and discussions
at Amerlinghaus, Stiftgasse 8, 1070 Wien


On February 6th, the International Day against Female Genital Mutilation (FGM), we want to start a campaign aiming at the explicit inclusion of womenspecific reasons of escape within the Geneva Convention, to which the austrian state has to comply. The Geneva Convention (GC) is mainly directed at reason to escape for men. Equality between the sexes had been statuted as human right in 1948, but female- and genderspecific persecution was not considered a relevant feature of asylum seekers within the Geneva Convention of 1951.

Women escape for the same reasons as men: poverty, war, torture, hunger, lack of education or medical care. Beside that, women are threatened of human rights violation which they only face for their gender identity, like genital mutilation, forced prostitution, forced marriage, stoning, suttee, rape, domestic violence, femicide within families, trafficking in women, rejection or inaccessability of education and others.

These women specific human right violations are not decidely acknowledged as reasons of escape, since violence against women was treated only as discrimination and not as human right violation. The resultions of the European Parlament and UNHCR in the 1980ies are considered to be the first steps toward acknowledgement of womenspecific reasons of escape. They suggest to consider asylum seeking women, who face hard or inhumane condition for not complying with social norms, to be a special social group as described in the Geneva Convention. On this behalf the european states should decide as sovereigns (Artikel 1 A(2) Geneva Convention). Therefore women are only included as belonging to a social group within the Geneva Convention. In Austria there is only § 20 declaring asylumseekers shall be interviewed by a person of the same sexe, when they announce their sexual self-determination as reason for persecution. Further, asylum seekers must be informed about that possibility. In reality this paragraph is not applied, but quite often rejected. For women coming from societies that deem interaction with men uncommon, it is traumatizing to explain their experiences in front of a man. On their way to Europe women mainly get to know stories about the asylum procedure experienced by men. They know nothing about their rights, and therefore almost never talk about their personal, genderspecific reasons to escape.

We demand that women must be informed about their rights before the asylum procedure and every interview starts, and that every interview and translation has to be made by women. The acknowledgement of womenspecific reasons of escape is currently mostly made by second instance. An explicit paragraph would extremely improve the procedure for women.

But it is not only the legal situation which is worse, as well the living condition and accomodation women have to face are very bad. In the lager they are exposed to sexual violence and harassment by escaped men and lager staff. There are often no separate rooms, no place of retreat and no separate sanitary facilities. Eventhough a lot of women confront this situation and complain, the staff is not responding to most of the cases.

Refugee women and women from europe have to fight together for their liberation. We have the same goals.

Violence against women is a human right violation - Women rights are human rights!

Fight fortress Europe!
Smash patriarchy worldwide!

Our demands:
- Women specific reasons of escape need to be explicitly included in the Geneva Constitution and the Austrian law
- ... and these laws need to be practically applied!
- female interviewers and translators for women
- End of deportation!
- Women and children out of lager!
- Women and children need safe spaces.


contact:
initiative-frauen-auf-der-flucht (at) riseup.net