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Quellenangabe:
Rabat: Rasthaus für Migrantinnen und ihre Kinder (vom 08.05.2015),
URL: http://no-racism.net/article/4735/, besucht am 08.12.2019

[08. May 2015]

Rabat: Rasthaus für Migrantinnen und ihre Kinder

Anfang Februar 2015 hat das transnationale Netzwerk Afrique- Europe- Interact in Rabat ein Rasthaus für Migrantinnen eröffnet, die gerade in Marokko angekommen sind (was meist bedeutet dass sie erst vor kurzem die anstrengende Reise durch die Wüste hinter sich gebracht haben).

Das Projekt ist von einigen Spenderinnen angestoßen worden, die dem Netzwerk mit der ausdrücklichen Bitte Geld überwiesen haben, Migrantinnen in Marokko zu unterstützen. Aufhänger war dabei das Buch von Emmanuel Mbolela, der in seinem von Afrique-Europe-Interact herausgegebenen Buch "Mein Weg vom Kongo nach Europa. Zwischen Widerstand, Flucht und Asyl" unter anderem die schwierige, häufig von massiver sexualisierter Gewalt begleitete Situation von Frauen auf den Flucht- und Migrationsrouten beschreibt.

Für die Unterhaltung des Hauses sind mindestens 750 Euro pro Monat erforderlich - deshalb werden dringend (steuerlich absetzbare) Einzel- oder Dauerspenden gesucht.


Rasthaus-ABC: Zur Organisation und Verwaltung des Rasthauses in Rabat


Anfang Februar 2015 hat Afrique-Europe-Interact eine erste Rasthaus-Wohnung in Rabat angemietet - der Hauptstadt Marokkos im Westen des Landes. Die Wohnung befindet sich in einem dreistöckigen Mietshaus. Es gibt keinerlei Hinweisschilder auf Afrique-Europe-Interact oder das Rasthaus, der Besitzer wohnt ebenfalls nicht vor Ort. Beides ist aus Sicherheitsgründen unabdingbar, denn immer wieder führt die Polizei Razzien bei Flüchtlingen und Migrant_innen ohne offiziellen Aufenthaltstitel durch, zudem nutzen Wohnungsbesitzer_innen deren prekäre Situation häufig dazu aus, um auf die eine oder andere Weise erpresserischen Druck auszuüben.

Die Wohnung besteht aus drei Zimmern, einer Küche und einem Bad - sie wurde komplett neu eingerichtet, überwiegend mit Secondhand-Möbeln. Insgesamt können mindestens sieben Frauen unterkommen, mit Kindern bis zu zehn Personen. Grundsätzlich sind Migrantinnen jeder Nationalität willkommen, wobei sich das Angebot in erster Linie an Frauen aus Subsahara-Afrika richtet - nicht zuletzt im Lichte des spezifischen Rassismus gegenüber Schwarzen in Nordafrika.

Ebenfalls wichtig ist der Umstand, dass es sich um neu in Marokko angekommene Frauen handelt. Denn auch wenn Obdachlosigkeit ein weit verbreitetes Phänomen unter sämtlichen Migrant_innen darstellt, sind die gerade erst angekommene Frauen in einer doppelt prekären Lage: Zum einen, weil sie noch vergleichsweise wenig Kontakte haben, um sich selber helfen bzw. orientieren zu können, zum anderen, weil der Erholungsbedarf nach der extrem strapaziösen Reise durch die Wüste besonders hoch ist - auch bei den Kindern. Ursprünglich war eine Aufenthaltsdauer von bis zu zwei Monaten vorgesehen. Da der Andrang jedoch von Anfang an extrem groß war, wurde die Regelaufenthaltszeit zunächst einmal auf zwei Wochen für Frauen und ihre Kinder, auf 4 Wochen für alleinreisende Mädchen und auf 3 Monate für Frauen mit Neugeborenen begrenzt.

Die Frauen müssen bei Einzug einen Vertrag unterschreiben, in dem sie sich verpflichten, die Wohnung nach dem vereinbarten Zeitraum wieder zu verlassen - zu den Regeln gehört auch, dass keine Männer in der Wohnung empfangen werden dürfen. Die Unterkunft ist umsonst, hinzu kommen die Zutaten für eine gemeinsam zubereitete Mahlzeit pro Tag, die ebenfalls umsonst zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus ist ein Telefon für dringende Anrufe verfügbar, außerdem gibt es ein kleines Notfallbudget für ärztliche, vor allem gynäkologische Behandlungen. Um die Frauen möglichst umfassend unterstützen zu können, hat Afrique-Europe-Interact gleich zu Beginn Kontakt zu mehreren NGOs, Ärzt_innen, selbstorganisierten Migrant_innen-Organisationen und einem Krankenhaus hergestellt. Auf diese Weise soll gewährleistet sein, dass insbesondere bei medizinischen Notfällen eine Behandlung erfolgen kann.

Trägerin des Projekts ist Afrique-Europe-Interact, wobei die Spenden von dem Verein Globale Gerechtigkeit e.V. in Empfang genommen werden, der im Rahmen unseres transnationalen Netzwerks für das Spendenwesen zuständig ist. Für die Verwaltung des Rasthauses wurde eine aus Subsahara-Afrika stammende Migrantin ausgewählt, die schon lange in Marokko lebt und die mit Afrique-Europe-Interact in enger Verbindung steht. Sie wohnt im gleichen Quartier und erhält für ihre Arbeit 150 Euro pro Monat, wozu auch eine niedrigschwellige alltägliche Unterstützung der Bewohnerinnen und ihrer Kinder gehört. Darüber hinaus wurde ein Unterstützungskomitee aus zwei Frauen und zwei Männern gebildet, das zum einen für grundsätzliche Fragen sowie den Mietvertrag verantwortlich ist. Zum anderen können sich die Bewohnerinnen des Rasthauses im Falle von schwerwiegenden Problemen direkt an dieses Komitee wenden.

Schließlich zu den Kosten: Insgesamt erfordert das Rasthaus pro Monat 750 Euro - inklusive Essen, Telefon und Hygienartikel. Doch dies ist extrem knapp kalkuliert, das wurde bereits anlässlich einer Geburt von Zwillingen im März 2015 deutlich. Vor diesem Hintergrund soll die monatlich verfügbare Summe schrittweise auf mindestens 900 Euro erhöht werden, zudem ist mittelfristig die Anmietung einer zweiten Wohnung geplant.


Weitere Informationen


Mehr zum Rasthaus und den politischen Hintergründen zum Projekt finden sich auf der Webseite von Afrique-Europe-Interact, wo sich u.a. eine Broschüre zum Download befindet (:: pdf, DIN A5, 20 Seiten).

:: afrique-europe-interact.net/1318-0-Das-Projekt.html

Informationen zur finanziellen Unterstützung finden sich dort unter :: Spenden.

Quellen: :: afrique-europe-interact.net, :: ffm-online.org