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Quellenangabe:
Solidarisches Handeln verhindert Abschiebung in Fellbach (vom 27.06.2015),
URL: http://no-racism.net/article/4769/, besucht am 26.06.2019

[27. Jun 2015]

Solidarisches Handeln verhindert Abschiebung in Fellbach

In Fellbach bei Stuttgart haben heute in den frühen Morgenstunden des 25. Juni 2015 ca. 150 AktivistInnen die Abschiebung eines Flüchtlings aus Gambia verhindert. Die Polizei wollte ihn gegen 3.30 Uhr abholen, zog aber dann wieder ab, da alle Zugänge zum Zimmer des Flüchtlings blockiert waren.

Der 23-jährige Modoulamin C. hätte laut einem amtlichen Schreiben heute morgen um 3.00 Uhr aus seiner Asylunterkunft in Fellbach abgeschoben werden sollen. Der Gambier ist seit neun Monaten in der BRD und hätte gehen sollen, da er über Italien hier hergekommen ist. Nach der sog. Dublin II-Regelung hätte er also dort Asyl beantragen müssen, sein Wunsch hier zu bleiben, die Zusage für einen Ausbildungsplatz in Fellbach und seine Angst am Ende doch wieder in Gambia, einer brutalen Diktatur, zu landen, spielte für die Behörden keine Rolle.

Eine Freundin mobilisierte daraufhin eilig Unterstützung: tatsächlich versammelten sich dann ab Mitternacht ca. 150 UnterstützerInnen vom Freundeskreis für Flüchtlinge Fellbach, von The Voice und von AntirassistInnen aus der Region Stuttgart. Das lockere Zusammenstehen wich einer gespannten Ruhe als gegen drei Uhr alle ihre Blockadeposition bezogen: alle Zugänge, die Treppe und der Gang wurden besetzt, so dass ein Durchkommen nur mit brachialer Gewaltanwendung möglich gewesen wäre.

Die Polizei kam dann ziemlich pünktlich mit 10 BeamtInnen. In erster Linie erkundeten sie die Lage, wollten einen Verantwortlichen genannt bekommen, fragten anwesende Fotografen nach ihren Presseausweisen und fotografierten die TeilnehmerInnen der Blockade. Besonders fiel dabei der gereizte Einsatzleiter auf, der klar hörbar für Umstehende, deutlich machte auf wessen Seite er steht: "Den Kampf habt ihr gewonnen, aber den Krieg gewinnen wir." war sein Kommentar zu der gezeigten Solidarität mit einem von Abschiebung bedrohten Flüchtling.

Tatsächlich zog die Polizei dann kurze Zeit später unter großem Applaus wieder ab. Modoulamin hat nun die Chance ab dem 1.Juli, wenn die sechsmonatige Frist des Dublin II-Abkommens abgelaufen ist, dank dem solidarischen Handeln vieler die Chance auf eine dauerhafte Lebensperspektive in Deutschland.


Artikel zuerst veröffentlicht am 25. Jun 2015 auf :: linksunten.indymedia.org.