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Quellenangabe:
EU-Migrationsregime und West Africa (vom 25.05.2016),
URL: http://no-racism.net/article/5127/, besucht am 03.10.2022

[25. May 2016]

EU-Migrationsregime und West Africa

Sichten von Bewegungs- aktivist_innen aus Mali, Nigeria, Burkina Faso und Europa. Workshop am Freitag, 27.5., 10:30 bis 13 Uhr & 15 bis 18 Uhr bei der Kritnet-Konferenz 2016, Migration - Kriminalisierung - Widerstand - Erfindung, 26.-29. Mai, VHS Ottakring, Ludo-Hartmann-Platz 7, 1160 Wien.

Im Zuge und unter dem Vorwand der sogenannten "Flüchtlingskrise" intensivieren die EU-Staaten ihre gemeinsamen Bemühungen, afrikanische Migrant_innen an der Einreise in das Gebiet der EU zu hindern und Migrant_innen aus Europa effektiver abzuschieben. Die EU forciert Rückübernahmeabkommen für Abschiebungen unter dem Vorzeichen der EU-Afrika-(Entwicklungs-)kooperation, inklusive der geplanten Einführung standardisierter EU-"Heimreise"zertifikate für die Abschiebung afrikanischer Staatsbürger_innen und bilateraler Abschiebe-Deals. Innerhalb afrikanischer Zivilgesellschaften gibt es einerseits diejenigen, die sich an EU-finanzierten Kampagnen gegen "illegale Migration" beteiligen, aber auch Stimmen des Widerstands für die Verteidigung der Bewegungsfreiheit.

Der Workshop bringt Aktivist_innen aus Westafrika und Europa zusammen zur Diskussion über die Entwicklung des Grenzregimes aus der Perspektive selbstorganisierter Basisbewegungen.

Im ersten Teil des Workshops werden Erfahrungen der Kämpfe gegen die Kollaboration von Botschaften bei Abschiebungen vorgestellt. Da die Behörden afrikansiche Botschaften unter Druck setzen, bei Abschiebungen zu kooperieren, werden afrikanische Staatsbürger_innen, die von Abschiebung bedroht sind und keinen Pass haben, zu Sonderbefragungen vorgeladen, wo sie unter Strafandrohung einem Identifizierungsverfahren unterzogen werden. Seit Jahrzehnten haben Geflüchtete gegen solche rassistischen und kolonialen Praktiken protestiert. Osa, Korvensyrjä und Feliziani präsentieren ihre fortlaufende Forschung, sowie Aktionspläne zum kollektiven Widerstand gegen die Kollaboration bei Abschiebungen, und setzen dies mit den Ursachen der erzwungenen Migration in Verbindung.

Im zweiten Teil wird der sog. "La Valetta - Aktionsplan", der während des EU-Afrika- Migrationsgipfels im November 2015 erstellt wurde, hinsichtlich der praktischen Auswirkungen auf die afrikanischen Gesellschaften analysiert. Einige der konkreten Ergebnisse multi- und bilateraler Nachfolgetreffen, bei denen die CEDEAO-Staaten eine zentrale Rolle gespielt haben, sind: Zunehmende Zahl an Zurückschiebungen von Geflüchteten und Migrant_innen, der Bau von "Aufnahme"lagern zum Festhalten und "Zurückschieben", die Präsenz von mit FRONTEX kooperierendem Sicherheitspersonal an afrikanischen Flughäfen, sowie die Errichtung strengerer Kontrollen entlang innerafrikanischer Grenzen und Reiserouten.

Touré, Diarra, Keita und Ouédraogo diskutieren Perspektiven gemeinsamen Widerstands durch Afrikanische und europäische Basisbewegungen, sowie afrikanische Antworten gegen den Tod von Migrant_innen und Flüchtenden auf den Meeren und Reisewegen.

Der Workshop findet in Englisch und Französisch statt. Übersetzung in andere Sprachen ist bei Bedarf verfüg bar.

Sprecher_innen: Rex Osa (The Voice Refugee Forum, Nigeria/Deutschland), Inna Touré (Afrique-Europe Interact Frauensektion, Mali), Ousmane Diarra (Malische Vereinigung der Abgeschobenen / AME), Ramata Keita (Malische Vereinigung der Abgeschobenen / AME), Moussa Ouédraogo (Filmemacher, Ouagadougou), Aino Korvensyrjä (Free Movement Network Finland / Berlin), Hans-Georg Eberl (Afrique-Europe Interact Wien), Claudio Feliziani (Filmemacher, Berlin)

Moderation: Florian Horn (Rosa Luxemburg Stiftung)

Weitere Informationen auf :: kritnetwien.wordpress.com.