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Quellenangabe:
Zur Militarisierung der Wüste. EU-Migrationspolitik im Sahelraum (vom 16.10.2017),
URL: http://no-racism.net/article/5265/, besucht am 24.11.2017

[16. Oct 2017]

Zur Militarisierung der Wüste. EU-Migrationspolitik im Sahelraum

Die Staaten der EU streben mit allen Mitteln danach, Migrant*innen und Menschen auf der Flucht von ihren Grenzen fernzuhalten. Nicht nur innerhalb Europas und im Mittelmeer, sondern auch auf dem afrikanischen Kontinent.
Info- und Diskussionsveranstaltung am 17. Okt 2017 in Wien.

Info- und Diskussionsveranstaltung von Afrique-Europe-Interact Vienna (AEI Sektion Wien).
- Vortrag von Alassane Dicko (Afrique-Europe Interact Sektion Mali / Bamako)
- Film "Au bout de l'Odyssee" (Protest Productions Collective / Wien)

Dienstag, 17. Oktober 2017, 19 Uhr
Afripoint, Hofmühlgasse 2, 1060 Wien


Die Staaten der EU streben mit allen Mitteln danach, Migrant*innen und Menschen auf der Flucht von ihren Grenzen fernzuhalten. Nicht nur innerhalb Europas und im Mittelmeer, sondern auch auf dem afrikanischen Kontinent. Ähnlich wie bei der "Schließung der Balkanroute" gehört auch hier Österreich zu den Hardliner-Staaten. Der möglicherweise nächste Bundeskanzler Kurz und Innenminister Sobotka haben die Migration von Afrika Richtung Europa zu "einem der größten Probleme der kommenden Jahre" erklärt - eine politische Kampfansage im Sinne einer kolonialrassistischen EU-Politik, die die Schließung von Afrikas Grenzen betreibt und den Tod von immer mehr Menschen auf dem Meer, aber auch in der Wüste zur Folge hat.

Umso mehr ein Grund, uns auch in Wien mit den Auswirkungen einer solchen Politik auf dem afrikanischen Kontinent und solidarischen Gegenbewegungen zu beschäftigen.
Lange hat sich die Kritik am Europäischen Grenzregime vor allem auf die Toten im Mittelmeer konzentriert. Umso wichtiger ist, dass mittlerweile auch die Wüste stärker in den Blickpunkt der öffentlichen Debatte rückt. Denn auch dort kommen jedes Jahr tausende Geflüchtete und Migrant_innen vorwiegend aus Subsahara-Afrika ums Leben. Wirklich belastbare Zahlen gibt es bislang nicht. Doch selbst die :: IOM (International Organisation of Migration), die unmittelbar in die EU-Abschottungspolitik eingebunden ist, geht von mehreren tausend Toten jährlich aus. Und vieles spricht dafür, dass sich diese Situation in den nächsten Jahren noch verschärfen wird.

Hintergrund sind die sogenannten Migrationspartnerschaften, die die Europäische Union derzeit in rasendem Tempo mit zahlreichen afrikanischen Ländern schließt, darunter auch wichtigen Transitländern wie Niger oder Mali. So haben im Niger Polizei und Militär auf Druck der EU Kontrollpunkte an den wenigen Wasserstellen und in Ortschaften entlang der zentralen Routen nach Libyen eingerichtet. Hinzu kommt, dass der Transport von Personen im Niger seit 2015 unter Strafe gestellt ist – und das in einer Region, wo die Menschen seit Jahrhunderten im trans(saharischen) Transportgewerbe tätig sind.

Konkret sind seit Juli 2016 über hundert Schlepper und Fahrer festgenommen und ihre Autos konfisziert worden. Folge ist, dass die Schlepper immer öfter auf schlechtere und zum Teil auch unbekannte Routen ausweichen. Und auch passiert es immer öfter, dass die häufig sehr jungen Fahrer aus Furcht vor Entdeckung ganze Gruppen plötzlich in der Wüste aussetzen. Dies erklärt, weshalb die meisten der aufgefundenen Toten verdurstet sind.

In der Veranstaltung wird Alassane Dicko zum einen über die aktuellen Entwicklungen der in den letzten Jahren schrittweise auf die Sahara ausgedehnten EU-Abschottungspolitik berichten. Hierzu gehören auch der auf einem kleinen europäisch-afrikanischen Regierungsgipfel Anfang September in Paris gefällte Beschluss, im Niger "Migrationszentren" einzurichten, wo der UNHCR im Namen der Europäischen Union asylberechtigte von nicht nicht-asylberechtigten Geflüchteten trennen soll.

Zum anderen wird der Referent über die unter anderem von Afrique-Europe-Interact mitgetragene :: Initiative für ein Wüstenalarmphone berichten. Das Projekt steht noch völlig am Anfang, doch geplant ist, junge Migrant_innen über eine zentrale Notrufnummer mit wichtigen Informationen zu unterstützen und ggf. auch selber Rettungsinitiativen zu starten oder zu initiieren (nach dem Vorbild der verschiedenen Aktivitäten auf dem Mittelmeer).

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Alassane Dicko ist ausgebildeter Informatiker. 2006 wurde er aus der Elfenbeinküste nach Mali vertrieben, woher seine Eltern ursprünglich stammten. In Bamako hat er die Assoziation der Abgeschobenen (AME) mit aufgebaut, seit 2010 ist er Pressesprecher der malischen Sektion von Afrique-Europe-Interact.

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In dem Film "Au bout de l'Odyssee" (2017) erzählt Aladji Traoré gemeinsam mit Anderen die Geschichte seiner Migration von Sokodé/Togo über Niger, Libyen und Mittelmeer bis nach Europa. Er gibt einen Eindruck von der lebensgefährlichen, traumatischen und oftmals tödlichen Realität dieser Migrationsroute und geht der Frage nach, warum viele sich trotz alldem auf diesen Weg begeben.

Mehr Infos :: afrique-europe-interact.net