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Quellenangabe:
Demo - internationaler feministischer Kampftag (vom 01.03.2018),
URL: http://no-racism.net/article/5318/, besucht am 18.06.2018

[01. Mar 2018]

Demo - internationaler feministischer Kampftag

Die Gruppe "Take Back The Streets - Jeden Tag 8. März" organsiert die Demo zum internationalen feministischen Kampftag in in. Treffpunkt: 17 Uhr, Christian Broda Platz, 1060 Wien.

Aufruf zur Demo von der Gruppe :: Take Back The Streets - Jeden Tag 8. März


Liebe alle!

Wie schon letztes Jahr organisieren wir wieder die 8. März Demo! Wir sind eine feministische Gruppe bestehend aus Einzelpersonen mit vielfältigen Hintergründen und Motivationen. Im Rahmen des internationalen feministischen Kampftages wollen wir auf die Straße gehen um für ein gutes Leben für alle zu kämpfen.

Angesichts der derzeitigen politischen Lage zeigt sich, wie wichtig es ist, aktiv zu werden: Dem Verein maiz, ein unabhängiger Verein von und für Migrantinnen mit dem Ziel, die Lebens- und Arbeitssituation von Migrant_innen in Österreich zu verbessern, wurde vom Frauenreferat der oberösterreichischen Landesregierung die Förderung gestrichen. Ebenso dem Verein Fiftitu%, einem feministischen Forum für Künstler_innen und Kulturarbeiter_innen und ArgeSie, einem Verein, der Beratung, Begleitung und Wohnen für wohnungslose Frauen anbietet.
All diese Kürzungen veranschaulichen das gezielte Verunmöglichen von feministischer Arbeit und sind Ausdruck eines antifeministischen Backlashes.

Die Wiedereinführung eines kostenpflichtigen Kindergartens - zumindest nachmittags - trifft all jene, die arbeiten gehen wollen oder müssen, vor allem aber Alleinerzieher_innen. Der sogenannte "Familienbonus" bedeutet eine Umverteilung nach oben, die Notstandshilfe wird abgeschafft: Armut wird somit bewusst produziert, wodurch ein Billiglohnsektor geschaffen wird. Dies trifft vor allem strukturell Benachteiligte.

Im aktuellen Regierungsprogramm wird die Familie als "Gemeinschaft von Frau und Mann mit gemeinsamen Kindern" als "natürliche Keimzelle und Klammer für eine funktionierende Gesellschaft" beschrieben (vgl. Regierungsprogramm S. 9).
Wir lehnen die im Regierungsprogramm propagierte heteronormative binäre Geschlechterlogik ab. Kämpfen wir für das Recht, unsere Identität frei zu definieren und unsere Formen des Zusammenlebens frei zu wählen!

Ebenso wehren wir uns gegen die für ungewollt schwangere Personen verpflichtende "medizinische und soziale Beratung" vor Abtreibungen, die eingeführt werden soll (vgl. Regierungsprogramm S. 106). Wir lehnen die Überzeugung, dass schwangere Menschen nicht selbstbestimmt und verantwortungsvoll über ihre Körper und ihre Schwangerschaft entscheiden können, ab. Unsere Körper dürfen nicht der Kontrolle des Staates unterworfen werden. Wir stehen für das selbstverständliche Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper ein!

Die in dieser Regierung angelobten Minister haben nachweislich eine Nähe zur rechtsextremen Szene (vgl. Broschüre Mauthausen Komitee). Die FPÖ verfügt nun über Sicherheitsdienste, Militär und Polizei sowie Verfassungsschutz. Das bedeutet mehr Kontrolle, mehr Überwachung und weitere Einschränkungen des Demonstrationsrechts. Nicht mit uns!

Wir fordern ein Ende der strukturellen Diskriminierungen von FLI*NT Personen (Frauen, Lesben, Inter*, Nichtbinär, Trans) am Arbeitsmarkt, wie beispielsweise dem Lohnunterschied (laut APA 2017: 21,7% Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen). Leider werden in Studien bisher meistens nur Männer und Frauen beachtet, es ist allerdings davon auszugehen, dass jene Personen die FLI*NT angehören aber keine cis Frauen sind genauso, wenn nicht sogar stärker, von Lohnunterschieden betroffen sind.
Viele FLI*NT Personen leben mit einer Mehrfachbelastung aufgrund von höherem Leistungszwang - um ihre sozialen und wirtschaftlichen Nachteile gegenüber cis Männern auszugleichen – und dem täglichen Kampf um Akzeptanz ihrer Identitäten und Lebensweisen.
Außerdem ist noch anzumerken, dass hier auch andere Faktoren, wie u.a. Rassismus und Behindertenfeindlichkeit eine große Rolle spielen.
Wir lassen uns nicht verdrängen und auch nicht unsichtbar machen:

Wir fordern - take back the streets!
Zusammen wollen wir ein lautes und sichtbares Zeichen setzen und uns gegen (hetero- & cis-) sexistische Diskriminierungen wehren.

Uns ist es wichtig, für alle Menschen Raum zu schaffen, die von Sexismus und patriarchalen Machtstrukturen negativ betroffen sind. Außerdem wollen wir Unterdrückungs- und Machtverhältnisse in ihren Überschneidungen thematisieren. Wir sehen die von uns organisierte Demonstration als dringend notwendigen Beitrag gegen diskriminierende Ausschlüsse und für ein solidarisches feministisches Miteinander!

Unsere POSITIONEN & FORDERUNGEN
Gegen das Patriarchat.
Gegen Kapitalismus und neoliberale Leistungssteigerung
Gegen Nationalismus.
Gegen Sexismus.
Gegen Homo-, Bi-, Inter*- und Transfeindlichkeit.
Gegen jeden Rassismus.
Gegen Antisemitismus und Antizionismus.
Gegen Antiromaismus.
Gegen Ableismus/Behindertenfeindlichkeit.
Für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Rechte für Sexarbeiter_innen!
Wenn schon Lohnarbeit - gleicher Lohn für gleiche Arbeit!


Anmerkungen zum 8. März sowie der Demonstration & Kundgebung

Der 8. März ist als der Internationale Frauenkampftag bekannt. Wir wollen diesen Gedanken aufnehmen und ausdrücklich auf alle Frauen beziehen, trans, nicht-binär wie cis. Wir wollen auch andere Menschen, die patriarchale Unterdrückung erfahren, unterstützen und ihnen eine Plattform geben.
Daher bezeichnen wir den 8. März als den "Internationalen Feministischen Kampftag".

Anders als letztes Jahr wird die diesjährige Demo open for all genders sein, das heißt alle Menschen sind dazu aufgerufen, zusammen mit uns auf die Straße zu gehen.

Die Demonstration wird ähnlich wie letztes Jahr in mehrere Blöcke eingeteilt sein.
Geplant sind folgende Blöcke (Änderungen vorbehalten):
- linksradikaler FLI*NT Block (FrauenLesbenInter*NichtbinärTrans)
- Sexarbeiter_innen Block (open-for-all-gender-Block)
- Rollerderby & Bike Block (FLI*NT)
- Alleinerzieher_innen Block (open-for-all-gender-Block)

Wenn ihr Lust habt, einen Block zu machen, könnt ihr uns gerne eine Email an takeback8m (at) gmail.com bis spätestens 1. März 2018 schreiben.

## Weitere Informationen zum Ablauf der Kundgebung/Demo ##

Wir sammeln uns um 17:00 Uhr beim Christian-Broda Platz. Zu Beginn wird es eine kurze Ansprache des Kollektivs take back the streets geben, in welcher genaueres zum Ablauf gesagt wird.

Wichtige Informationen hier vorab:
- es wird Ansprechpersonen vor Ort geben, welche als solche erkennbar sein werden
- es wird eine Demoinfotelefonnummer geben, welche während der gesamten Demo erreichbar ist per Anruf oder SMS
- es wird Flyer geben, auf welchen die Route, barrierefrei zugängliche Toiletten sowie die Demoinfotelefonnummer und die Rechtshilfenummer stehen
- Kinderbetreuung ist vor Ort organisiert
- beim Demoauto können abgepackte Ohrstöpsel kostenlos geholt werden
- es wird vor dem Demoauto/Bühne einige Biertischbänke geben sowie Platz für Rollstühle
- es wird ein Erste Hilfe Kasten vor Ort zur Verfügung stehen sowie einer Person, welche diesen betreut (beim Demowagen)
- es ist geplant warme Getränke vor Ort zur Verfügung zu stellen - das ist allerdings noch nicht sicher (knickbare Strohhälme werden gegebenenfalls zur Verfügung stehen)

Es wird fünf Redebeiträge von 3-5 Minuten geben. Die Reden werden simultan in deutscher Gebärdensprache gedolmetscht. Es ist noch nicht fix, in welchen Sprachen die Redebeiträge selbst gehalten werden. Weiters werden die Redebeiträge ausgedruckt aufliegen (deutsch und englisch, Nähe Demoauto). Die Redebeiträge werden zeitnah nach dem 8. März auf Facebook hochgeladen und können auf Wunsch auch als Email verschickt werden - falls gewünscht auch als Audiofile.

Wenn die Redebeiträge fertig sind, räumen wir alles ins Auto und organisieren dann die unterschiedlichen Blöcke - und dann bewegen wir uns die Maria Hilfer Straße entlang. Es sind keine Aktionsformen darüber hinaus geplant (bspw laufen o.ä.). Endpunkt der Demo ist das Museumsquartier. Die Route selbst wird von keinen Straßenbahnschienen durchlaufen und besteht aus glattem Asphalt bzw. ist sicher und gut befahr-/begehbar. Dort wird es vermutlich zwei bis drei kurze Redebeiträge geben, wobei das noch nicht fix ist.

Wir möchten möglichst allen Menschen die Teilnahme an der Kundgebung bzw. Demonstration ermöglichen. Falls Unterstützung in finanzieller oder organisatorischer Hinsicht (Redebeiträge in bestimmter Sprache/Schriftgröße ausdrucken, Begleitung/Assistenz zur/auf/von der Veranstaltung, Rufen eines Fahrdienstes/Taxis), benötigt werden, bitten wir um Kontaktaufnahme :

fb: https://www.facebook.com/takestreets
e Mail: takeback8m (at) gmail.com
twitter: https://twitter.com/takestreets

Darüber hinaus empfehlen wir, dass sich Demoteilnehmer_innen - falls gewünscht - in Bezugsgruppen organisieren. Das kann gerne auch im Rahmen der facebook Veranstaltung oder über twitter passieren.

Sollten sich Änderungen oder ähnliches ergeben, werden wir das bekannt geben.

Wir freuen uns auf eine große, sichtbare Demonstration – setzen wir zusammen ein Zeichen am internationalen feministischen Kampftag!

## Erklärungen und Quellen ##

Cis bezeichnet, dass eine Person in Übereinstimmung mit ihrem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht lebt bzw. dieses ist.

inter* bezeichnet Menschen, deren Körper von Geburt an, oder so wie sie sich entwickeln, nicht der medizinischen und gesellschaftlichen Norm von männlichen bzw. weiblichen Körpern entsprechen.

Binäre Geschlechterlogik bedeutet, dass es nur zwei Geschlechter - Mann und Frau - gibt und diese in sich gegenseitig ausschließenden Gegenteilen gedacht werden.

Heteronormativität bezeichnet eine für natürlich gehaltene, binäre Geschlechtereinteilung in Mann und Frau. Heterosexualität wird als naturgegeben und unveränderbar gesehen. Abweichungen – sei es von den Normen Mann und Frau oder von der Heterosexualität – werden sanktioniert. Heteronormativität bezeichnet Institutionen, Denkstrukturen und Wahrnehmungsmuster, die Heterosexualität zur Norm stilisieren und privilegieren.

Regierungsprogramm: :: hier

Broschüre Mauthausen Komitee: :: hier