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Quellenangabe:
Europäisches Manifest zum Europaweiten Aktionstag am 31. Jänner 2004 (vom 30.01.2004),
URL: http://no-racism.net/article/654/, besucht am 28.06.2022

[30. Jan 2004]

Europäisches Manifest zum Europaweiten Aktionstag am 31. Jänner 2004

MANIFEST IN RICHTUNG EINER ANNÄhERUNG UND VERNETZUNG DER KÄMPFE DER SANS PAPIERS, FLÜCHTLINGE UND MIGRANTiNNEN IN EUROPA

In Anbetracht der Entwicklung der Festung Europa, die MigrantInnen und Flüchtlingen die fundamentalsten Rechte verwehrt (wie Wohnen, Gesundheitsversorgung, finanzielle Unterstützung, Beschäftigung, Bildung, StaatsbürgerInnenschaft, Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit usw.), wird es immer wichtiger, den Kampf der rechtlosen Menschen zu vernetzen. überall in Europa kämpfen Opfer der repressiven Europäischen Gesetzgebung für ihre Grundrechte und ums überleben. Die Perspektive eines Netzwerkes, das nationale Grenzen überschreitet, zielt auf die Entwicklung einer kollektiven, autonomen, gemeinsam verantwortlichen Kraft, die von den ProtagonistInnen selbst getragen wird und in der Lage ist, auf die wachsenden wirtschaftlichen und politischen Attacken in Europa zu reagieren, die von den Regierungen vorangetrieben werden.

Frauen, Männer und Kinder ohne Papiere (Sans Papiers), Flüchtlinge und MigrantInnen sind nur die sichtbare Spitze des Eisberges von Verelendung und Prekarisierung, welche sich zunehmend auf alle anderen ArbeiterInnen und unsere Gemeinschaften ausdehnen.

In den industrialisierten ländern sind die Sans Papiers (Menschen ohne Papiere) die ersten Opfer von neoliberalem Kapitalismus, der überall Armut und die Senkung der Lebensstandards vorantreibt.

Als Resultat der politischen, wirtschaftlichen und Militärischen Ausbeutung, die Regierungen und unternehmerische Interessen der Industrieländer anderen ländern mit der KomplizInnenschaft einiger korrupter Regierungen aufzwingen, werden Tausende Frauen, Männer und Kinder zur Flucht gezwungen. Jene, die ihre Heimat verlassen, um nach Europa zu kommen, werden dann in verzweifelte Umstände, die ausbeuterischsten Beschäftigungs- und Bezahlungsverhältnisse, rassistische und sexistische Gewalt und Obdachlosigkeit gezwungen.

Folglich sind Sans Papiers, Flüchtlinge und MigrantInnen im Herzen des politischen Kampfes gegen die kapitalistische Globalisierung und für die Schaffung einer Gesellschaft, die Rechte in übereinstimmung mit der allgemeinen erklärung der Menschenrechte respektiert, beginnend mit dem Recht auf Leben. Als die hauptsächlichen PflegerInnen, deren Arbeit Familien und die Gemeinschaften aufrechterhält, stehen Frauen oft in der vorderste Reihe bei den kämpfen.

Wir, Frauen, Männer und Kinder ohne Papiere (Sans Papiers), Flüchtlinge und MigrantInnen versuchen so wie alle, denen Menschenrechte wichtig sind, die globalen, langfristigen kämpfe zu stärken und auszudehnen - gegen Repression, Internierungslager, Ausbeutung, Sexismus, Rassismus und alle anderen Formen von Diskriminierung, Gewalt und Sklaverei. Die Entwicklung einer koordinierten Kampagne wie dem Europäischen Aktionstag am 31. Jänner 2004 begründet einen entscheidenden Schritt in Richtung dieses Zieles.

Auf europäischer Ebene fordern wir:

* Bedingungsloses Bleiberecht für alle Sans Papiers.
* Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit.
* Umgehende Schließung aller Internierungslager.
* Abschaffung aller Abschiebungen.
* Gleiche Rechte unabhängig von StaatsbürgerInnenschaft und dauerhaften Aufenthalt für alle; inclusive gleichen Zugang zu sozialen, ökonomischen, kulturellen und politischen Rechten.
* Einführung eines tatsächlichen Rechts auf Asyl.
* Beendigung von Ausbeutung und Neo-Sklaverei und das Recht auf Arbeit bei gleichen Bedingungen und gleicher Bezahlung wie die ArbeiterInnen des Landes, in dem wir uns niederlassen.
* für Kinder: das Recht auf Leben mit ihren Familien in der Gemeinschaft, freier Zugang zu Schulen und medizinischer Versorgung und ein Ende von Abschiebungen unbegleiteter Kinder und Jugendlicher.