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Quellenangabe:
Rassismus im Tiergarten schönbrunn (vom 13.06.2004),
URL: http://no-racism.net/article/820/, besucht am 21.04.2024

[13. Jun 2004]

Rassismus im Tiergarten schönbrunn

no-racism.net dokumentiert hier eine Aussendung des Aktionskomitees "schwarze Menschen in der Öffentlichkeit" zu einem rassistischem Vorfall im Tiergarten schönbrunn.

An:
Dr. Helmut Pechlaner
Direktor Tiergarten schönbrunn

Sehr geehrter Herr Dr. Pechlaner,

mit großer Empörung und tiefen bedauern haben wir von einem Ereignis in Ihren Betrieb erfahren. Da wir Sie, Ihre Arbeit und Ihren Betrieb sehr schätzen wollen wir Ihnen diese Menschen verachtende und rassistische Geschichte nicht vorenthalten. Unserer Ansicht nach schadet so eine Geschichte dem Ruf ihr hochgeschätzten Hauses enorm.

Frau R., 46 Jahre alt, Afro-Brasilianerin, lebt seit 24 Jahren in Österreich. Seit 1 März 2002 ist sie als Tagesmutter bei der Volkshilfe Wien tätig. Die von ihr betreuten Kinder sind häufig unterschiedlicher Herkunft. für den wöchentlichen Besuch im Tiergarten schönbrunn mit ihren Schätzlingen hat Frau R. von Ihrem Arbeitsgeber eine Eintrittskarte, die sie mit den Kindern zum freien Eintritt berechtigt. Bis zu diesem Tag verliefen die Ausflüge problemlos. Am besagten 14.Mai 2004 gegen 9h30 machte Frau R. wie gewohnt mit einem "ihrer" Kindern einen Ausflug in den schönen und öffentlichen schönbrunner Tiergarten. Die Besonderheit am diesem Tag: Frau R. ist mit einen dunkelhÀutigen Kind und ohne ihre "weissen" Kolleginnen unterwegs (sie ist etwas früher gekommen).

Vor der Kassa 1 angekommen präsentierte Frau R. ihre Eintrittskarte wie gewohnt. Eine Àltere Dame, die an diesem Tag an der Kassa saß verweigert Frau R. den Eintritt. "Ihr Ausweis ist ein gefÀlschter." sagte die Kassieren. überrascht und tief betroffen dachte Frau R. sie hätte nicht richtig gehört und betonte sie möchte in den Tierpark "Ich sagte es Ihnen schon, dieser Ausweis ist falsch, daher muss ich den Eintritt verweigern." Geschockt, sprachlos, unendlich traurig verlässt Frau R. die Kassa des Tiergartens. Sie konfrontierte ihren Dienstegeber später mit ihrer Erfahrung. "Es war an diesem Tag nur eine unwissende Person an der Kassa." sagte dieser.

Herr Direktor, sie werden schon wissen, die "Afrikanerinnen sind das sichtbarste Symbol von (oft unerwünschter) Zuwanderung und sind häufig mit negativen Einstellungen und Vorurteilen konfrontiert. Politische Äußerungen der letzten Jahre, gestärkt von einseitigen und extrem negativen Bildern und Berichten haben das Image des "liebenswürdigen Exoten ins Stereotyp vom Drogenhändler und Ausnützer des Wohlfahrtstaates gekehrt" (Ebermann 2002).

Das Image, das die meisten östereicherInnen von schwarzen Menschen haben, hat FP Nationalratsabgeordnete Helene Partik-Pable vor etwas vier Jahren so zusammengefasst: "Sie schauen nicht nur anders aus 
.sondern sie sind auch anders, und zwar sind sie ganz besonders aggressiv. Das liegt offensichtlich in der Natur dieser Menschen. Sie sind meist illegal da,
.meist Drogendealer und 
ungeheuer aggressiv 
." Wir wollen Sie, Herr Direktor darauf aufmerksamen machen, dass sich Frau R. keineswegs aggressiv verhalten hat. Solche Äußerungen wie von Frau Partik-Pable und von ihrer Mitarbeiterin führen dazu, dass das tägliche Miteinander zwischen schwarzen Menschen insbesondere Menschen afrikanischer Herkunft und ÖsterreicherInnen erschwert wird.

Auch eine Studie der Europäischen Beobachtungsstelle für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) im Mai 2003 über die Erfahrungen von MigrantInnen mit Rassismus und Diskriminierung in Österreich bei der drei MigrantInnen-Gruppen - untersucht wurden AfrikanerInnen, BosnierInnen und TürkInnen - zeigte, dass Diskriminierung in Österreich stark mit der ethnischen Zugehörigkeit zusammenhängt. So erleiden AfrikanerInnen am häufigsten und in allen Bereichen Diskriminierung; in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz und in institutionellen Bereichen.

Dass schwarze Frauen im speziellen eine Gruppe in der Österreichische Gesellschaft darstellen die auf dem Weg zu einer politischen, sozialen und ökonomischen Positionierung als Arbeitsnehmerinnen und Unternehmerinnen mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen haben ist lange kein Geheimnise mehr.

Wir stellen fest:



- Frau R. ist keine Afrikanerin sondern Afro-Brailianerin. So lässt es sich sagen dass Schwarze Menschen Allgemein in Österreich am häufigsten diskriminiert werden.
- Frau R. hat bis jetzt, und so lange sie in der Begleitung ihrer "weissen" Österreichischen Kolleginnen war, keine Probleme mit ihrer Freieintrittskarte in den schönbrunner Tiergarten
- Frau R. ist eine Eintrittskarten-FÀlscherin einfach weil sie schwarz ist und mit einem schwarzen Kind unterwegs ist.
- Als schwarze Frau ist Frau R. aus den Augen dieser Kassiererin per se nicht qualifiziert Tagemutter zu sein. Ihr wird nicht nur Eintritt verweigert sondern sie wird auch noch als FÀlscherin beschimpft.
- Der Dienstgeber von Frau R. verharmlost die Situation in dem er meint "Es waren nur falsche Leute an diesem Tag an der Kassa" und für ihn soll somit das Problem aus der Welt geschaffen sein. Von Zivilcourage hat er offensichtlich nie gehört oder ist einfach nicht sein stark genug.

Die SFC - schwarze Frauen Community für Selbsthilfe und Frieden - www.schwarzefrauen.net (dessen Mitglied Frau R ist) ist eine Initiative von schwarzen Frauen unterschiedlichster Herkunft, Nationalität, Kultur, Sozialisation, Religion, Hautfarbe, Sprache, Weltanschauung, Lebensweise etc....

In die Aktionskomitee "Schwarze Menschen in der Öffentlichkeit" (AKSMö) sind in Österreichlebenden Menschen Afrikanischer Herkunft. Unsere Anliegen ist es gerechte Bilder von Afrika ihre Menschen und ihre Diaspora jenseits von Klischees an die Österreichische Öffentlichkeit darzustellen.

Gemeinsam wollen wir von Ihnen, Herr Dir. Pechlaner, wissen ob dieses Verhalten ihrer Angestellten der Politik Ihres Hauses entspricht. Wir wollen nicht glauben, dass schönbrunn mit seine vielen Tiere aus der ganzen Welt, vor allen vom afrikanischen Kontinent ein rassistischer Betrieb ist.

Deshalb fordern wir (mit allen Respekt) von Ihnen, Herr Direktor eine sofortige Klärung dieser Angelegenheit, eine Entschuldigung bei Frau R. sowie die Einführung von maßnahmen die dafür garantieren, dass alle BesucherInnen sich im ihren Betrieb wohl fühlen können.

Gerne bieten wir Ihnen und Ihrem Betrieb kostenlose Sensibilisierungskurse zum Thema "Sprachgebrauch und Umgang miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft" an.
für evtl. Rückfragen bzw. gemeinsame Auseinandersetzung mit dieser Thematik stehen wir Ihnen gerne zu Verfügung.

Mit freundlichen GrÃŒssen

Beatrice Achaleke
Simon Inou
für die SFC und die ASKMö




Kopie an:
Tiergarten schönbrunn
Volkshilfe Wien
Zara - Beratung für Zeugen und Opfer von Rassismus

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