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Quellenangabe:
Bericht von FC Sans Papiers vs. Polizei (vom 25.06.2004),
URL: http://no-racism.net/article/853/, besucht am 27.05.2024

[25. Jun 2004]

Bericht von FC Sans Papiers vs. Polizei

Unter dem Titel "Fair & Sensibel - Polizei und AfrikanerInnen" fand am Platz des PSV in Wien ein Fußballturnier statt, bei dem verschiedene MigrantInnenvereine gegen Polizei- Auswahlen antraten. Der Versuch sich so ein antirassistisches Image zu verpassen wurde von lautstarken Protesten begleitet. (Video und Bilder)

Wo ist Marcus Omofuma? (und wo ist Ernst Strasser?)


In der Nacht auf Mittwoch den 23. Juni 2004 wurde die Polizei mittels Sprayaktionen rund um das Sport- und Freizeitarreal des Polizeisportvereins in Wien Donaustadt an ihre Verantwortung für den Tod von Marcus Omofuma, Seibane Wague und vielen anderen Opfern des rassistischen Konsens in der Österreichischen Exekutive erinnert. für den selben Tag war eben dort Innenminister Ernst Strasser für den Ehren-Ankick bei einem Fußballturnier unter dem Motto "Fair & Sensibel - Polizei und AfrikanerInnen" angekündigt.

Nachdem jedoch mehrere antirassistische Gruppen Protestaktionen ankündigten und die Sans Papiers ihrerseits in einer Presseaussendung darauf hinwiesen, dass sich drei ihrer Spieler in Schubhaft befinden und das von Fairness und Sensibilität deshalb wohl kaum die Rede sein könne, sagte Ernst Strasser seinen Auftritt kurzfristig ab. Das offizielle Statement des BMI via APA: "Innenminister Strasser hat seinen Auftritt beim "Fair & Sensibel - Fußball-Cup" Polizei - AfrikanerInnen heute, Mittwoch, um 15.00 Uhr in Wien (Polizeisportverein Kaisermühlen) abgesagt." Schluss, Ende...

Transpi beschlagnahmt: "Abschiebung ist Folter und Mord"

Als Vertretung für den Innenminister, durfte nun der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit Erik Buxbaum den Ankick vornehmen. Zuvor entfernte die Polizei allerdings ein großflächiges Transparent mit der Aufschrift "Abschiebung ist Folter und Mord", das an einem Zaun hinter einem der Tore angebracht wurde. Nach langen Diskussionen mit Veranstaltern bzw. PolizeibeamtInnen in Uniform durften wenigstens einige andere Transparente aufgehängt werden (u.a "Deportation is not a game", "Rote Karte für Strasser", "noborder - nonation").

Während dem Spiel des FC Sans Papiers gegen "WEGA/Cobra" wurde das Transparent abermals entrollt und wenig später von 3 uniformierten BeamtInnen bis zum Spielende beschlagnahmt. Ansonsten durften sich die Sans Papier über einen sehr lautstarken Fan block freuen und die Polizei-Mannschaften über Buh-Rufe, sobald sie den Platz betraten ärgern.

Buxbaum lehnt Diskussion über Schubhaft ab


Erik Buxbaum wurde von KanalB in einem Interview auf die in Schubhaft befindlichen Spieler angesprochen. Nachdem ihm von einer Aktivistin ein Flugblatt in die Hand gedrückt wurde meinte er vor laufender Kamera über Flugblätter sage er überhaupt nichts. Auf die frage ob er unter "Fairness" versteht, dass Menschen in Schubhaft sitzen obwohl sie keine Straftat begangen haben, sondern einfach nur da sind meinte Buxbaum: "Ob"s Fair ist oder nicht Fair ist, ist nicht die Frage sondern ob"s rechtmäßig ist und ich gehe bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, dass die Gesetze korrekt vollzogen werden. (...) Schubhaft ist keine Strafe, sondern dient zur Vorbereitung der außerlandesschaffung. Da gibt"s gesetzlich Vorschriften, die wir zu vollziehen haben."

Auf die Frage, ob er das in Ordnung findet, meint Buxbaum, es gehe hier nicht um die Frage Schubhaft ja oder nein. "Ich lehne ab über solche Sachen hier im Rahmen eines Wettkampfs zu diskutieren."

"Wir hauen"s nur, weil"s schwarz sind..."


Auch medial wurde das Fußballturnier als mäßig bis schlecht gelungener Versuch der Polizei, sich in einem antirassistischen Licht zu präsentieren wahrgenommen. Ein sehr Polizei-kritischer Bericht wurde in "25 - das Magazin" (ORF 1) ausgestrahlt. Initiator und Kripo-Beamter Josef Böck beschreibt im ORF das verhältnis Polizei/AfrikanerInnen folgender maßen: "Die meisten Probleme sind immer wieder bei Anhaltungen und Perlustrierungen. Da fühlen sich die AfrikanerInnen schlecht mißhandelt (!) oder wir hauen [ähm], kontrollieren"s nur, weil"s schwarz sind, was aus Sicht der Polizei naTürlich nicht stimmt."

Ein starkes Statement für jemanden der sich rühmt ein antirassistisches Projekt iniziiert zu haben...