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Quellenangabe:
Rivesaltes 2004 - TAZ No Border (vom 27.06.2004),
URL: http://no-racism.net/article/857/, besucht am 23.09.2020

[27. Jun 2004]

Rivesaltes 2004 - TAZ No Border

No Border Camp in Rivesaltes, Frankreich: Organisation einer Temporären Autonomen Zone gegen Grenzen vom 20.-28. August 2004.

In ganz Europa organisieren sich seit mehreren Jahren, insbesondere rund um das Netzwerk No Border, Camps gegen die soziale Kontrolle und für Bewegungs- und Ansiedlungsfreiheit. Diese Initiativen vereinigen Personen mit oder ohne Papiere, Organisationen und Kollektive die entschlossen sind die Stacheldrähte zu zerschneiden und die Grenzen aufzubrechen, die die Freiheit aller beschränken: ob es die Anprangerung des SIS (Schengen-Informations-System) ist, EuropäischeMassenabschiebungen durch Charterflüge, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Polizei, das gemeinschaftliche Projekt von Flüchtlingslagern an den Grenzen Europas.

Infolge des aktuellen Sicherheitswahns verschlechtert das kürzlich verabschiedete Gesetz Sarkozy (in Frankreich) die Einreise- und Aufenthaltsbedingungen für Ausländer und verstärkt repressive maßnahmen: Verlängerung der Ingewahrsamnahme und Bau neuer Abschiebungszentren und -knäste; Datenerfassung von Antragstellern für Visa; solidaritätsdelikte, soziale Kontrolle und polizeiliche überwachung von Personen ohne Papiere und deren Angehörigen und Unterstützer. Das Gesetz Perben verstärkt dieses System der allgemeinen Kontrolle.

Lasst uns gemeinsam Ende August 2004 in der Gegend von Perpignan einen selbstverwalteten Bereich organisieren, um diese Politik und diese maßnahmen zu bekämpfen.

Etwa zehn Kilometer von dieser Stadt entfernt, nicht weit von Rivesaltes, befindet sich ein Abschiebungszentrum inmitten der Ruinen eines Konzentrationslagers, das ursprünglich als Kaserne senegalesischer Infanteristen gebaut wurde. Dieses Lager wurde unter Vichy erweitert um diejenigen einzupferchen, die P"©tain "Anti-Frankreich" nannte (SpanierInnen im Exil, KommunistInnen, AnarchistInnen, AntifaschistInnen, ZigeunerInnen, Juden und Jödinnen, von denen 2300 in Auschwitz ums Leben kamen). Frankreich hat keine Gelegenheit versäumt, dieses Lager wieder zu benutzen
(KollaborateurInnen, harkis [algerische Soldaten in einer Hilfstruppe der französischen Armee; Anm. d. Ü.] waren dort untergebracht).

Die Realisierung des Projektes gründet auf dem Zusammenschluss stützt sich
auf die Bildung eines Netzwerks lokaler Gruppen/Kollektive.

Dieses Camp wird unsere Fähigkeit zum Ausdruck bringen, unsere eigenen Orte
uns Zeiten der Präsenz, der Kommunikation und der Aktionen zu bestimmen. Wir
werden dort gleichzeitig Aktionen, Debatten, Treffen auf lokaler Ebene
führen, je nach Vorschlägen und Wünschen jedes/r Einzelnen. Diese etwa
zehntägige Erfahrung wird es erlauben, uns über unsere verschiedenen
Methoden und Schwerpunkte des Kampfes auszutauschen.

Kontakt: taz (at) rivesaltes2004.org