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Quellenangabe:
Rassistische Vorkommnisse bei Fußball-EM in Portugal (vom 05.07.2004),
URL: http://no-racism.net/article/872/, besucht am 08.02.2023

[05. Jul 2004]

Rassistische Vorkommnisse bei Fußball-EM in Portugal

Bislang beobachteten die Mitarbeiter von Football Against Racism in Europe (FARE) rund um mehrere Spiele der Vorrunde zur Euro 2004 in Portugal rassistisches Verhalten einiger Fans. Massive Probleme gab es am 17. Juni, als Kroatien gegen Frankreich spielte.

Beim Spiel zwischen Kroatien und Frankreich (17.6.) kam es wiederholt zu "Monkey Chants - Affenrufen" kroatischer Fans, die sich hauptsächlich gegen Sylvain Wiltord richteten. FARE - Mitarbeiter schätzen die Anzahl der kroatischen Fans, die sich an den rassistischen SchmÀhungen beteiligten auf bis zu 1000. Auf zwei kroatischen Transparenten waren Keltenkreuze als Symbol der internationalen "White Power" Bewegung zu sehen. Die Stadionordner wurden von FARE - Mitarbeitern darauf hingewiesen diese abnehmen zu lassen, kamen diesem Ersuchen allerdings nicht nach.

Neonazistische Symbolik im Stadion beim Spiel
Kroatien - Frankreich in Leiria


Aufgrund des Ausmaßes der Beschimpfungen hat sich FARE zu einer ungewöhnlichen maßnahme entschlossen: Das Netzwerk hat die UEFA dazu aufgefordert, noch während des laufenden Turniers sofortige Strafmaßnahmen wie z.B. eine Abmahnung oder eine Geldbuße einzuleiten. außerdem soll die UEFA dafür sorgen, dass bei zukünftigen Spielen Ordnungsdienst und Polizeibehörden rassistische oder neofaschistische Transparente erkennen und entfernen.

Piara Powar, vom englischen FARE-Partner "Kick It Out" befürchtet für das heutige Match Kroatiens gegen England zudem, dass die Spieler der englischen Mannschaft ähnlich schlecht behandelt werden wie im Oktober 2002 beim Spiel gegen die Slowakei. Ein solches Szenario wird dadurch noch bedrohlicher, dass einige der vielen englischen Fans, die zum Spiel gegen Kroatien erwartet werden, darauf negativ reagieren könnten."

Weitere Vorfälle


Dies waren allerdings nicht die einzigen Vorfälle. Von FARE - Mitarbeitern wurden zuvor noch weitere Vorkommnisse gemeldet.

Vor dem Spiel Spanien - Russland zogen ca. 50 eindeutig als Neonazis erkennbare spanische Fußballfans durch die Strassen von Faro. Sie fielen durch tätowierungen und Flaggen mit neonazistischer Symbolik wie dem Totenkopf der "Waffen-SS", dem "Keltenkreuz" oder der Zahl 88 (als Abkürzung für HH = Heil Hitler) auf.

Beim Spiel Dänemark - Italien salutierte eine kleine Gruppe italienischer Fans im Stadion von Guimaraes während der Nationalhymne mit ausgestreckter rechter Hand, dem italienischen Faschistengruß.

In der Nacht vor dem Spiel Deutschland - Niederlande mischten sich unter die feiernden deutschen und holländischen Fans auf dem zentralen Platz am Fluss Douro neonazistische Fans. Sie trugen Shirts und Kappen der neonazistischen Marke "Thor Steinar". Ein T-Shirt trug den Schriftzug "Ultima Thule" - eine offen neonazistische Musikband aus Schweden. Die GesÀnge dieser Fans "Hier marschiert der nationale Widerstand", "Wir sind deutsch" und "Holländer - HurenSÖHne" und "Zick-Zack-Zigeunerpack" fanden jedoch keine Nachahmer.

Auf dem Weg zum Stadion hissten einige wenige deutsche Fans die in Deutschland verbotene "Reichskriegsfahne". Im Stadion zeigte ein deutscher Fan während des Abspielens der Nationalhymne den "Hitlergruß". Aus kleinen deutschen Fangruppen waren während des Spiels auch "Dschungellaute" gegen Edgar Davids zu hören. Die breite Masse der deutschen Fans fiel - verteilt über das gesamte Spiel - durch den homophoben Gesang "Schwule, schwule Holländer" auf.

FARE ist mit einem Dokumentationsteam bei ausgewählten Spielen der EM vor Ort und hofft auf die Unterstützung aller Fans. Unter der Telefon-Hotline 00351-966027283 wiesen bereits mehrere Fans auf rassistische Vorkommnisse hin.

Quelle:
Fairplay