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Quellenangabe:
Solidarität gegen Abschiebung: karawane tour 2007 (vom 11.04.2007),
URL: http://no-racism.net/article/2046/, besucht am 01.02.2023

[11. Apr 2007]

Solidarität gegen Abschiebung: karawane tour 2007

Aufruf und Tourdaten der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen vom 19. Mai bis 4. Juni 2007 von Neuburg nach Rostock.

Zum Aufruf


Tourdaten


Mai 19-20 - Neuburg, Bayern
Demo gegen die Entrechtung der irakischen Flüchtlinge (:: Bericht und :: Aufruf vom 31.03.2006) | :: Eröffnung der Karawanetour | Öffentliches Hearing zum Widerstand gegen Lagersystem und rassistische Sondergesetze | Dezentrale Aktionen | Solidaritätsfest am Lager

Mai 21 - Forchheim & Nürnberg & Jena
Auf dem Weg nach Jena Demonstration vorm Landesamt in Forchheim | Demo und Aktion gegen die Politik des Bundesamtes für Flucht und Migration (BFMI) in Nürnberg | Konferenz :: "Keinen Kompromiss mit Abschiebungen! Rassismus mordet!" in :: Jena

Mai 22 - Jena & Freibessingen & Frankfurt (Hessen)
Fortsetzung der :: Konferenz in Jena | Solidaritätsaktion in :: Freibessingen (Thüringen) und Oberursel (Hessen)

Mai 23 - Frankfurt
Aktion vor der Ausländerbehörde Bad Homburg | Offenes Mikro für Flüchtlinge in der Frankfurter Innenstadt | :: weitere Informationen

Mai 24 - Düsseldorf
Konferenz :: "Gemeinsam gegen Abschiebung, Ausgrenzung und weltweite Ausbeutung" | Demonstration vor der ZAB in Düsseldorf und in der Innenstadt

Mai 25 - Dortmund, Büren
In Gedenken an :: Dominique Koumadio, erschossen von der Dortmunder Polizei am 14. April 2006 | Demonstration vor dem :: Abschiebeknast Büren | klassisches Konzert mit der Gruppe Lebenslaute

Mai 26 - Bramsche
Demo gegen das Abschiebelager in :: Bramsche | Offenes Mikro für Flüchtlinge | Aktion für Kinder

Mai 27 - Bremen
Demonstration in :: Bremen | Aktion mit der kurdischen Community

Mai 28 - Oldenburg
Aktion beim :: Abschiebelager Blankenburg | Demonstration in der Oldenburger Innenstadt | :: weitere Infos

Mai 29 - 30 Hamburg & Horst
Kundgebung und öffentliches Tribunal gegen die Abschiebung des kurdischen Künstlers und Oppositionellen :: Engin Celik sowie die deutsche Türkeipolitik in Kiel | Aktionen gegen die :: Praxis der Hamburger Ausländerbehörde | Kundgebung vor dem Lager in Horst | Kulturfestival mit Musik und Theater | :: weitere Informationen

Mai 31 - Schwerin
Aktion gegen die :: Flüchtlingspolitik des Landes Mecklenburg-Vorpommern und das dortige Lagersystem | :: weitere Informationen

Juni 1 - Berlin
Demonstration mit Jugend ohne Grenzen und Plataforma Berlin :: anlässlich der InnenministerInnenkonferenz gegen das geplante neue Ausländergesetz | :: Aktionstage in Berlin gegen die Verschärfungen im Zuwanderungsgesetz | Aktionen gegen Polizeibrutalität in Gedenken an :: Oury Jalloh, lebendig verbrannt in einer Dessauer Polizeizelle

Juni 2 bis 4 - Rostock & Heiligendamm
Widerstand gegen den G8-Gipfel | :: Aktionen zu Flucht und Migration | Internationaler Migrations-Aktionstag beim Anti-G8-Camp: :: "Für globale Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte" | Abschlussdiskussion und Reflexion





Solidarität gegen Abschiebung: karawane tour 2007

Zu den Tourdaten

Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört
Solidarität gegen Abschiebung
Für eine Welt ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Kriege


Neun Jahre nach der ersten Karawane für die Rechte der Flüchtlinge rufen wir nun zum dritten Mal auf, zusammen und in Solidarität gegen das deutsche System der Ausgrenzung, Unterdrückung und Abschiebung aufzustehen. Die Karawane-Tour 2007 findet unmittelbar vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm statt.

Als die meisten von uns – MigrantInnen und Flüchtlinge – unsere zerstörten Heimatländer verlassen haben, taten wir dies nicht als freie Menschen. Wir waren gezwungen zu fliehen. Gezwungen durch die unmenschlichen Lebensbedingungen, denen wir dort unterworfen wurden.

Diese Bedingungen manifestieren sich in unterschiedlicher Weise: In Hunger, Krieg, Armut, Diktaturen und in vielen anderen Formen. Sie allen wurzeln in einem System der Ausbeutung, Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Diese Entmenschlichung kennzeichnet die Weltordnung, die der Imperialismus der G8, ihrer mächtigen Kapitalfraktionen und Regierungen, uns aufzwingen.

Der Wohlstand der reichen Länder des Nordens (besonders der der "Gierigen 8") entspringt aus der rücksichtslosen und unmenschlichen 500-jährigen Ausbeutung und Kolonialisierung unserer Länder. Das ist der Grund, aus dem sie ihre Grenzen mit elektrischen Zäunen sichern müssen, um die unwillkommen und ungewollten MigrantInnen auszusperren, die aus den Ländern, die sie so schamlos plündern, hierher kommen.

Auf unsere Flucht reagieren sie mit Rassismus und dem Versuch, jede unserer Bewegungen zu überwachen und zu verhindern. In Ceuta, Melilla und vielen anderen Grenzstädten geben Polizei und Militär in ihrem rassistischen Wahn immer wieder tödliche Schüsse auf unschuldige Menschen ab. Immer wieder werden Schwarze und andere MigrantInnen von der Polizei in Deutschland und anderen europäischen Ländern erschossen oder auf andere Weise getötet.

Afrikanische Flüchtlinge, die das Glück hatten, die Überfahrt auf hoher See zu überleben werden auf den kanarischen Inseln, in Spanien und Italien in Lager gesteckt. Und die weitergehende militärische Aufrüstung der EU-Außengrenzen und der Grenze zwischen den USA und Mexico wird auch in Zukunft immer wieder zu Rassismus und zum Mord an Flüchtlingen führen.

Die russische Regierung missachtet die fundamentalsten Menschenrechte ebenso wie die übrigen G8-Staaten und ihr Angriffskrieg gegen die Unabhängigkeitsbestrebung Tschetscheniens zeigt ihre Arroganz und Verantwortungslosigkeit. Dieser Krieg wird als Teil des so genannten "Krieges gegen den Terror" hingestellt, ebenso wie die Besatzungen Afghanistans und des Iraks durch die G8-Staaten.

In Wahrheit sind diese Kriege nichts weiter als eine Folge der Konkurrenz der mächtigen Staaten untereinander. Im Namen des "Krieges gegen den Terror" werden militärische Aggressionen und Besatzungen gerechtfertigt. Es sind diese Kriege, die Menschen aus ihren zerstörten Ländern in die sicheren Länder des Westens fliehen lassen, wo sie ausgegrenzt und abgeschoben werden.

Europa und die USA versuchen mit militärischen Mitteln die Überwindung ihrer Grenzen durch Flüchtlinge zu verhindern. Gleichzeitig überqueren die Regierungen europäischer Staaten und der USA die Grenzen des Südens, um ihren Zugriff auf unsere Heimatländer zu sichern. Die Folge dieses Expansionismus ist nicht weniger als die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Die Länder des Westens exportieren Waffen und Munition und stützen die Diktatoren in unseren Heimatländern. Hier, in Europa, verfolgen sie diejenigen, die gegen diese Diktaturen kämpfen – um sie am Ende dorthin abzuschieben.

Abschiebung dient den Interessen des Kapitals und des Imperialismus. Abschiebung ist eine Missachtung der Menschenrechte. Sie ist ein sadistisches Unterdrückungsverhältnis zwischen Mächtigen und Verfolgten. Sie ist die Ursache des der Maschinerie des Lagersystems, mit all ihrer seelischen Misshandlung, des sexuellen Missbrauchs, der Ausbeutung, der Trennung von Familien und vielen anderen Formen der Entrechtung. Die :: Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen, die migrantischen Selbstorganisationen :: The VOICE Refugee Forum, die Sozialistische Partei Irans :: SPI, die Föderation der ArbeitsmigrantInnen aus der Türkei in Deutschland :: AGIF und andere haben gezeigt, dass Menschen aus verschiedenen Kontinenten und mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen gemeinsam und in Einigkeit kämpfen können.

Von Manila nach Diyarbakir, von Lomé nach Teheran, von Palästina nach Bremen oder von Colombo nach Berlin: Wir haben es in der Vergangenheit immer wieder geschafft, unsere Kämpfe zu vereinigen. Nur mit einer internationalen gemeinsamen Bewegung werden sich unsere Forderungen nach Bewegungsfreiheit, nach Bleiberecht und vor allem nach Menschenwürde erfüllen. Mit dieser Tour wollen wir uns die Freiheit nehmen, die wir wollen und dabei die inneren Grenzen, die uns die deutsche Regierung mit ihrer so genannten :: "Residenzpflicht" aufzwängt, überwinden.

Wir alle waren gezwungen, aus unserer Heimat zu fliehen.
viele, viele weitere werden uns folgen.
Jeder der und jede die diesen weg gehen will, muss eines wissen:
Die Freiheit ist kein Geschenk, dass uns auf diesem weg gemacht wird.
Wir müssen um sie kämpfen.
Wir sind bereit diesen Kampf um unsere Freiheit zu führen.
Die Freiheit aber, die wir uns bereits jetzt nehmen können,
ist die Freiheit unseres gemeinsamen Kampfes.
Mit unseren Taten und Worten werden wir kämpfen und es klar und deutlich sagen:

Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört!
Bewegungsfreiheit für alle!
Stoppt alle Abschiebungen!


Die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen lädt alle ein, an der Karawane-Tour 2007 teilzunehmen. Wir werden vom 19. Mai bis zum 4. Juni zwei Wochen durch Deutschland reisen. Die Tour wird in Neuburg bei München beginnen und in Rostock in der Nähe des G8-Gipfelortes Heiligendamm enden. Auf diese Weise wollen wir den Zusammenhang zwischen der Zerstörung der Herkunftsländer der Flüchtlinge und der Politik der G8-Staaten sichtbar machen. Bei allen unseren Aktionen werden wir daher Bezüge zu den Herkunftsländern herstellen. Außerdem wollen wir die Öffentlichkeit auf die menschenfeindliche :: Lager- und Abschiebepolitik Deutschlands und :: der Europäischen Union aufmerksam machen. Die Tour wird gemeinsam von Flüchtlings- und MigrantInnenselbstorganisationen mit dem :: No-Lager-Netzwerk und anderen antirassistischen Gruppen organisiert.