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Quellenangabe:
Rechter Terror in Deutschland (vom 20.09.2017),
URL: http://no-racism.net/article/5251/, besucht am 24.11.2017

[20. Sep 2017]

Rechter Terror in Deutschland

Allein im Jahr 2016 gab es in Deutschland mehr als 3750 Angriffe von Rechten auf Geflüchtete, davon 27 Sprengstoff- und 149 Brandanschläge auf Unterkünfte. Die Webprojekte "Rechtes Land" sowie "Mut Gegen Rechte Gewalt" dokumentieren diese Übergriffe und veranschaulichen ihre Verbreitung sowie Zunahme während der letzten Jahre.

Überall in Europa brennen Flüchtlingsunterkünfte. Doch diese Bilder, die den Terror gegen die Anderen zeigen, gelangen nur gelegentlich an die breite Öffentlichkeit. Denn für den Terror in Europa werden eben die Anderen verantwortlich gemacht.

Der rechte Terror geht einher mit rassistischer Hetze. Waren früher vor allem Tageszeitungen, rechte Postillen sowie rassistische Beschmierungen im öffentlichen Raum hauptverantwortlich für die Verbreitung dieser Informationen, bekommt die Stimmungsmache gegen zu Anderen erklärten Menschen in Zeiten des Internets eine zusätzliche Dimension. Die antirassistische Initiative ZARA aus Wien, die jährlich den :: Rassismus Report herausgibt, einen Einzelfall-Bericht über rassistische Übergriffe und Strukturen in Österreich, stellte eine massive Zunahme von Online Hass- und Hetzbotschaften im Jahr 2016 fest. Im Beitrag "Die Sprache kommt vor der Tat" wird ausgeführt: Verbale Gewalt kann den Weg für physische Gewalt ebnen. Dies birgt die Sprache als Gefahr in sich - ihre missbräuchliche Verwendung durch Hate Speech bzw. Hassrede bekommt im Angesicht der sozialen Medien aber eine neue und besorgniserregende Dimension.

Die theoretische Auseinandersetzung mit - der Zunahme - von rechter Gewalt und faschistischem Terror ist wichtig, jedoch erachten wir es als notwendig, rassistische Gewalt zu dokumentieren (auf :: no-racism.net/racismkills findet sich eine unvollständige Dokumentation von Todesfällen bei Deportationen und in Polizeigewahrsam). Insbesondere in Zeiten, in denen tagtäglich über angebliche Bedrohungen von Außen berichtet wird, erscheint es erforderlich, den Blick auf eine viel präsentere Bedrohung zu lenken: Den Terror von rechts, der sich sowohl gegen die Anderen, deren Unterstützer_innen und Menschen mit einer anderen politischen Gesinnung, insbesondere gegen Antifaschist_innen richtet; gegen alle, die nicht ins rechte Weltbild passen.

Um das Ausmaß rechter Gewalt aufzuzeigen, präsentieren wir im folgenden zwei Webprojekte aus Deutschland, die sowohl Ausmaß als auch Entwicklung des rechten Terrors aufzeigen.


"Rechtes Land"


Das antifaschistischen pressearchiv und bildungszentrum berlin (apabiz), das seit vielen Jahren rechte Aktivitäten und Gewalt dokumentiert, veranschaulicht mit ihrem Onlineprojekt :: rechtesland.de die Entwicklung des rechten Terrors: "Rechtes Land" ist ein Atlas über rechte Strukturen und Aktivitäten in Deutschland. Kartiert darin sind Orte von Neonazis und anderer extrem Rechter, ihre Verbände, ihre Morde, ihre Überfälle und Aufmärsche.

Durch die grafische Darstellung und die Möglichkeit, beispielsweise zwischen der Darstellung von Angriffen auf Unterkünfte Geflüchteter, Brandanschläge oder rassistische Angriffe allgemein, sowie die Möglichkeit, dies Jahr für Jahr seit 2014 auszugeben, werden die bundesweite Verbreitung und die Zunahme in den letzten Jahren verdeutlicht.


"Mut Gegen Rechte Gewalt"


Das Internetportal :: mut-gegen-rechte-gewalt.de, ein Projekt des Magazins stern und der Amadeu Antonio Stiftung, dokumentiert sowohl Übergriffe mit rassistischen als auch neonazistischen Hintergrund (was teilweise nicht zu trennen ist). In der Bundesrepublik Deutschland hat die Gewalt gegen Minderheiten und Menschen, die nicht in das rechte Weltbild passen seit 1990 zu circa 200 Todesopfern geführt: "Mindestens 179 Todesopfer rechter Gewalt seit dem Wendejahr 1990 sowie 21 weitere Verdachtsfälle und einen Sonderfall." (Anmerkung: Von der linken Seite gab es im selben Zeitraum kein einziges Todesopfer.)


Im folgenden mehr zur Funktion der beiden Webprojekte und ein paar Screenshots zur Veranschaulichung.


Wie funktioniert "Rechtes Land"?


"Rechtes Land" ist ein Atlas über rechte Strukturen und Aktivitäten in Deutschland. Kartiert darin sind Orte von Neonazis und anderer extrem Rechter, ihre Verbände, ihre Morde, ihre Überfälle und Aufmärsche.

Es werden aber auch Information und Engagement gegen Rechts verzeichnet. Und nicht zuletzt geht es darum, Orte des Erinnerns an die Nazivergangenheit zu zeigen.

Auf unserem Atlas werden Informationen und Wissen über Rechte, das an vielen Stellen im Internet vorhanden ist, gebündelt und auf einer gemeinsamen Karte visualisiert. Das Wissen wird weitgehend automatisiert den Orten zugeordnet, um die es geht. Klickt man auf einen Marker auf der Karte, gibt es nähere Infos und Details und man kommt auf die Quelle der Meldung - auf die Webseite oder das Blog derjenigen, die sich auskennen und darüber berichten.


:: Zum Atlas auf rechtesland.de


Rassistische Angriffe gegen Geflüchteten, Helfer_innen und Unterkünfte 2016 (3750)


Rassistsiche Angriffe gegen Unterkünfte von Geflüchteten 2016 (588)


Anschläge gegen Helfer_innen 2016 (217)


Rassistische Brandanschläge in Deutschland im Jahr 2014 (32) und 2015 (144).


Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland


Karte flüchtlingsfeindlicher Vorfälle



Rechte Gewalttaten in Deutschland vom 30. Dezember 2015 bis zum 28. Dezember 2016.

:: Zur Karte flüchtlingsfeindlicher Vorfälle auf mut-gegen-rechte-gewalt.de

Die gemeinsame Chronik der Amadeu Antonio Stiftung und PRO ASYL dokumentiert Übergriffe und Demonstrationen gegen Geflüchtete und ihre Unterkünfte. Die Datengrundlage der Chronik sind öffentlich zugängliche Berichte in Zeitungsartikeln, Pressemitteilungen der Polizei sowie Meldungen lokaler und regionaler Register- und Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Die Dokumentation unterscheidet folgende Vorfälle bzw. Arten von Übergriffen: Brandanschläge (auf Asylunterkünfte oder Einrichtungen, die sich unmittelbar für Geflüchtete engagieren), rechte Kundgebungen/Demonstrationen, "Sonstige Angriffe" (z.B. Böller- oder Steinwürfe, rechte Schmierereien etc.) sowie Körperverletzungen.

Tätliche Übergriffe/Körperverletzungen werden in dieser Dokumentation nur dann aufgenommen, wenn der Status der Betroffenen als Geflüchtete bestätigt ist. Das Ausmaß an rassistisch motivierten Angriffen (unabhängig vom Status der Betroffenen) ist jedoch um ein Vielfaches höher und wird in dieser Chronik nicht erfasst. Auch können Übergriffe, die jenseits der angegebenen Kategorien verübt werden, unabhängig ihrer Schwere zwar unter Umständen im Text erwähnt, nicht jedoch in die entsprechende Zählung der Chronik einbezogen werden. Darunter fallen z.B. Übergriffe auf Unterstützer_innen von Geflüchteten. In beiden Fällen geben die Zählungen verschiedener Opferberatungsstellen Auskunft.

Rechte Demonstrationen und Kundgebungen können aufgrund des aktuellen Ausmaßes nicht vollständig in der Chronik abgedeckt werden. Auch hier sind die realen Zahlen weitaus höher als in der Chronik abgebildet. Die Chronik beschränkt sich seit Januar 2016 auf Demonstrationen, bei denen es zu justiziablen Vorfällen kam (nicht-angemeldete Demonstration, Volksverhetzung, Angriffe auf Gegendemonstrant_innen, Presse, Polizei etc.). In einigen Fällen kann es vorkommen, dass Vorfälle in mehreren Kategorien gezählt werden, etwa wenn aus einer nicht angemeldeten Demonstration heraus Angriffe begangen werden.



:: 200 Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt seit 1990