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[ 06. Jul 2007 // letzte änderung: 09. Jul 2007 ]

Hausbesetzung in Graz

Am Fr, 6. Juli 2007 um 22:50 Uhr besetzte eine für Graz sehr große Gruppe Menschen das Haus in der Grenadiergasse 2, Ecke Kernstockgasse. In der ehemaligen St. Andrä Schule, die sich im Besitz des Magistrats Graz befindet, soll die Idee eines sozialen Zentrums in der Steiermark verwirklicht werden. Am Mo, 09. Jul 2007 um 19:00 startete die Polizei mit der Räumung.
Hier findet ihr zwei Pressemitteilungen und ein Communiqué der SquatterInnen von vor der Räumung.

 


Inhalt:
presseaussendung zur drohenden räumung des squats in graz (08. Jul 2007)
Communiqué zur Hausbesetzung in Graz (07. Jul 2007)
Pressemitteilung: Besetzung in Graz, Grenadiergasse 2



presseaussendung zur drohenden räumung des squats in graz - 8.7.07


Gewaltsame Räumung der Besetzung befürchtet.

--- Die seit Freitag andauernde friedliche Besetzung in der Grenadiergasse 2 in Graz ist akut von der Räumung bedroht. Deshalb findet am Montag, 9.7., um 09:00 eine Pressekonferenz vor dem Haus statt. ---

"In Erwägung, daß da Häuser stehen /
während ihr uns ohne Bleibe laßt /
haben wir beschlossen, jetzt dort einzuziehen /
weil es uns in uns'ren Löchern nicht mehr paßt."

Aus: Bert Brecht, Resolution der Kommunarden

Vergangenen Freitag, den 6.7.2007, wurde die ehemalige St.Andrä-Schule in der Grenadiergasse 2 in Graz besetzt. Von Beginn an wurde das Gebäude als alternative Kultur- und Wohnstätte in Betrieb genommen; laufend Workshops, Diskussionen und andere Projekte verwirklicht, die ohne diesen neuen Raum und die Kreativität dieser Bewegung so niemals stattfinden könnten.

Das Interesse, die Solidarität ist enorm: über Hundert Menschen, darunter auch PassantInnen und NachbarInnen besuchten am Samstag-abend das Haus&Hoffest.

Die aktuelle Lage stellt sich folgendermaßen dar: Am Sonntag, den 8.7., trafen VertreterInnen der Polizei und der Immobiliengesellschaft "Estate Scherer", die das Objekt von der Stadt gekauft haben soll, ein. Von Seiten der Firma bestand kein Verhandlungsinteresse. Die Polizei kündigte an, die Gebäude gewaltsam räumen zu wollen, wenn die BesetzerInnen nicht bis spätestens Montag, 09:00 die Liegenschaft verlassen hätten. (Zitat eines Beamten: "...weil wenn wir dann 'reinkommen, dann spielt's Granada...") Es sei darauf hingewiesen, dass ein Räumungsmandat nicht vorgewiesen werden konnte.

Die rechtliche Lage ist für uns aber eindeutig: Die Stadt Graz ist nach wie vor als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen; und wir werden nur mit VertreterInnen der gesetzmäßigen Eigentümerin verhandeln. Die Solidarität, die uns in und außerhalb von Graz entgegengebracht wurde, bestärkt uns in unserem Vorhaben, ein autonomes Kulturzentrum zu errichten. Wir unterstreichen nochmals, dass alternativen, gesellschaftskritischen Projekten in Graz zu wenig Platz eingeräumt wird - und wir wollen diesen bieten.

Eine freiwillige Räumung des Gebäudes oder ein Nachgeben auf Grund von massiven Gewaltandrohungen von Seiten der Polizei kommt für uns nicht in Frage. Wir wollen uns auf einer argumentativen Ebene auseinandersetzen; von uns aus wird keine Gewalt ausgehen.

Da eine illegitime und gewaltsame Räumung des Gebäudes zu befürchten ist, werden wir am 9.7. um 09:00 Uhr in der Grenadiergasse 2 eine Pressekonferenz einberufen.



Communiqué zur Hausbesetzung in Graz


Wir haben die ehemalige St.Andrä-Schule (Grenadiergasse 2) besetzt. Wir sind hier. Wir werden bleiben.

Dieser Ort, der der Öffentlichkeit unzugänglich war und seit längerem unbenutzt leer stand, wollen wir wieder zum Leben erwecken, wieder für alle öffnen.

Unsere Absichten sind zweierlei: einerseits startet hiermit ein neues Projekt, in Graz, das unterschiedlichste autonome Kultur-, Kunst- und Wohnideen verwirklichen soll. Andererseits sei dadurch ein Problem verdeutlicht: während die Mehrheit der Menschen in Graz in überteuerten Wohnsituationen leben müssen, alternative Kultur- und Kunstprojekte keinen Zugang zu Räumlichkeiten haben, bereichert sich eine Minderheit an dieser Misslage. Wohnungen, Räume, die unsere Grundbedürfnisse darstellen, werden der kapitalistischen Verwertungslogik unterworfen.

Es sei hiermit ein Zeichen gesetzt: es gibt Menschen, die diese Situation nicht weiter tolerieren werden, mit Aktionen wie diesen den (öffentlichen) Raum für alle zugänglich machen wollen, machen werden. Es ist unsere Stadt.

"Alles für Alle, und zwar umsonst!" ist keine Utopie von Närr_innen, wie wir wohl meist dargestellt werden. Diese Parole drückt die einzig mögliche Gerechtigkeit aus, für die es sich lohnt, auf die Barrikaden zu gehen. Für ein autonomes Haus, für eine Stadt, für eine Welt ohne Rassismus, Sexismus und jeglicher Form der Unterdrückung, jegliche Form der Ausbeutung, gegen jegliche Form der Herrschaft.

Wir stehen heute mit unserer Besetzung erst am Anfang. Alle sind herzlichst eingeladen, dieses Haus mit ihren Vorstellungen zu beleben. Kommt. Hier und jetzt beginnt das Neue.

Hausbesetzer_innen_Plenum, Graz, 07.07.'07


Pressemitteilung: Besetzung in Graz, Grenadiergasse 2


--- Das sich im öffentlichen Eigentum befindliche leer stehende Gebäude der ehemaligen St. Andrä-Schule in der Grenadiergasse Ecke Kernstockgasse wurde besetzt, um es wieder der öffentlichen Nutzung zugänglich zu machen ---

Nach der Besetzung in der Elisabethinergasse im April dieses Jahres folgte in der Nacht von Freitag, 6.7.2007, auf Samstag eine nächste Besetzungsaktion.

Nachdem weiterhin kein Raum für emanzipatorische Initiativen zur Verfügung steht, sind wir erneut aktiv geworden und wollen unserer Forderung Nachdruck verleihen. Auch andere Gründe für eine Besetzung sind weiterhin aktuell:

Grundstückspreise und Mieten sind nach wie vor für viele Menschen nicht leistbar. Wir alle sind gezwungen, uns auszubeuten oder ausbeuten zu lassen, nur um ein Dach über dem Kopf zu haben. Gleichzeitig stehen österreichweit über 8 Prozent (in absoluten Zahlen über 326 000) aller Wohnungen leer, die als Spekulationsobjekte dienen anstatt genutzt zu werden.

Wir sind nicht bereit, dem länger zuzusehen. Deshalb haben wir das Haus besetzt, werden es renovieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Projekte und Menschen, die nach wie vor keinen sozialen und/oder physischen Raum haben, sind eingeladen, sich zu beteiligen und ein aktives Umfeld aufzubauen. Ideen und konkrete Planung für deren Umsetzung gibt es bereits zuhauf: Ein Wohntrakt, ein Nachbarschaftszentrum, Ausstellungs- und Bandproberäume, ein Cafe ohne Konsumzwang, eine Fahradwerkstatt, eine Waschküche, eine Zeitungswerkstatt und Druckerei. Das Haus stellt die Infrastruktur für weitere selbst verwaltete Projekte dar, die Umsetzung liegt bei den einzelnen engagierten Menschen.

Die Häuser denen, die sie bewohnen und beleben!

Mit kämpferischen Grüßen an die Öffentlichkeit

Grazer Squatter, 06.07.'07
squatters_graz (at) everymail.net