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[ 11. Oct 2009 ]

Erneut Hungerstreik in Pagani - Solidaritaet jetzt!

Hungerstreik für Freiheit

Am 1. September 2009 begannen 47 minderjaehrige Gefangene einen Hungerstreik im Internierungslager Pagani auf der griechischen Insel Lesbos. Dieses Lager ist in den letzten Wochen wegen der miserablen Haftbedingungen verstaerkt in Kritik geraten. Aktivist_innen unterstuetzten die Gefangenen am 3. September mit einer lautstarken Demonstration vor den Zaeunen.

 

Viele der Gefangenen sind bereits seit mehr als zwei Monaten eingesperrt. Ihnen wurde versprochen, am Montag, 31. August entlassen zu werden, da dies nicht geschah und es keine Anzeichen gab, dass sie entlassen werden, entschieden sich 47 der minderjaehrigen Gefangenen fuer einen :: Hungerstreik. Dieser startete am 1. September. Sie fordern die Freiheit und protestieren gegen die Nichteinhaltung der Versprechungen und die Haftbedingungen. So teilten sie mit, dass das Trinkwasser sehr schlecht ist und kaum zu trinken, vier Leute haben neben dem Hunger- auch einen Durststreik begonnen.

Die Gefangenen berichten, dass taeglich neue Gefangene hinzukommen. Waehrend des Noborder Camps auf Lesbos wurden ein internationaler Druck gegen die Internierung in Pagani aufgebaut und die Proteste der Gefangenen unterstuetzt. Die Behoerden errichteten angesichts der Umstaende ein offenes Lager in der Naehe des Flughafens von Mitilini und etliche Gefangene wurden entlassen. Die Entlassenen erhalten in der Regel ein Papier, mit dem sie aufgefordert werden, innerhalb von 30 Tagen das Land zu verlassen, gleichzeitig koennen sich die Migrant_innen in dieser Zeit relativ sicher in Griechenland bewegen. Das Ziel der meisten ist vorerst Athen, von wo aus sie ihre Reise fortsetzen wollen.

In Athen koennen sie theoretisch die Asylbehoerden aufsuchen, doch ist das Stellen eines Asylantrages sehr schwer, da nur wenige Leute in das Gebaeude eingelassen werden. Als Fluechtling in Griechenland anerkannt zu werden, ist nahezu unmoeglich. Deshalb versucht der Grossteil der Migrant_innen in andere Laender der EU weiterzureisen, was aufgrund der verschaerften Repression und zahlreicher Razzien der Behoerden immer schwieriger wird.

Die Proteste im ehemaligen Lagerhaus in Pagani, das zu einer Massenhaftanstalt fuer Migrant_innen umgebaut wurde und massiv ueberbelegt ist, dauern schon lange an. In der vergangenen Wochen erzeugte vor allem ein :: Hungerstreik von 160 minderjaehrigen Migrant_innen Aufmerksamkeit. Dieser dauerte zwei bis drei Tage und wurde durch Aktivist_innen von aussen unterstuetzt, die fuer ein Noborder Camp von 25. bis 31. August aus allen Teilen Europas anreisten. Durch die Dynamik, die vor allem durch die Proteste im Lager erzeugt wurde, begann das Noborder Camp frueher als geplant. Es gab mehrere Solidemonstrationen vor dem Lager. Die Polizei hielt sich anfangs sehr zurueck und beschraenkte sich zeitweise darauf, die geoeffneten Tore wieder zu verriegeln. Mit dem Andauern der Proteste wurde die Repression jedoch verschaerft.

Zu einem unmittelbaren Aufeinandertreffen zwischen den Gefangenen und Unterstuetzer_innen kam es am :: 29. August. Als eine Gruppe vom Noborder Camp in Pagani ankam, trafen sie auf neuerliche Proteste im Lager. Zahlreiche Gefangene weigerten sich, zurueck in ihre Zellen zu gehen und besetzten den Hof. Sie wollten dort einen Hungerstreik bis zu ihrer Freilassung beginnen, die ihnen schon mehrmals versprochen wurde. Einige der Aktivist_innen gelangten in den Hof, doch muss kritisiert werden, dass einzelne ?Unterstuetzer_innen? versuchten, hemmend auf die Proteste der Gefangenen einzuwirken und somit die Behoeden unterstuetzten. Die Aktion endete damit, dass die Aktivist_innen von Sondereinheiten der Polizei weggepruegelt wurden, einige trugen schwere Verletzungen davon. Den Gefangenen wurde vesprochen, in den naechsten Tagen freigelassen zu werden. Sie sollten Tickets fuer die Faehre erhalten. Sie beendeten deshalb ihren Protest voruebergehend. Erfuellt wurde die Versprechungen jedoch nicht.

Nun haben 47 der minderjaehrigen Gefangenen erneut einen Hunger- und teilweise einen Durststreik begonnen. Sie benoetigen dafuer dringend Unterstuetzung von draussen. Die meisten Aktivist_innen, die zum Noborder Camp angereist sind, haben die Insel mittlerweile wieder verlassen und die lokalen Aktivist_innen sehen sich mit der alltaeglichen Repression durch die Behoerden konfrontiert. Das offene Lager beim Flughafen soll am kommenden Freitag, 4. September, wieder geschlossen werden. Wie es dann weiter geht, bleibt offen. Medienberichten zufolge haben Innenministerium und lokale Behoerden die Errichtung eines neuen Internierungslagers fuer Migrant_innen beschlossen. Dieses soll die Gefangenenschaft unter humaneren Bedingungen ermoeglichen, es ist aber auch zu erwarten, dass es mit hoeheren Zaeunen und Mauern umgeben sein wird, die das Durchdringen der Solidaritaet erschwerden werden.

Nach dem Ende des Nopborder Camps soll die Unterstuetzung nicht einfach enden. Einige Aktivist_innen haben sich deshalb entschlossen, die Proteste einige Tage laenger als geplant fortzusetzen. Nicht nur auf Lesbos selbst, sondern auch vor griechischen Botschaften und Konsulaten ueberall in Europa. Schon vor einigen Tagen wurde eine :: Fax- und Email-Kampagne gestartet.


Hungerstreik beendet


Der Hungerstreik der 47 minderjährigen Gefangenen wurde am Nachmittag des 3. September beendet. Ein paar der Gefangenen wurden mittlerweile aus Pagani entlassen und konnten sich Richtung griechischem Festland bewegen.

Artikel zuerst veröffentlicht am 03. Sep 2009 auf :: at.indymedia.org