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[ 08. Mar 2005 ]

Tod in der Schubhaft

abschiebung ist mord

Am 22. Februar 2005 wurde der algerische Schubhäftling Ben Habra S. tot in einer Einzelzelle im Polizeigefangenenhaus Hernalser Gürtel aufgefunden. Die Öffentlichkeit erfuhr davon bisher nichts.

 

Von der Bundespolizeidirektion Wien war am Dienstag, 8. März 2005, nicht mehr zu erfahren, als dass es sich um Selbstmord handeln soll. Die Umstände sind jedoch schwer nachvollziehbar. GerÃ?chte, S. sei am Tag vor seinem Tod von Polizisten verprügelt worden, wehrt die Bundespolizei nach mehreren Anfragen ab: Der Schubhäftling habe sich mit einem Leintuch erhängt, heißt es in der Pressestelle.

Warum der Todesfall zwei Wochen lang verschwiegen wurde, erfährt mensch von der Bundespolizeidirektion Wien nicht. Die Vorgeschichte des Häftlings lässt die Selbstmordtheorie jedoch zumindest in Frage stellen: S. war bereits fünf Mal in Schubhaft gewesen, war aber jedes Mal nach einem Hungerstreik freigelassen worden.

Auch dieses Mal hatte er sich in den Hungerstreik begeben - nur zwei Tage vor seinem Tod. Seine Betreuerin im Gefängnis, eine Mitarbeiterin des Vereins "Menschenrechte Österreich", gab an, mit S. noch am 21. Februar über seine Zukunftsperspektiven gesprochen zu haben: Wie aus einem der Polizeidirektion vorliegenden GedÃ?chtnisprotokoll hervorgeht, habe sie S. in diesem Gespräch informiert, dass es "kaum Abschiebungen nach Algerien" gebe, um ihn so zum Stopp des Hungerstreiks zu überreden. Doch S. wehrte ab: Es habe "auch bisher so am besten funktioniert". Einen Tag später war der Schubhäftling tot.

Im Polizeigefangenenhaus Hernalser Gürtel selbst wurde auf Medienanfragen nicht Stellung genommen. Die algerische Botschaft ist über den Vorall informiert und wartet zur Zeit auf den Obduktionsbericht.

Quelle: derstandard.at