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[ 03. Sep 2005 // letzte änderung: 20. Sep 2005 ]

Zwei Migranten von der spanischen Polizei getötet

melilla

Am 29. August 2005 wurden zwei Migranten durch Angehörige der spanischen Guardia Civil ermordet. Die beiden versuchten gemeinsam mit anderen die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Enklave Melilla zu überqueren. Hier eine Klarstellung zu den Ereignissen aus Marokko.

 

Um zwei Uhr morgens am 29. August 2005 begibt sich eine Gruppe von 52 EinwanderInnen an den Grenzzaun von Melilla. Die Gruppe teilt sich in drei Einzelgruppen, eine davon bestehend aus 16 Einwanderern. Diese Gruppe wird von zwei Wagen der Guardia Civil gesichtet. Die vier Beamten steigen aus und beginnen, mit Gummigeschossen zu feuern. In diesem Moment trifft Verstärkung ein, mehrere Wagen.

Von der Gruppe der 16 haben acht die beiden Zäune überquert, die marokkanisches von spanischem Territorium trennen. Zwei von diesen erbrechen Blut, ein Gummigeschoß, aus sehr kurzer Entfernung abgeschossen, hat einen Einwanderer in der Magengegend verletzt. Ein anderes Geschoß, auch aus kurzer Distanz, traf einen anderen Einwanderer an der Brust.

Beamten der Guardia Civil beginnen, mit Gewehrkolben und Elektroschockern auf die acht bereits zu Boden gebrachten Einwanderer einzuschlagen. Einer dieser acht Einwanderer sieht, dass einer seiner Begleiter, der Blut erbrochen hatte, sich nicht mehr bewegt. Der andere übergibt sich weiter. Die Guardia Civil Öffnet die kleine Tür des Drahtverhaus, der als Grenze zwischen Melilla und Marokko dient, und schickt die acht Leute auf marokkanisches Gebiet. Einer von ihnen ist ein regloser körper, ein anderer ist schwer verletzt.

Die sechs Genossen rennen, um sich zu verstecken. Erst am nächsten Morgen entdeckt die Gemeinschaft der kamerunischen Einwanderer eine der Leichen. Die andere, die neben dem Drahtverhau lag und die von einem Einwanderer aus Guinea gesehen wurde, wird von Organen der küniglich-marokkanischen Gendarmerie geborgen. Am Mittag des 29. wendet sich die Gemeinschaft der kamerunischen EinwanderInnen an soziale Organisationen, um diese Todesfälle zu melden und zu bezeugen.

Am Nachmittag beschließen sie, dass sich eine Gruppe dieser kamerunischen StaatsbürgerInnen einem der offiziellen Grenzübergänge von Melilla nähern soll, um der Guardia Civil die Leiche zu zeigen, die sich auf der anderen Seite des Drahtverhaus befindet. Sie tun das in Form eines Protestes und klagen direkt die Guardia Civil wegen des Todes des Genossen an.

Nachdem die ersten Augenblicke der überraschung vorbei sind, treffen die marokkanischen Behörden in dem Gebiet ein und nehmen diese Gruppe fest, die auf die Wache gebracht wird, um anschließend an der Grenzstation Argelia abgeschoben zu werden.

Am 30. August kurz nach vier Uhr nachmittags wurde einer der Einwanderer, der Zeuge der Vorfälle war, bei der königlichen Gendarmerie befragt. Am 31. August mittags bestätigen zwei Zeugen marokkanischer Staatsangehörigkeit, gesehen zu haben, dass die Guardia Civil am Morgen des 29. eine Gruppe Einwanderer hinausgetrieben hat, und dass zwei der Personen praktisch von Beamten der Guardia Civil geschleppt wurden. Zeit und Ort der marokkanischen ZeugInnenaussagen stimmen mit den erklärungen der kamerunischen Zeugen überein.


Brutale Razzia gegen EinwanderInnen in den Wäldern von Nador


Am 31. August 2005 um sechs Uhr morgens drangen marokkanische Militärs in die Wälder von Nador nahe bei der Grenze von Melilla ein, wo sich die subsaharischen EinwanderInnen befinden. Die Razzia war laut Berichten der EinwanderInnen selbst schrecklich. Um drei Uhr nachmittags marokkanischer Zeit konnten wir mit einigen der EinwanderInnen Verbindung aufnehmen, die sich seit diesem Morgen versteckt halten. Sie bestätigen, dass es viele Verhaftete gibt, die an die Grenze von Argelia abgeschoben werden, und dass die Zahl der marokkanischen Sicherheitsorgane viel größer war als bei anderen Gelegenheiten.

Die Militäreinheiten verfügten auch über einen Hubschrauber. Wie in den meisten fällen wurden die EinwanderInnen von marokkanischen MilitärAngehörigen gefoltert, und es gab auch fälle von Plünderung. Die ganze spärliche Habe der EinwanderInnen wurde entweder verbrannt oder geraubt. Die kamerunischen GenossInnen bekräftigten, dass sie seit dem Tod der beiden Einwanderer zwei sehr harte Tage erlebt haben.


Quellen


Interviews mit kamerunischen Zeugen
Interviews mit marokkanischen Zeugen
Interviews mit marokkanischen Journalisten
Interviews mit lokalen marokkanischen Organisationen

übersetzung von: A las dos de la madrugada, redigiert von no-racism.net.