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[ 17. Apr 2008 ]

Rechtshilfeinfo, Stressbewältigung und Traumainformation

Repression

Wir dokumentieren ein vorläufiges Resümee der Rechtshilfe Wien zur Räumung der Spitalgasse 11 am 13. April sowie einen Text zu Stressbewältigung und dem Umgang mit traumatischen Ereignissen in aktivistischen Zusammenhängen.

 

Während der Räumung des Hauses in der Spitalgasse 11 in Wien kam es zu 126 Identitätsfeststellungen und einer vorübergehenden Festnahme.
Die Daten aller Personen im Polizeikessel direkt vor dem Haus und der 46 Personen im Haus wurden von der Polizei aufgenommen und die Personen wurden abfotografiert. Einige wurden auch vor Ort perlustriert. Seitens der Polizei kam es zu verbalen Belästigungen und vereinzelt zu unverhältnismäßigen Gewaltanwendungen.

Wichtig: Hausbesetzung ist kein strafrechtliches Delikt.

Die Einschätzung der Rechtshilfe zur Räumung und deren Folgen:
1. Es wird ein Verfahren wegen Widerstand und schwerer Körperverletzung gegen eine Person geben.
2. Es kann zu Ermittlungen gegen identifizierte Personen wegen Sachbeschädigung und somit zu Vorladungen bei der Polizei kommen.

WICHTIG:
* JEDE/R HAT DAS RECHT DIE AUSSAGE ZU VERWEIGERN!!!
* Mit Video und Fotomaterial vorsichtig umgehen, vor allem wenn Personen darauf abgebildet sind, alles kann gegen Betroffene verwendet werden (nicht nur Gesichter sondern auch Kleidung, Schuhe, etc. können der Identifikation dienen).

Wie weiter?
Keine Panik! Es gibt Rechtshilfestrukturen und Soligruppen.
Falls ihr Vorladungen bekommt, meldet euch bei der Rechtshilfe.
Du hast das Recht, zu jeder Vorladung eine Vertrauensperson mitzunehmen.
Keine Aussagen bei der Polizei und bei der/dem UntersuchungsrichterIn.
Das Verfahren beginnt erst mit der ersten Hauptverhandlung, alle Aussagen bei der Polizei werden gegen dich und andere verwendet.

Betroffenentreffen:
24. April Donnerstag 19 Uhr EKH (Wielandgasse 2-4,1100 Wien)

Inhalte:
Was kann kommen?
Wie reagieren auf Briefe?
Was bedeutet Repression?
Aussageverweigerung!!

Rechtshilfetelefonnummer: 0650 7955508 auch in Zukunft für diese Angelegenheit bitte auf der Mailbox oder per SMS deine Telefonnummer hinterlassen, du wirst zurückgerufen.

Repression: Betroffen sind nur wenige, gemeint sind wir alle.

Rechtshilfe Wien 15.04.08



Stressbewältigung und Traumainformation


aus Dissent! Network Wiki

in unserem leben als aktivist_innen, setzen wir uns häufig ganz bewusst extremen situationen aus: situationen, in denen wir unter umständen außerordentliche gewalt erleben, während wir wenig oder keine kontrolle darüber haben, was uns oder anderen geschieht. in den jahren des gelebten widerstandes wurden strukturen aufgebaut, um die negativen auswirkungen des politischen aktivismus zu veringern oder vermeiden, wie zum beispiel ermittlungsausschüsse, rechtshilfe gruppen und demosanis. aber wenig, wenn überhaupt, wurde sich mit den psychologischen folgen des extremen stresses, dem wir uns mit dem wiederstand gegen herrschaftverhältnisse aussetzen, auseinandergesetzt.

situationen zu erleben, die die physische oder psychische integrität eines menschen bedrohen kann einen starken druck auf menschen ausüben, der auch nach dem ende des ereignisses weiterwirken kann. einige psychologische folgen sind relativ weit verbreitet. zum beispiel chronischer stress, das burn out syndrom oder die posttraumatische belastungsstörung.

nicht jede_r wird psychische reakionen zeigen. aber nicht wenige tun es und bleiben allzu oft damit alleine.

das wichtgste ist, sich über mögliche folgen bewusst zu sein. es gibt wege, die wahrscheinlichkeit ein stress syndrom zu entwicklen, zu verringern. wenn du auf aktionen gehst, gehe nicht allein. versuche mit einer bezugsgruppe zu gehen, mit leuten denen du vertraust und redet miteinander darüber, was passieren könnte. sorgt dafür, dass nach der aktion keine_r alleine bleibt

und dass ihr an einen sicheren ort kommt. ihr könnt debriefing abläufe lernen oder andere methoden um mit extremen situationen umzugehen.

symptome einer stress reaktion können sein: wiederholtes nachdenken über das ereignis, flashbacks, albträume, vermeidung von allem, was in zusammenhang mit dem trauma steht, gleichgültigkeit, rückzug vom sozialleben, sich taub fühlen, auffällige veränderung des schlafverhaltens, gereiztheit oder wutausbrüche ausgelöst von "kleinigkeiten", konzentrationsschwierigkeiten, übersteigerte wachsamkeit, gedanke an selbstmord, sich tot fühlen, suchtverhalten, gefühle von isolation oder entfremdung, sich betrogen fühlen, starkes misstrauen, starke beeinträchtigung des alltäglichen funktionierens. einige dieser symptome sind wirklich ernst zu nehmen und erfordern professionelle hilfe!

es gibt verschiedene wege, diese symptome zu behandeln. sich professionelle hilfe von therapeut_innen zu holen ist eine davon. andere beinhalten alternative medizin, zum beispiel massage oder meditation. in schwerwiegenden fällen sollte erwägt werden über einen gewissen zeitraum medikamente zu nehmen.

viele der menschen, die an psychischen belastungen leiden, leiden zusätzlich unter der scham und angst vor stigmatisierung. nicht darüber reden zu können verstärkt die isolation. psychische belastungen sind kein zeichen von schwäche oder unzulänglichkeit, sondern ganz normale folgen von aussergewöhnlichen ereignissen.