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[ 01. Mar 2011 // letzte änderung: 24. Mar 2011 ]

Arbeitsniederlegungen und dezentrale Aktionen am 1. März in Wien

Ein Reinigungswagen am Podest als sichtbares Zeichen des Protestes.

Am 1. März protestieren in mehreren Ländern Migrant_ innen für gleiche Rechte und gegen Rassismus. Informationen über Arbeits- niederlegungen und Proteste in Wien.
:: Zur Bildergalerie.

 

Inhalt



Migrant_innenstreik im boem


Bereits um 6:00 begann der Streik von Migrant_innen, die im :: Boem beschäftigt sind. Sie machen auf der Straße vor dem Lokal auf die Proteste aufmerksam.
"BOEM* takes part at the Transnational Migrant Strike. This means all our migrant workers are striking and the austrian part of our Organisation is working the shifts in our Café to support their fight."

Über die Aktion selbst ist aus dem boem zu hören: "Die migrantischen Kolleginnen wurden von jenen mit kürzerem Migrationshintergrund, oder auch ohne, bedient. Gemeinsam wurde Gästen unsere Positionen erklärt, und die Inhalte des Protestes kommuniziert. Unsere Gäste erzählen von ihren Migrationserfahrungen."

Ein Beitrag aus dem Ö1 Mittagsjournal zum Nachhören als :: mp3 (3:20 min).


Streikhunger. Eine politische kulinarische dezentrale Aktion im Rahmen des MigrantInnenstreiks


Es begann bereits am Vormittag, anfangs vier, dann zu Mittag schon sechs Compañer@s aus der Kantine in Museumquartier kochten im Kochklub Kühn (www.kochklub.at) für die Belegschaft. Am Abend werkten noch zwei KollegInnen mit. Dann kamen weitere MitarbeiterInnen, vom Küchenchef bis Servierpersonal, MigrantInnen aus Mauritius, Vietnam, Afghanistan, Palästina, Irak, Guatemala, Türkei, Österreich, Deutschland, Ungarn. Es war ein Festessen mit insgesamt über 30 Personen, wo politisiert wurde: Gespräche über Migration, Rechte und Kampf, für viele das erste Mal. Auch das Kochen war emanzipatorisch, denn z.b. ein Tellerwäscher, ehemaliger unbegleiteter minderjähriger Flüchtling, zeigte den anderen seine Kochkünste. Das Essen war "multikulturell", beim Essen gibt es Herkunft. Plakate des Aktionstages waren präsent, eine kleine Ansprache machte den Zusammenhang klar. Es dauerte bis Mitternacht. Es war sehr schön. Alle waren begeistert und wollen es wiederholen, spätestens um den 1. März 2012.

Dankeschön an den Kochklub! Für Räumlichkeiten und Finanzierung.

Fotos in der :: Bildergalerie.


Betreibsversammlung Interface Wien


Wir haben eine BV am 2. März abgehalten. Dort war der Aktionstag ein Thema unter anderen. Die KollegInnen haben sich mit den Anliegen des Aktionstags solidarisiert. Wir haben uns auch über die historischen Hintergründe der Bewegung sowie über die aktuelle Situation unterhalten. Auf die BV waren etwa 30-35 MitarbeiterInnen anwesend. Insgesamt hat Interface Wien momentan 54 fest angestellten MitarbeiterInnen, zu etwa 80 % Frauen und zu über 60 % mit Migrationshintergrund.
Wir haben außerdem die Materialien zum Aktionstag (Plakate, Flyer) in den Räumlichkeiten aller Standorte gut sichtbar gemacht und verteilt - und unsere Standorte werden von vielen MigrantInnen besucht. Also haben über uns viele MigrantInnen über die Aktion erfahren, auch wenn sie nicht zur Kundgebung am 1. März erschienen sind.


Kunst/Kultur/Medien"betriebs"versammlung


Die vom :: Kulturrat Österreich initiierte Kunst/Kultur/Medien"betriebs"versammlung startete um 14 Uhr mit einer Vorstellung der mehrsprachigen Plakate und Sticker sowie einem Input zu Idee und Geschichte des 1. März - transnationaler Migrant_innenstreik. Von den Anfängen des "A Day Without Us" in den USA über die Ausbreitung der Aktivitäten in Europa und das erstmalige Aufgreifen der Idee in Wien: Was sind die Themen dieses breiten antirassistischen Bündnisses und des 1. März in Wien? Was findet an diesem Tag in Wien noch alles statt?

Anschließend ging es um das aktuell vor der Beschlussfassung stehende Fremdenrechtspaket, die massiven Verschärfungen für alle ohne EU/EWR-Pass, aber insbesondere um die Auswirkungen der restriktiven Rechtslage und Durchführungspraxis auch explizit für Kunst- und Kulturschaffende. Grundlage dieser Debatte war der von der IG Bildende Kunst gemeinsam mit dem Kulturrat Österreich erarbeite Problem- sowie Forderungskatalog mit dem Titel :: "Mobilität statt Barrieren". Umfassende und zunehmend negative Erfahrungen von Kunst- und Kultureinrichtungen bei der Durchführung von internationalen Projekten und Austauschprogrammen bildeten dabei die Grundlage für beide Papiere. Kaum noch ein Festival, bei dem Künstler_innen aus so genannten Drittstaaten nicht wieder aus dem Programm gestrichen werden müssen. Kaum noch ein internationales Projekt, das nicht bereits auf Ausgaben für Behörden- und Reisekosten sitzen geblieben ist, weil letztlich doch keine Einreisepapiere für die eingeladenen Künstler_innen ausgestellt wurden. Und international zeigt sich eine Tendenz, dass artist-in-residence Programme ihre Aufenthaltsdauern mittlerweile an die Regelungen von Aufenthaltspapieren anpassen, um überhaupt noch durchführbar zu bleiben.

Dass dies nur eine Spitze eines Eisberges an Ausschlussmechanismen ist, ist ebenso klar wie die beschränkten Möglichkeiten bis zur demnächst bevorstehenden Beschlussfassung noch Änderungen bewirken zu können. Aber dennoch: Mögliche Schritte und letzte Interventionen in den Endspurt dieses Gesetzgebungsprozedere wurden ausgelotet und beschlossen. Und potentielle neue Allianzen für nächste Aktivitäten besprochen.

Der Einladung zu dieser "Betriebs"versammlung ins Literaturhaus gefolgt sind im Kulturrat organisierte Interessenvertreter_innen sowie Betriebsrät_innen aus Kultureinrichtungen. Die Versammlung dauerte gut eine Stunde und erfolgte in kleiner Runde - ist bei längerer Planung aber allemal ausbaufähig. Insofern: Nach dem 1. März ist vor dem nächsten 1. März.

Siehe auch :: Freiheit der Kunst! Und Bleiberecht für alle! (Positionspapier der IG bildende Kunst)


Betriebsversammlung Verein Wiener Jugendzentren


Der Verein Wiener Jugendzentren, der ca. 500 Mitarbeiter_innen in Wien beschäftigt, rief am Nachmittag des 1. März zu einer Betriebsversammlung. Ca. 70 Mitarbeiter_innen kamen der Einladung während ihrer Arbeitszeit nach. Im Zuge der Veranstaltung wurden die Hintergründe des Migrant_innenstreiks dargelegt. Kritik an den eigenen Strukturen blieb, wie uns eine teilnehmende Person erzählte, jedoch aus. In einigen Wiener Jugendzentren wurden unabhängig von der Betriebsversammlung Informationen zum Aktionstag verbreitet.


1. März im Jugendzentrum Bahnfrei


Der Jugendtreff im 21. Bezirk in Wien beteiligte sich am Migrant_innenstreik, um auf die Diskriminierung von Migrant_innen hinzuweisen. In den Waggons gab es zu diesem Thema ein Quiz, Streikbänder zur Bekundung von Solidarität und Spiele.

Fotos in der :: Bildergalerie und auf :: bahnfrei.at.


Widerstands-Fahrscheine


Seit den frühen Morgenstunden protestieren Benutzer_innen der öffentlichen Verkehrsmittel gegen Überwachung, Kontrolle, und rassistische Polizei auf den Wiener Linien. Auf den Widerstands-Fahrscheinen ist zu lesen: "Heute werden wir die Wiener Linien und ihre Politik der Kontrollen und Überwachung nicht unterstützen. Wir zahlen nicht dafür, dass die Wiener Linien ihre Züge und Bahnhöfe der Polizei überlassen, die rassistische Kontrollen durchführt und Menschen aus ihrem Alltag reißt, einsperrt und abschiebt."


Aktivitäten der Gewerkschaft vida


Im Rahmen mehrerer Betriebsversammlungen wird innerhalb von Betrieben am 1. März auf die Ausgrenzung und Diskriminierung von Migrant_innen aufmerksam gemacht. Die :: Gewerkschaft vida beteiligt sich ebenfalls am Aktionstag. In einer Presseaussendung ist zu lesen:

"MigrantInnen tragen zwar wesentlich zum Funktionieren der Wirtschaft sowie zum sozialen und kulturellen Leben bei, gleichzeitig werden ihnen aber zentrale Rechte vorenthalten. Die Gewerkschaft vida unterstützt diesen Aktionstag: "Wir leben und arbeiten gemeinsam, daher wollen wir auch die gleichen Rechte und gute, gerechte Lebensbedingungen für alle", meint vida-Vorsitzender Rudolf Kaske in diesem Zusammenhang. Das sei nicht nur ein Akt der Solidarität, sondern vielmehr eine Selbstverständlichkeit. (...)
Am österreichischen Arbeitsmarkt haben rund 13 Prozent der Beschäftigten einen Migrationshintergrund. Diese sind jedoch nicht gleichmäßig auf alle Branchen und Sektoren verteilt: "Strukturelle Benachteiligung und fehlende Chancengleichheit drängen Personen mit Migrationsgeschichte in erster Linie in das Niedriglohnsegment und machen sie dort leichter ausbeutbar", sagt Kaske. In der

Reinigungsbranche etwa haben fast 90 Prozent der ArbeitnehmerInnen einen Migrationshintergrund."


Die Aktivitäten der vida am 1. März beinhalten einen MigrantInnenstammtisch in der Gewerkschaft vida und gemeinsame Teilnahme an der Kundgebung am Viktor-Adler-Markt (Beginn 17:00). Der Betriebsrat von Pro Mente übernimmt die Verteilung von Buttons, Flugblättern und Plakaten an die Beschäftigten in der Zentrale von Pro Mente (Sozialökonomischer Betrieb mit KundInnenkontakt) und an die Beschäftigten der Betriebskantine im Gewerkschaftshaus Catamaran.


Betriebsversammlung Grüne Wien


"Die Grünen Wien haben in ihrer Betriebsversammlung am 1. März über den Hintergrund des Migrant_istreiks informiert und mit der Belegschaft diskutiert. Es gilt die Solidarität der Belegschaft und wir werden auch gerne weitere Maßnahmen unterstützen, soweit das im Rahmen unserer Möglichkeiten liegt", so die Vorsitzende des Betriebsrats.


Lärmdemonstration vor Asylgerichtshof


Um die rassistische Politik an einem ihrer institutionellen Orte zu kritisieren, wurde ab 16:00 zur Lärmdemonstration vor dem Asylgerichtshof in der Laxenburger Straße aufgerufen.
Gut 200 Leute bewegten sich etwas eine halbe Stunde später lautstark über Quellenstraße und Reumannplatz zum Viktor-Adler-Markt.

Ausführlicherer Bericht von der Kundgebung :: hier, Fotos :: hier.


Kundgebung am Viktor-Adler-Markt


Als gemeinsame Aktion am dezentralen Streik- bzw. Aktionstag fand ab 17:00 eine Kundgebung am Viktor-Adler-Markt statt. Mindestens 600 Menschen sind extra gekommen, um sich das Programm anzuhören. Viele Passant_innen blieben stehen und informierten sich über den Anlass des Protests. Es gab Infotische, Visuals, zahlreiche Reden und ein paar mitreißende Bands. Wegen der Kälte waren bis zum Ende aber nur mehr knapp 150 Leute da.

Ausführlicherer Bericht von der Kundgebung :: hier, Fotos von der Lärmdemo und der Kundgebung in der :: Bildergalerie. mehr Fotos von der Kundgebung :: hier, Videos im :: 1. März Streik Youtube-Channel.


PrekärCafe-Abendveranstaltung: Undokumentiertes Arbeitsleben von Studentinnen aus Drittstaaten


Während andernorts bereits die Afterpartys angelaufen waren, versammelte sich am 1. März 2011 infolge der zentralen Kundgebung am Viktor Adler-Markt im PrekärCafé (www.prekaer.at) noch eine Runde von Aktivist*innen und Interessierten, um bei Bier und Suppe über das Thema "Undokumentiertes Arbeitsleben von Studentinnen aus Drittstaaten in Wien" zu diskutieren. Im Fokus der Debatte standen dabei nicht bloß die zentralen Problemfelder im (Arbeits-)Leben von Studentinnen, denen aufgrund ihrer Herkunft aus einem Nicht-EU/EWR-Staat der Zugang zu den regulären Sektoren des österreichischen Arbeitsmarkts nach wie vor weitgehend versperrt ist. Nach einem einführenden Referat wurden auf Basis vielfältiger Expertise - ganz im Sinne des transnationalen Migrant_innenstreiks - auch Möglichkeiten solidarischer Unterstützungsarbeit etwa bei Arbeitkämpfen in diesem Bereich undokumentierter Arbeit erörtert. Im Anschluss ging es dann per Widerstands-Fahrschein zu den Afterpartys bei der Atigf bzw. im Planet 10, um den Abend im größeren Rahmen ausklingen zu lassen.

Ein ausführlicher Bericht zur Veranstaltung findet sich auf der :: Website der GrüBi Wien.


Afterpartys


Nach der Kundgebung am Viktor-Adler-Markt gab es After-Partys bei der Atigf im EKH und im Planet 10. Beide Orte befinden sich gleich ums Eck des Kundgebungsortes und wurden von zahlreichen Menschen besucht. Bis spät in die Nacht wurde gefeiert, gegessen, getanzt, getrunken und diskutiert...

Informationen über weitere Aktivitäten :: hier.