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[ 21. Sep 2004 ]

Ethnisierung von Sexismus im Einwanderungsdiskurs

Analyse einer Diskursverschränkung.
Dokumentation eines Vortrages von Dr. Margarete Jäger, gehalten am 16.9.99 an der Universität Georg-August-Universität Göttingen beim Kolloquium "Wissenstransfer zwischen Experten und Laien. Umrisse einer Transferwissenschaft"

 

Untersuchungen zum Einwanderungsdiskurs in Deutschland haben sich immer wieder mit einer Argumentationsfigur auseinanderzusetzen, die ich im folgenden als Ethnisierung von Sexismus[1] bezeichne. Sie zeigt eine Diskursverschränkung an, die ganz besondere Wirkungen entfaltet. Kaum jemanden ist wohl die Auffassung noch nicht begegnet, daß Türkische oder moslemische Männer besonders sexistisch seien, daß sie Frauen in besonderer Weise unterdrückten. Dieses Argument dient dann häufig als Begründung dafür, daß ein Zusammenleben mit Türken oder Moslems für "uns" nur schwer oder gar nicht möglich ist. Sehr häufig wird dieser ethnisierte Sexismus auch mit dem Islam in Verbindung gebracht, wenn etwa angenommen wird, der Koran schreibe Männern die Herrschaft über Frauen geradezu vor.

Ein Vergleich mit anderen Vorurteilen, die ansonsten gegenüber Einwanderern vorgebracht werden, zeigt, daß sich dieses Argument in einem wesentlichen Aspekt von ihnen abhebt: Im Unterschied zu anderen Vorurteilen arbeitet dieser Vorwurf mit einer positiv besetzten Norm: der Gleichbehandlung der Geschlechter. Während andere Ablehnungsgründe in der Regel so ausgelegt werden können, daß sie mit Eigennutz, Neid, mangelnder Toleranz und anderen negativen Gefühlen verbunden seien, trifft dies bei der Ethnisierung von Sexismus nicht zu.[2] Das macht dieses Vorurteil so wirkungsvoll, das macht es gleichzeitig aber auch so problematisch. Denn diejenigen, denen es sowohl um die Rechte von Frauen wie auch um die von EinwanderInnen geht, geraten dadurch leicht in eine argumentative Zwickmühle, die darin besteht, daß Frauenforderungen und demokratische Rechte von Einwanderinnen gegeneinander ausgespielt werden. Andererseits darf nicht übersehen werden, daß durch diese Argumentationsweise vorhandene demokratische Inhalte und Normen aktiviert werden.

Insofern stellt sich die Frage, ob wir es bei einer Ethnisierung von Sexismus mit einer Diskursverschränkung zu tun haben, die es möglich macht, antirassistische Elemente in den Einwanderungsdiskurs hineinzutragen. Doch: Auf welche Weise könnten sich diese positiven Werte nutzen lassen? Wie könnte dies geschehen?

Diese Fragen lassen sich dann beantworten, wenn die Effekte, die Diskurswirkungen, die von einer Ethnisierung von Sexismus ausgehen, genauer beschrieben und analysiert werden. Eine solche Analyse habe ich vorgenommen, deren methodisches Vorgehen sowie deren wichtigste Ergebnisse ich hier darstellen will. Ich wollte aufdecken, auf welche Weise die am Diskurs beteiligten Personen mit einer solchen Verschränkung von Frauen- und Einwanderungsdiskurs umgehen und wie sie welche Diskurseffekte (re-)produzieren.[3]

Weiter zum vollständigen Text "Ethnisierung von Sexismus im Einwanderungsdiskurs. Analyse einer Diskursverschränkung" beim Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung.