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[ 27. Nov 2006 ]

Stellungnahme zur Anifa-Demonstration am 09. Nov 2006 in Wien

Bei der Demonstration gegen Rassismus, Antisemitismus und Faschismus am 9. November 2006 in Wien beteiligte sich ein autonomer Block. Dokumentation einer Stellungnahme.

 



Stellungnahme zur Demonstration vom 9. November


Am 9. November 2006 beteiligte sich eine relativ lose und heterogene Gruppe von AntifaschistInnen an einer Demonstration gegen Rassismus und Faschismus, zu welcher hauptsächlich diverse K-Gruppen und trotzkistische Splittergruppen aufgerufen hatten. Im Rahmen der autonomen Mobilisierung wurde die Notwendigkeit einer Sensibilisierung angesichts des historischen Datums deutlich. Im Zuge des Aufrufs, sich am autonomen Block zu beteiligen, wurde eine adäquate Aktionsform inhaltlich und strategisch diskutiert und umgesetzt. Einen weiteren noch ausführlicher zu besprechenden Punkt betrifft inhaltliche und aktionistische Diskrepanzen mit diversen Bündnisgruppen.

An dem Tag des Gedenkens der Novemberpogrome finden in Wien mehrere Veranstaltungen statt, deren historische Notwendigkeit sich bis zum heutigen Tag nicht übersehen lässt. Einerseits ist die Kontinuität des offenen und strukturellen Antisemitismus und Rassismus bittere Tatsache, andererseits zelebrieren rechtsextreme und neonazistische Verbände an jenem Tag unter dem Vorwand der Feier des Falls der deutschen Mauer. Wir wussten, dass solche Feierlichkeiten an diesem Tag in der Burschenschaft Olympia (Gumpendorferstraße 149) und im Fritz Stüber Heim (Koppstraße 72, 16. Bezirk) stattfinden, was durch die Anwesenheit besagten Rechtsextremer bestätigt wurde.

Genau deswegen haben wir uns für die Aktionsform des autonomen Blocks entschieden, da dieser kollektive Selbstschutz angesichts der tatsächlichen Gefahr einer Identifikation von Seiten der Polizei und Nazis notwendig war. Ein Ziel war es, durch das geschlossene Auftreten ein kollektives Agieren möglich zu machen und nicht ein 90er Jahre Antifa-Streetfighter Gehabe zu reproduzieren. Im nach hinein sind wir uns der Tatsache bewusst über unser Ziel hinausgeschossen zu sein und uns nicht klar genug vom Macker Streetfighter Gehabe abgegrenzt zu haben. Uns ist natürlich bewusst, dass wir durch diese Formation uns in einer Reproduktions- und Assoziationsschleife befinden. Aufgrund der historischen Ereignisse an diesem Tag war es nicht unsere Absicht, Bilder eines wütenden Mobs zu reproduzieren, sondern gezielt lediglich an oben genannten Stellen gegen Rechtsextreme einzig mit Farbbeuteln und Gemüse vorzugehen. Bereits im Vorfeld und Rahmen der Mobilisierung wurde fixiert, dass am 9. November keine Fensterscheiben wahllos zu Bruch gehen, ebenso wenig waren wir an Sachschäden und Körperverletzungen Unbeteiligter interessiert.

Die Kritik an der Teilnahme eines autonomen Blocks auf einer Bündnisdemonstration wurde vor und nach der Vorbereitung diskutiert. Der ausschlaggebende Grund war, dass das Bündnis von Gruppen unterstützt wird, die sich nicht klar vom Antisemitismus abgrenzen. Doch leider war die Auseinandersetzung mit Sicherheit zu wenig geführt und die inhaltliche Positionierung wurde zu wenig deutlich ausgearbeitet. Entgegen manchen RednerInnen handelt es sich beim Faschismus um keine von "Oben", also von der Regierung oder dem Führer ins Bewusstsein oder dem Verlangen des Proletariats oder der Bevölkerung gebrannte Ideologie. Es ist eine Verdrehung der historischen Tatsachen aus den TäterInnen Opfer zu machen, um dadurch Menschen ihre Eigenverantwortung und die Pflicht, sich der Barbarei zu widersetzen, zu nehmen.

Volk und Nation sind homogenisierende Konstruktionen, die jene Mechanismen hervorbringen, die antisemitische und rassistische Ausgrenzung produzieren und nötig sind um etwas wie den Nationalsozialismus möglich zu machen.

Es gibt keinen Frieden mit Österreich! Nie wieder Deutschland!

einige aus dem autonomen Block

Diese Stellungnahme wurde zuerst auf :: at.indymedia.org veröffentlicht und von no-racism.net mit ein paar Korrekturen übernommen.