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[ 30. Aug 1983 // letzte änderung: 15. Feb 2008 ]

Der Tod von Cemal Altun

Am 30. August 1983 starb Cemal Altun, 23-jähriger Asylbewerber aus der Türkei, durch einen Sprung aus dem Fenster des Verwaltungsgerichts in Westberlin, wo eine Klage des Bundesbeauftragten gegen seine Anerkennung als politischer Flüchtling verhandelt werden sollte. Im drohte die Auslieferung an die Türkei.

 

Altun war Anfang 1981 aus politischen Gründen nach Berlin (West) geflohen. Er stellte einen Asylantrag, als er erfuhr, dass er in der Türkei mit einem Mord an einem Politiker in Zusammenhang gebracht wurde.

Im Jahr 2002 hatte sich das BKA bei der Türkischen Regierung erkundigt, ob die Auslieferung gewünscht sei. Der junge Türke gehörte zur demokratischen Opposition. Die Türkische Regierung ließ sich von der Bundesrepublik nicht zweimal bitten und forderte seine Überstellung in die Türkei.

In der Folge wurde Cemal Altuns in Auslieferungshaft genommen, in der er bis zu seinem Tod verblieb. Das in Gang gesetzte Auslieferungsverfahren führte in der Öffentlichkeit zu einer Welle der Solidarität mit Cemal Altun. Während des politischen Tauziehens um seine Person saß der junge Asylbewerber in Auslieferungshaft, 13 Monate lang, 23 Stunden täglich allein in der Zelle. Dem Druck und der Angst vor seiner Abschiebung hielt Altun am Ende nicht mehr stand.