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[ 04. Apr 2002 ]

Todesfall in belgischem Empfangszentrums für AsylbewerberInnen

Ein 32-jähriger Mann starb wahrscheinlch nach der Verabreichung einer überdosis Methadon (oder anderer Beruhgungmittel) am Samstag, dem 23. März. 2002 in einem "Empfangszentrums für AsylbewerberInnen", dem Zentrum 127bis von Steenokkerzeel in Belgien. Er bakam, anderen HeimbewohnerInnen zufolge, trotz der Bitte darum keine ärztliche Hilfe.

 

Die folgenden Texte sind übersetzungen bzw. Zusammenfassung von der Homepage des Kollektivs gegen Abschiebungen in Brüssel, www.collectifs.net/ccle und enthält alle uns derzeit vorliegenden Informationen.

Als Protest gegen die Unterbringung von AsylwerberInnen gab es u.a. eine Kundgebung nach dem Tod von Bekim Tatchi.



Kommuniqué zum Tod von Bekim Tatchi

(27. 3. 2002, Kollektiv gegen Abschiebungen)

Vier Tage nach dem Ableben von Bekim Tatchi im Zentrum 127bis von Steenokkerzeel, einem Empfangszentrums für AsylbewerberInnen, stellen sich für Anti-Abschiebungs-Gruppen mehrere fundamentale Fragen über die Umstände des Todes und die Folgen für Justiz und belgische Autoritäten:

- Einige Stunden nach dem Tod hat die Leiterin des Zentrums Steenokkerzeel erklärt, dass Bekim Tatchi nach einem/r Arzt/Ärztin gefragt hätte, dass aber keine/r "verfügbar" gewesen wäre. Es stellt sich also die Frage warum es scheinbar unmöglich war, ärztliche Hilfe zu "finden". Auf jeden Fall ist die Direktorin des Zentrums damit direkt in den Todesfall involviert.

- Der Innenminister hat angeordnet, dass keiner der Flüchtlinge, die ZeugInnen der Ereignisse rund um den Tod von Bekim Tatchi waren, vor dem Ende der gerichtlichen Untersuchtung abgeschoben werden. Nachdem was in vorangegangen fällen passiert ist (schnelle Abschiebung von allen ZeugInnen beim Ableben eines jungen Manns aus Albanien und Verlegung der meisten ZeugInnen in andere geschlossene Zentren), stehen die Anti-Abschiebungs-AktivistInnen dieser Anordnung misstrauisch gegenüber und fordern, dass der Innenminister eine klare Stellungnahme zur Sache abgibt.

- Laut Doktor Eric Picard kann eine überdosis Methadon nur Folge eines medizinischen Fehlers (Verschreibung einer zu grossen Dosis) oder einer grösseren Lieferung als vorgeschrieben, sein. Eine andere erklärung wäre eine negative Reaktion auf Methadon, verbunden mit der Einnahme eines anderen pharmazeutischen Produktes. Die Lieferung von Medikamenten in den geschlossenen Zentren ist eindeutig eine Aufgabe des dort tätigen Personals. So wäre deren Verantwortung klar gegeben, falls sich herausstellt, dass Bekim Tatchi tatsächlich an der Einnahme von Methadon oder anderer medizinischer Produkte gestorben ist.

- Auf jeden Fall zeigt diese menschliche Tragödie ein mal mehr, dass geschlossene Zentren tatsächlich nicht-rechtliche räume sind. Die Gefangenen haben nicht das Recht, eine Ärztin / einen Arzt ihrer Wahl aufzusuchen. Nur wenige MedizinerInnen - die vom Innenminister akkreditiert sind - haben das Recht, innerhalb der Zentren zu praktizieren. Diese Limitierung des medizinischen Zugangs ist ein erneuter Beweis für die Willkürlichkeit, die in diesen Zentren regiert.

...



Hier ein weiterer Text von www.collectifs.net/ccle in ungefährer übersetzung/Zusammenfassung:


24. 3. 2002
Ein Kosovo-Albaner starb im Zentrum 127bis

Er kam nach Belgien als Asylbewerber. Er starb Samstag morgen. Die Gründe seines Todes sind nicht klar, deshalb wurde von der Staatsanwaltschaft eine Untersuchung angeordenet...

Die Direktorin des "Empfangszentrums für AsylbewerberInnen", das Zentrum 127bis von Steenokkerzeel, Carla De Becker, hat bestätigt, dass ein 33jähriger kosovo-albanischer Asylbewerber Samstag nachmittag gestorben ist.

Der Mann war seit dem 18. März im Zentrum. Am darauffolgenden Tag habe er selbst beschlossen, sein AsylbewerberInnendasein zu beenden; er sollte am 3. April zurückgebracht werden, wie Frau De Becker erklärte.

Er war drogenabhängig und hatte - auf eigenen Wunsch - eine medizinische Behandlung unter Kontrolle der Ärzte des Zentrums verfolgt. Er nahm Medikamente, darunter Methadon und Beruhigungsmittel, immer unter medizinischer Aufsicht, wie die Direktorin unterstrich, die auch behauptet, dass er keine tödliche Injektion erhielt.

Zwei Zimmergenossen hatten Samstag morgen - wegen seines verschlechterten Zustandes - das Personal des Zentrums alarmiert. Das Personal hat VerfÃ?rbungen an Lippen und Hals festgestellt und sofort das Hilfspersonal gerufen.

Die Ambulanz kam rasch und hat - vergeblich - versucht ihn wiederzubeleben. ...

(Die MitbewohnerInnen des Zentrums wollten den Abtransport des Toten und die Untersuchung seines körpers ausserhalb des Zentrums verhindern.)

Die Direktorin des Zentrums hat übrigens die Behauptungen einiger Inhaftierten dementiert, dass der Mann seit mehreren Tagen ärztlichte Behandlung gewünscht hätte.

Am späten Nachmittag des selben Tages wäre das Zentrum wieder ruhig gewesen. Eine parlamentarische Delegation, einschliesslich Senator Ecolo Josy Dubié hat sich an den Ort des Geschehens begeben, wie Yves Caelen, Direktor von CIRE (Coordination et initiatives pour les réfugies et les étrangers / Koordination und Initiativen für Flüchtlinge und Fremde) angegeben hat. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung in Auftrag gegeben und die "Ausländerbehörde" sollte eine eigene Untersuchung eröffnen.