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[ 26. Nov 2010 ]

Bayern: Flüchtlinge boykottieren Essenspakete - viele im Hungerstreik

Flüchtlinge in Augsburg wollen ein besseres Leben

Begonnen hat es diesmal mit mit einem Boykott der Essenspakete durch 25 Bewohner- Innen des Flüchtlingslagers im bayerischen Denkendorf am 9. November 2010. Bald weiteten sich die Proteste in Bayern aus. Mittlerweile gibt es Hungerstreiks und Boykotts in mehreren Langer.

 

Am 19. November schlossen sich über 200 Flüchtlinge in Augsburg dem Protest an. Am Montag, den 22. November erklärten 250 BewohnerInnen des Flüchtlingslagers in der ehemaligen Flak-Kaserne in Augsburg den unbefristeten Hungerstreik. Gleichzeitig haben in anderen bayrischen Flüchtlingslagern die BewohnerInnen begonnen, die Annahme der Essenspakete zu boykottieren. Damit erreicht der Protest in bayrischen Lagern ein Ausmaß wie seit 10 Jahren nicht mehr. Überall brennen den protestierenden Flüchtlingen ähnliche Probleme auf den Nägeln - Zwangsunterbringung in extremer Enge, Versorgung mit minderwertigen Essenspaketen, Beschränkung der Bewegungsfreiheit durch die Residenzpflicht, skandalöse schlechte medizinische Versorgung, zu wenig Sprachkurse, keine Bildungsangebote, und nicht zuletzt der respektlose und erniedrigende Umgangston vieler BehördenmitarbeiterInnen und Lagerleitungen.

Die derzeitigen Proteste sind die Reaktion auf die Tatenlosigkeit der Bayerischen Regierung: Nach massiven Flüchtlingsprotesten in den Bayerischen Flüchtlingslagern in diesem und letzten Jahr wurde zwar eine punktuelle Verbesserung der Lebenssituation beschlossen, jedoch bisher nicht umgesetzt. Bereits Anfang des Jahres waren bayernweit Flüchtlinge aus verschiedenen Lagern im Boykott oder Hungerstreik.

Die Flüchtlinge wissen über die Gefahren und Konsequenzen eines Hungerstreiks bescheid und sind entschlossen, ihren Forderungen nach besseren Lebensbedingungen Nachdruck zu verleihen. Sie wollen, dass ihre Forderungen öffentlich gemacht werden:

  • Geld statt Essenspakete
  • Privatsphäre, Hygiene und menschenwürdiges Wohnen: Wohnungen statt Flüchtlingslager
  • Bessere medizinische Versorgung und psychologische Unterstützung
  • Abschaffung der Residenzpflicht
  • Deutschkurse, um eine Integration zu ermöglichen
  • Das Recht, zu arbeiten, um Steuern zu zahlen und sich selbst versorgen zu können

Mehr Informationen und updates:
:: carava.net
:: fluechtlingsrat-bayern.de

Quellen :: de.indymedia.org, 25. Nov 2010, :: fluechtlingsrat-bayern.de, :: radio-z.net, 25. Nov 2010