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[ 22. Jun 2004 ]

Presseaussendung des FC Sans Papiers: Abschiebung ist kein Spiel!

FC Sans Papiers in Hallein

Wir, der "FC Sans Papiers - Die Bunten" spielen am 23. Juni gegen den Fußballverein der Wiener Polizei. Innenminister E. Strasser wird das Spiel eröffnen. Während drei unserer Spieler in Schubhaft sitzen, wird unter dem Titel "Fair&Sensibel Fußball-Cup" eine heile Welt vorgespielt.

 

Um die Realität aufzuzeigen werden wir ohne unseren Torwart spielen, der auch inhaftiert ist. Unsere Forderung lautet: Sofortige Freilassung aller inhaftierter Illegalisierten.

Wie fair ist ein Spiel ohne Torwart?


Wie sensibel ist es Menschen ohne Grund einzusperren und abzuschieben? Die Intention des Freundschaftsspiels mit der Polizei begrüßen wir grundsätzlich. Es ist eine Gelegenheit den Alltagsrassismus, der sich vorwiegend aus Vorurteilen und der Angst vor dem Unbekannten speist, abzubauen. Wir wollen zeigen, dass Schwarze keine aggressiven Drogendealer, sondern Menschen sind wie andere auch. "Der frühliche Anlass des Spiels darf aber nicht über die Realität hinwegtäuschen." meint Steve Salami, ein Spieler der "FC Sans Papiers": "Wir sind alle sehr betrübt. Drei unserer Mitspieler und Freunde, Leo Nwadu, Mubenga Madimba und Chuba Okadigbo befinden sich in Schubhaft und warten auf ihre drohende Abschiebung."

Das Problem ist, dass dieses Spiel den gesetzlichen Staatsrahmen nicht ändern kann. Die Polizei ist weiterhin dazu gezwungen rassistische und unmenschliche Gesetze zu exekutieren. Weiterhin gibt es zwei Klassen von Menschen; jene mit Aufenthaltsstatus und jene die kriminalisiert werden. Letzteren werden nicht einmal die grundlegendsten Menschenrechte - Arbeit, Wohnen, Gesundheitsversorgung etc. - gewährt. Stattdessen müssen sie ohne Einkommen und in ständiger Angst vor gesetzlicher Verfolgung und Abschiebung leben. Durch diese prekarisierten Lebensverhältnisse wird es möglich sie gegen gebÃŒrtige bürgerInnen am Arbeitsmarkt auszuspielen.

Es wäre fair und sensibel unsere Forderungen zu erfüllen!


Folgende Forderungen stammen von einem europaweiten Netzwerk von "Sans Papiers"- und anderen MigrantInnen-Organisationen und wurde beim 2. "Europäischen Social Forum" in Paris beschlossen:

- Bedingungsloses Bleiberecht für alle
- Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit
- Umgehende Schließung aller Internierungslager
- Abschaffung von Abschiebung
- Gleiche Rechte unabhängig von StaatsbürgerInnenschaft und dauerhaften
Aufenthalt für alle; inklusive gleichen Zugang zu sozialen, ökonomischen,
kulturellen und politischen Rechten
- Einführung eines tatsächlichen Rechts auf Asyl
- Beendigung von Ausbeutung und Neo-Sklaverei und das Recht auf Arbeit bei
gleichen Bedingungen und gleicher Bezahlung wie die ArbeiterInnen des
Landes, in dem wir uns niederlassen
- für Kinder: das Recht auf Leben mit ihren Familien in der Gemeinschaft,
freier Zugang zu Schulen und medizinischer Versorgung und ein Ende von
Abschiebungen unbegleiteter Kinder und Jugendlicher

Rückfragehinweis:
Steve Salami (englisch) 0664 / 557 99 00
Dr. Di-Tutu Bukasa (Vorsitzender) 0650 / 760 90 61