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[ 22. Sep 2000 // letzte änderung: 22. Sep 2000 ]

Integration braucht Rechte

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Das Wort "Integration" muss endlich seine originale Richtung gewinnen und auch so praktiziert werden. Da wird von Integration geredet, gemeint werden aber Assimilationsprogramme bis in die intimsten c wie z. B. Kleidung, Essgewohnheiten, etc..

 

Andererseits wieder glauben so Manche, die sich für politisch korrekt halten, Probleme die nichts mit Kultur zu tun haben durch ein " das ist bei denen halt so, der Sohn hat wie in dieser Kultur üblich, die Vaterrolle übernommen, das muss man deshalb so akzeptieren", z. B. Misshandlungen von Frauen oder Kindern, zu verharmlosen oder besser gesagt zu tolerieren.

Toleranz als Begriff hat mit Integration nichts zu tun. Toleranz erleichtert vielleicht "Nebeneinanderleben" aber tut nichts fürs "Miteinanderleben". Toleranz kann die politische und somit die soziale Lage der MigrantInnen nicht verbessern, sondern nur in ihrem aktuellen Stand festigen. Somit werden wir MigrantInnen als tolerierte "MitbürgerInnen" sicher noch 30 Jahre," oder länger?) weiter in diesem schönen, fremden Land weiter leben.

Wie lebt man/frau in einem Land, in dem frau/man keine politische Mitbestimmungsrechte hat? Sehr gut beschrieben, man/frau darf arbeiten, schlafen, einkaufen, essen....und für politisch korrekte, alternative inländische MitbürgerInnen kochen und tanzen..Das heisst, man/frau hat keine Verantwortung. Eigentlich kann ich mir als Migrantin nichts Bequemeres vorstellen.

Aber wenn unsere MitbürgerInnen wollen, dass wir MigrantInnen uns auch ein bisschen für hiesigen Probleme mitverantwortlich zeigen, dann müssen sie uns auch ein bisschen aktivieren, anstatt uns auf Multi-Kulti Festen tanzen zu lassen.

Was soll passieren?

Integration muss primären Status in der alltäglichen Politik auf Bundes-, Landes-, und Gemeindeebene bekommen, anstatt unter "sonstiges" oder bestenfalls als letzter Punkt in der Tagesordnung abgehandelt zu werden. Dazu ist die Einbeziehung von MigrantInnen ein Muss.

Die Einbeziehung von MigrantInnen in solche Gremien muss auch deren Stimmenrecht garantieren. Dies lässt sich am Besten durch ein aktives und passives Wahlrecht in den Sozialpartnerschaftsorganisationen sowie zumindest auf Gemeinde und Landesebene umsetzen. Derzeit ist ein erheblicher Teil der Menschen in diesem Land in der Situation, keine Vertreter aus ihren eigenen Reihen koptieren zu können.

Eine Reform des Fremden- und Ausländerbeschäftigungsgesetzes ist deshalb nicht zu vermeiden.

Dazu ein bereits oft gebrauchtes, einfaches Beispiel: Wie soll sich jemand integrieren, der/die sich weder durch Arbeit, noch durch soziale Unterstützungen Lebensgrundlagen schaffen kann? Auch würden politische Entscheidungsträger in ihrem eigenen Interesse handeln, würden sie MigrantInen den selben Zugang zu sozialen Leistungen wie unsere MitbürgerInnen garantieren.

"Gleiche Rechte- Gleiche Pflichten gegenüber dem Staat"- ist mein Grundsatz.

Um einer Polarisierung in unserer Gesellschaft entgegen zu wirken, benötigen wir spezifische fürdermaßnahmen und Betreuungseinrichtungen.

Sollte es nicht gelingen, auf diesem Wege Chancengleichheit herzustellen, wird trotzt Retouchen im Ausländerbeschäftigungsgesetz und Aufhebung der sogenannten Sanktionen der EU-14 die Zukunft hier für niemanden rosig.

Sevil Fertinger von der Wiener Integrationskonferenz