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"Born to be white". Rassismus und Antisemitismus in der weissen Mehrheitskultur
2. Juni bis 22. Juli 2005 in der IG Bildende Kunst, Gumpendorfer strasse 10-12, 1060 Wien, www.igbildendekunst.at

Eröffnung: 1. Juni 2005, 19.00 Uhr
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 10.00 bis 18.00 Uhr
Texte zur Rubrik:

[ 25. May 2005 // letzte änderung: 21. Jun 2005 ]

Ausstellung zu Rassismen, Antisemitismen, weisse Mehrheitskultur

born to be white

Die Ausstellung "Born to be white" eröffnet am 1. Juni 2005 in der IG Bildenden Kunst in Wien und dauert bis 22. Juli 2005. Gemeinsam mit begleitenden Diskussionen und einer Broschüre werden Rassismus und Antisemitismus in der weissen Mehrheitskultur behandelt.

 

Index: Ausstellung (Bildergalerie) | Diskussionsreihe | Broschöre

"Born to be white" - Rassismus und Antisemitismus in der weissen Mehrheitskultur


"Born to be white" beschäftigt sich mit Rassismus, weiss-Sein und Antisemitismus. Wenn von Rassismus die Rede ist, so ist damit gewöhnlich die Benachteiligung von Männern, Frauen und Kindern nicht-weisser Hautfarbe, nicht-westlicher Herkunft oder außereuropäischer Kultur gemeint. Unbenannt und unhinterfragt bleibt in diesem Verständnis die andere und in ihrer unsichtbaren Normalität viel mächtigere Seite des rassistischen Verhältnisses: die Bevorzugung von Männern, Frauen und Kindern mit weisser Hautfarbe, westlicher Herkunft und europäischer Kultur. Der Begriff des weiss-Seins (whiteness) wurde von feministischen Migrantinnen geprägt, um Macht- und Herrschaftsverhältnisse analysieren und angreifen zu können sowie eine Auseinandersetzung von Mehrheitsangehörigen mit ihrer unsichtbaren Machtposition zu forcieren.

Wir verwenden den Begriff des weiss-Seins, um in der antirassistischen feministischen (Kultur-)Arbeit eine notwendige Verschiebung zu bewirken. Ethnisierte Identitäten sind nicht nur jene von AfroÖsterreicherinnen oder -deutschen, von Latinos/as oder AsiatInnen. Auch weisse Österreicherinnen sind Ethnisierte.

"Born to be white" stellt deshalb die Auseinandersetzung mit weisser Identität in den Mittelpunkt. Weiss-Sein wird nicht nur als Privileg benannt, sondern auch historisch, ort- und gruppenspezifisch kontextualisiert. In Österreich und Deutschland bedeutet eine solche Kontextualisierung die Beschäftigung mit der Kolonialgeschichte, dem Nationalsozialismus und der Shoah, sowie deren Nachwirkungen in der Gegenwart.

"Born to be white" wird in Form einer Gruppenausstellung, einer Vortragsreihe und einer Broschöre realisiert. Es werden KünstlerInnen und kulturelle ProduzentInnen eingeladen, die in ihrer Arbeit weiss-Sein kritisch thematisieren, es historisch kontextualisieren sowie die Rolle (audio-)visueller und textueller Darstellung und Artikulation bei der Festigung weisser hegemonialer Machtpositionen untersuchen und subvertieren.

Eröffnung: 1. Juni 2005, 19.00 Uhr
Location: IG Bildende Kunst, Gumpendorfer strasse 10-12, 1060 Wien
Dauer der Ausstellung: 2. Juni bis 22. Juli 2005
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 10.00 bis 18.00 Uhr


Ausstellung


Die Ausstellung versammelt Arbeiten von internationalen KünstlerInnen/KünstlerInnen-gruppen, die mit verschiedenen Medien arbeiten (Fotografie, Video, Plakat/Postkarte, neue Medien). - siehe Bildergalerie

Beteiligte KünstlerInnen

  • Fatih Aydogdu (A) "Dirty Tones. "You Don´t Care."(Soundscape, 2005)
    Welche Töne gelten für weisse als "Dirty Tones"? Westliche KritikerInnen haben für die spezielle Art der Intonation in der afrikanischen, asiatischen oder afroamerikanischen Musik den Begriff "dirty tone" geprägt. Diese so genannten "Dirty Tones", welche als "falsch spielen" gedeutet werden, beinhalten Viertel- und Achteltöne. Diese werden von Weissen als "schmutzig" empfunden. Fatih Aydogdu fragt nach den Gründen für diese Fehleinschätzung.

  • BUM - Büro für ungewöhnliche maßnahmen (A) - "Deutsch für Inländer" (Posterserie, S/W, 4 Sujets, 2003/2004)
    Die Plakatserie "Deutsch für Inländer" wirbt für eine verpflichtende Integrationsleistung seitens der Österreichischen MehrheitsbürgerInnen. In sechs unterschiedlichen Textplakaten, deren Slogans grammatischen Deklinationen ähneln, postuliert BUM auf oft bissige Weise, was MehrheitsbürgerInnen schon lange wissen (sollten): "Ich habe Vorurteile. Du hast Vorurteile. Das ist unser Vorteil." Mit kleinen sprachlichen Feinheiten wie diesen, die das Plakat weiss auf schwarz in großer Schrift fällen, werden einige Veränderungen gefordert.

  • Melissa Gould (USA) - "Souvenir Wien 1938 Schrubb-Bürste" und "Sara / Israel Zahnbürste" aus ihrer Installation "Schadenfreude" (Fotos, S/W, 2 Sujets, 1993)
    Diese beiden "unmöglichen" Bilder "Souvenir Wien 1938 Schrubb-Bürste" und "Sara / Israel Zahnbürste" thematisieren die alltägliche antisemitische Hetze während des Zweiten Weltkriegs. Indem die Künstlerin an die spezifischen Formen der Demütigung von Juden/Jüdinnen in Österreich erinnert, holt sie die bislang unmarkierten Momente in der Geschichte in die Gegenwart.

  • Kanak TV (D) - "weisses Ghetto" (Video, 8 Minuten/2002)
    Im Video "weisses Ghetto" untersucht Kanak TV das wohlhabende und homogene Viertel Köln-Lindenthal. MigrantInnen werden in diesem Viertel vergeblich gesucht. Kanak TV fragt, womit das zusammenhängt: Schotten sich die Deutschen ab? Ist Köln-Lindenthal ein weisses Ghetto? Kanak TV ist diesen Fragen nachgegangen.

  • Kanak TV (D) - "Recolognize Cologne" (Film, 43 Minuten, 2004)
    "Recolognize Cologne" ruft die verdrängte Geschichte kolonialer Eroberungspolitik Deutschlands am Beispiel Kameruns in Erinnerung. Durch die Thematisierung der heutigen Präsenz von Menschen aus den ehemaligen deutschen Kolonien verdeutlicht der Film Kontinuität und Entwicklung von rassistischer Erfassung, Kontrolle, Stereotypen und Klischees, aber auch den Widerstand dagegen. "Recolognize Cologne" wirft die Frage nach globaler Bewegungsfreiheit auf.

  • Anna Kowalska (A) - "weisswerden" (Collage, 2005)
    Wie und ob weissheit sichtbar wird, ist innerhalb verschiedener historischen, kulturellen und biographischen Zusammenhänge veränderbar. Das macht weiss-Sein als politische und gesellschaftliche Kategorie sichtbar, die dem Zweck dient, einer (weissen) Mehrheit ihre privilegierte Stellung zu sichern. weiss-Sein wäre demnach das Produkt einer kollektiven Imagination, das ausschließlich durch die Existenz der "Anderen" definiert werden kann. Ein Produkt, das durch das daran gekoppelte Versprechen von Macht begehrenswert erscheint.



Diskussionsreihe


Die Vortragsreihe stellt Fragen nach Repräsentationskritiken und -politiken, denn die Kuratorinnen begreifen die Ebene der Darstellung und Artikulation als grundlegende Komponenten für künstlerische und gesellschaftspolitische Prozesse. Das Interesse gilt Konzepten und Untersuchungen, die an den herrschenden Bildpolitiken Kritik üben, die Kompliziertheit ihrer rassistischen und antisemitischen Strukturen analysieren und Gegenstrategien bzw. Utopien in Richtung einer egalitären mehrgeschlechtlichen und transkulturellen Gesellschaft entwerfen.

  • Freitag, 3. Juni 2005, 19.00 Uhr
    Hannah Frühlich (Context XXI, Wien) im Gespräch mit Katherine Klinger (Wiener
    Library und Second Generation Trust, London)
    Das Gegenteil des Schweigens. Wie wirkt der Nationalsozialismus auf die Nachfolgegenerationen?

  • Donnerstag, 16. Juni 2005, 19.00 Uhr
    Araba Johnston-Arthur (Wien)
    "Das Schwarze Objekt der "Andersartigkeit" als Grundlage für weisse Österreichische Selbstdefinitionen", ein Schwarzer Beitrag zur Dekonstruktion Österreichischer Realitäten

  • Donnerstag, 23. Juni 2005, 19.00 Uhr
    Jamika Ajalon (London/Paris)
    "Recently I bought a white hat". Transnationale Erfahrungen des Schwarz-Seins
    In ihrem Vortrag präsentiert Jamika Ajalon Auszüge aus ihren künstlerischen Arbeiten, in denen sie Zu- und Festschreibungen auf eine Schwarze weibliche Subjektivität hinterfragt und nach Möglichkeiten der Repräsentation jenseits von Dualismen sucht.
    http://www.transnarratives.com

  • Donnerstag, 30. Juni 2005, 19.00 Uhr
    Heribert Schiedel (Wien)
    Siegfrieds Phobien: Der "arische" Männerbund und die Kastrationsabwehr



Broschöre


Die Broschöre beinhaltet einen einführenden theoretischen Text zum Ausstellungskonzept und Texte zu den künstlerischen Arbeiten. Im Anschluss findet sich eine ausführliche Link- und Literaturliste zu den Themen Rassismus, Antisemitismus und Whiteness. Die Broschüre dient engagierten BesucherInnen und in den Feldern Politik, Kunst und Wissenschaft als Arbeitsgrundlage. Sie kann während der Ausstellungsdauer in der IG Bildende Kunst käuflich erworben werden.