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[ 03. Sep 2013 ]

Dritte Erklärung der Protestmärsche 'Refugee Struggle for Freedom' - Von September bis September

Der Protestmärsche erreichen München - die Polizei konnten sie trotz aller Repression nicht stoppen.

Am 3. September 2013 erreichten die Protestierenden, nachdem sie zwei Wochen zu Fuß durch Bayern demonstrierten, München - und veröffentlichten folgende Erklärung.

 

Wir Non-Citizens gehen heute, am letzten Tag, einen weiteren Schritt unseres Widerstands, nach 14 Tagen des Weges von Würzburg und Bayreuth nach München, um uns gegen die Unterdrückung zu bewegen, die vom bestehenden System einerseits durch Polizeikontrollen und Repressionen seitens der Behörden und auf der anderen Seite durch die Verbreitung von Unwahrheiten sowie populistischen und bodenlosen Aussagen in der Öffentlichkeit gegen uns angewendet wird.

So verkünden wir noch einmal, dass wir unseren Kampf um den Wechsel unserer Position in der Gesellschaft führen, also um die Überwindung der Dualität zwischen Citizens und Non-Citizens, damit wir eine gleichberechtigte Position mit anderen Menschen, die naturgemäß gleichberechtigt sind, leben können. Dies setzen wir fort und jeder Tag in der Position eines Non-Citizens kann nur eine größere Wut über die soziale Ungleichheit und jene der gesellschaftlichen Stellung schüren.

Letztes Jahr um diese Zeit waren es die letzten Tage vor Beginn des Protestmarsches nach Berlin. Heute, ein Jahr später, gehen wir die letzten Schritte des Protestmarsches nach München.

Warum und in welcher Form wird die Geschichte wiederholt?

Ist es etwa nicht so, wie wir es in der gesamten Zeit dieser Straßenproteste immer wieder verkündet haben: Dies ist ein allumfassender Widerstand gegen ein System, das ungleich und ungerecht ist. Nach welchem Grund zum Beweis der Richtigkeit unseres Widerstands und unseres Kampfes kann man suchen, außer der systematischen Niederschlagung, die vom Anbeginn des Protestmarschs bis zum letzten Tag gegen uns verübt wird. Dies geschieht durch die Hand des Staates, des angeblich "ziviliserten, demokratischen" Deutschlands, und zwar mit jedem möglichen Mittel: von Verhaftungen, physischer Gewaltanwendung, Androhungen und so fort, bis sie uns zu Seite schaffen, bis wir vom Weg abkommen, bis wir die Hände davon lassen. Dabei stützen sie sich auf genau die Gesetze, gegen die sich unsere Bewegung richtet und denen wir mit Ungehorsam bewusst entgegentreten. Denn wie wir es immer wieder verkündet haben: Wir respektieren keine Gesetze, die uns nicht respektieren!

Wer kann eine außer Kontrolle geratene Kraft und Stärke einer Wut verleugnen, die überläuft und das Blut in unseren Adern zum kochen bringt, nach jeder Nachricht von dem Suizid eines Geflüchteten, nach jeder Nachricht über die Abschiebung von Geflüchteten, von Menschen wie uns: unseresgleichen. Die Kraft und die Stärke unserer Schritte, die unser Selbstbewusstsein stärken, stabilisieren und unsere Bewegung immer und immer wieder durch die Straßen fließen lassen, führen uns zur Bedeutung des Lebens.

Die Straße aber ist der einzige Ort, an dem wir glauben, dass wir einander, unseresgleichen, finden können, unsere gemeinsamen Schmerzen teilen können, miteinander eins werden und uns vervielfältigen innerhalb dieser verschlafenen Gesellschaft, selbstentfremdet innerhalb eines vergifteten Systems im Rahmen von Gesetzen und Staaten, denen Freiheit und Gleichheit fremd sind.

Wenn der Moment kommt, ann dem die Polizei bis an die Zähne bewaffnet bis zu unserer Zerschlagung kommt, wenn wir in diesem Augenblick einander in die Augen schauen, glauben wir einander ohne Worte miteinander wechseln zu müssen, fühlen einander, wissen mit unserem inneren Bewusstsein, dass wir nicht allein sind und dass unser Rücken nicht ungeschützt ist. Und wenn wir unsere Hände ineinander verknoten und mit einer Stimme schreien, dann verschmilzt die Überzeugung mit unserem Geist und Körper, sodass es keinen anderen Weg gibt außer dem Widerstand. Ein organisierter und einheitlicher Widerstand, der uns Tag und Nacht vereinnahmt, denn zur Veränderung der bestehenden katastrophalen Situation ist nichts anderes möglich als der tägliche Widerstand. Deshalb also von September bis September, denn so lange befinden wir uns schon auf dem Weg.

In dieser Hinsicht wiederholt sich die Geschichte also nicht, denn dies ist noch immer der gleiche Widerstand, der im Laufe der Geschichte fließt. Es ist der Lauf der Geschichte, der aus Widerstand und Kampf geformt wird, aus dem Widerstand von uns, den an den Rand Gedrängten und unten Gehaltenen, von deren Existenz und deren Dasein niemand aus der Mitte der Gesellschaft auch nur Notiz nehmen würde, wenn wir uns nicht erheben würden.

Und wir sind ein Teil dieser Geschichte ohne Beginn, heute in dieser geografischen Lage. Eine Geschichte, die dazu verurteilt ist, vom Untergang des sklavenhalterischen Roms bis zum Untergang des kapitalistischen Roms fortgesetzt zu werden. Denn wir sind der Überzeugung, dass wir zur Erlangung von Freiheit und Gleichheit nichts zu verlieren haben, außer unserer Ketten.

Die protestierenden Non-Citizens des "Refugee Struggle for Freedom"