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[ 03. Sep 2017 ]

Abschiebungen nach Afghanistan: Proteste am Flughafen teilweise erfolgreich

Sharif muss bleiben - Protest am Flughafen Wien

Proteste gegen Abschiebungen sind alltäglich. Wenn alle Versuche und Rechtsmittel scheitern, bleibt nur die Intervention am Flughafen.

 

"Sharif muss bleiben" - Abschiebung trotz Protest


Am 11. August 2017 wurde der in Mistelbach, NÖ, lebende Sharif im Zuge eines überraschenden Besuches an seinem Arbeitsplatz am Bauhof Laa, wo er im Sommer ein Praktikum absolvierte, von der Polizei verhaftet und ins PAZ Hernaler Gürtel überstellt. Nur wenige Tage später wurde er mit einem Flieger der Turkish Airlines abgeschoben. Freund_innen und Unterstützer_innen von Sharif versuchten leider erfolglos, seine Abschiebung zu verhindern.

Etwa 20 Leute versuchten am Flughafen Passagier_innen des Fliegers davon zu überzeugen, dass ein friedliches Aufstehen und stehen bleiben beim Start, um ein Zeichen gegen das Spiel mit Menschenleben zu senden, nötig ist. Lediglich eine Freundin von Sharif, die kurzfristig ein Ticket kaufte, protestierte schließlich stehend vor dem Abflug und wurde in der Folge von vier Beamten aus dem Flieger geworfen (:: siehe Bericht in der NÖN und die :: Facebook Seite der Bewegung Mitmesch).



In einer von 1.367 Personen unterzeichneten :: Petition, die u.a. von der Bewegung Mitmensch unterstützt wird, heißt es: "Wir fordern die sofortige Aussetzung aller Abschiebungen nach Afghanistan!"


Im Fall von Samim B. war der Protest erfolgreich


Am 26. August 2017 wurde eine Abschiebung vom Londoner Flughafen Heathrow abgeborchen. Der 22-jährige Asylwerber Samim B. sollte abgeschoben werden, weil er kein kein Aufenthaltsrecht in Großbritannien mehr hätte. Er wurde im Juli im Zuge seines regelmäßigen Gangs zur Einwanderungsbehörde in London festgenommen und in Abschiebehaft überstellt. Der Vater von Samim B. ist britischer Staatsbürger und leidet unter einem posttraumatischen Stress-Syndrom. Freund_innen protestierten und machten auf die Gefährdung in Folge einer Abschiebung aufmerksam. In einer Petition, die von etwa 3.000 Leuten unterzeichnet wurde, forderten sie die Aussetzung der Abschiebung (siehe :: Urgent leave to appeal deportation to Afghanistan). Mehrere Menschenrechtsorganisationen richteten Appelle an die Regierung.

Die Abschiebung fand nicht statt, weil sich der Pilot weigerte, Samim mitzunehmen. Laut einem :: Bericht bei Euronews sagte der Pilot: "Ich fliege nicht. Sein Leben ist gefährdet."

Zahlreiche Passagier_innen wurden vor dem Abflug angesprochen, um sie auf die drohende Abschiebung aufmerksam zu machen und die Aufmerksamkeit der Crew zu erregen. Eine Aktivistin sagte zu der Aktion laut :: huffingtonpost.de in einem Interview mit dem "Independent": "Irgendwann bat uns die Security, damit aufzuhören. Aber da waren die meisten Passagiere eh schon in der Maschine."

In diesem Fall war der Protest am Londoner Flughafen Heathrow vorerst erfolgreich. Den Unterstützer_innen, Freund_innen und Verwandten von Samim B. gelang es, die Passagier_innen, Besatzung und den Piloten einer Maschine der Turkish Airlines davon zu überzeugen, dass der junge Mann bei der Rückkehr in Kabul von der Taliban getötet wird. Seine Abschiebung ist zwar vorerst ausgesetzt, er wurde aber wieder in Abschiebehaft in London gebracht.

Laut eienem Bericht von :: turkishpress.de haben die Einwanderungsbehörden in GB die Flüge nach Afghanistan im vergangenen Jahr wieder aufgenommen, "nachdem ein Berufungsgericht in London die Abschiebepraxis zugunsten der Regierung auslegte. Trotz der Bedenken des britischen Außenministeriums, die Afghanistan als nicht sicher einstuft, wurden seitdem immer wieder abgelehnte Asylbewerber[_innen] nach Kabul ausgeflogen. Das Innenministerium teilte lediglich mit, dass die Asylanträge genauestens überprüft und die Einzelfallregelung gelte."